Hund bellt ohne Ende

  • hallöchen,
    Vielleicht habt ihr noch eine Idee was ich machen könnte.
    Mein Jack Russel Münsterländer Mix bellt extrem viel.
    Er kläfft ohne Ende wenn es an der Tür klingelt und regt sich tierisch auf....Er kläfft andere Hunde, Spaziergänger, Fahrradfahrer ja sogar manchmal Autos vom GrundStück aus an.
    Wenn ich mit ihm spazieren gehe dann ist er total lieb zu anderen Hunden und fremde Menschen interessieren ihn nicht.
    Ich hab schon so viel ausprobiert...Habe ihn immer einen festen Platz zugewiesen wo er partout nicht sitzen bleibt. Ich habe ihn in andere Zimmer gesperrt bis er sich beruhigt hat und laut Hundeschule habe ich immer wenn er Gebellt hat mit verschiedenen Sachen geworfen..Also nicht nach ihm geworfen sondern nur schwere laute Sachen für den gewissen Schreckmoment...
    Das interessiert ihn alles überhaupt nicht!
    Er liebt es anscheinend zu bellen und sich aufzuregen.
    Ich bin mit meinen Ideen langsam am Ende. :ka:
    Liebe Grüße
    Sarah

  • Hallo Sarah...
    Solche Fragen sind aus der Ferne immer sehr schwer zu beantworten. Vor allem, weil immer Informationen fehlen.
    Mich würde zum Beispiel interessieren, was ihr mit dem Hund macht:
    Nur spazieren gehen, Dummyarbeit, Agility usw.?

    Dann wie so euer Tagesabslauf aussieht. Wie viel wird sich mit dem Hund beschäftigt, wie viel schläft er etc.?

    Gibt es Tage, an denen er mehr oder weniger bellt? Was ist an diesen Tagen bzw. an den Tagen davor anders?

    Wo kommt der Hund her, seit wann habt ihr ihn, seit wann besteht das Problem?

    Das wichtigste aber wäre, den Grund für das Bellen herauszufinden. Dazu dienen die o.g. Fragen übrigens ;)
    Langeweile, Über- oder Unterforderung, Angst oder Unsicherheit, Aggressionen...?

    Zu den bisher angewendeten "Trainings"methoden im einzelnen:

    Habe ihn immer einen festen Platz zugewiesen wo er partout nicht sitzen bleibt.

    Da stellt sich die Frage, wie Du das aufgebaut hast. So wie es klingt steigert sich dein Hund sehr in das Bellen hinein und hat währenddessen massiven Streß.
    Wenn ein Lebewesen Streß hat, kann es nicht lernen. Ganz einfache Sache. Das heißt, alle Übungen, die dazu dienen, einen Hund aus dem Streß herauszuholen, müssen erst in streßfreien Situationen aufgebaut und konditioniert werden.
    Der Streßlevel darf erst nach und nach langsam(!) gesteigert werden, damit Kommandos/Verhaltensweisen auch unter großem Streß abrufbar sind.

    Ich habe ihn in andere Zimmer gesperrt bis er sich beruhigt hat

    Wie lange hat das gedauert?
    Kann der Hund alleine bleiben oder bellt er dabei auch? Auch dieses plötzlich von euch getrennt sein kann sehr starken Streß auslösen.
    Wir nutzen die Methode des "Rausschickens" ebenfalls für unseren Münsterländer-Mix. Allerdings nur in extremen Situationen. Wenn wir merken, dass er sich gerade so in seinen Streß reinsteigert, dass er bald nicht mehr anders kann. Dann kommt von uns ein "Schluß" und wenn er sich dann etwas beruhigt bekommt er was zum kauen und darf sich daran abreagieren.
    Beruhigt er sich nicht, sondern bellt weiter, wird er kommentarlos und vor allem völlig emotionslos ins Schlafzimmer gebracht. Dort hat er seine Liegeplätze, er hat Wasser und es ist das Zimmer, das am weitesten von allem weg ist, was ihn gerne aufregt (Besuch z.B.). Er kommt dort erst wieder raus, wenn er entspannt ist. Das heißt je nach Streßlevel vorher gehen wir nach einer halben Minute oder eben auch später hin und schauen, ob er entspannt ist. Ohren, Gesicht, Rute, Körperhaltung. Nicht nur, ob er leise ist. Erst dann darf er aus dem Zimmer.

    laut Hundeschule habe ich immer wenn er Gebellt hat mit verschiedenen Sachen geworfen..Also nicht nach ihm geworfen sondern nur schwere laute Sachen für den gewissen Schreckmoment...

    Hach ja... Positive Strafe ist immer so eine Sache. Seit Rütter extrem populär und leider tausendfach falsch angewendet.
    Was die meisten Menschen dabei nicht verstehen, ist das Prinzip, dass hinter diesem Schreckreiz steht.
    Wie bereits gesagt hat dein Hund vermutlich extremen Streß. In diesem Streß kann er schlicht nichts mehr wahrnehmen. Ein Schreckreiz soll ihn aus diesem Streß herausholen. Dazu muss der Reiz ein Mal extrem deutlich und sehr zeitgenau erfolgen. Sobald der Hund sich erschreckt, kann er sich nicht mehr auf seinen Streß konzentrieren und hier muss dann das Alternativverhalten eingebracht werden.
    Was soll der Hund tun, anstatt sich die Seele aus dem Leib zu kläffen? Dafür ist es am sinnvollsten, das entsprechende Alternativverhalten bereits Wochen vor dem ersten Schreckreiz konditioniert zu haben, damit der Hund sofort schalten kann.
    WENN alles richtig getimed wurde, braucht man den Schreckreiz oft nicht mehr oder zumindest nur noch wenige Male in abgeschwächter Form einbringen.
    Bei euch ist es dafür zu spät. Der Hund hat sich daran gewöhnt.

    Das große Problem bei positiver (und natürlich auch negativer) Strafe ist, dass sie unheimlich leicht falsch verknüpft werden kann. Hunde lernen extrem orts- und situationsgebunden. Das heißt also, wenn der Hund bellt, Du etwas nach ihm wirfst und gerade ein Schmetterling vorbeifliegt kann es sein, dass der Hund in Zukunft Angst vor Schmetterlingen hat, weil er sie mit dem Schreckreiz in Verbindung bringt.

    Das war ja nun alles sehr allgemein gehalten. Konkrete Tipps kann ich dir ohne genaueres Wissen um die Lebensumstände des Hundes leider nicht geben.
    Aber vielleicht hilft dir diese Seite hier schon weiter:
    Übermäßiges Bellen beim Hund kontrollieren | Hundeerziehung | Planet Hund

  • Hallo
    Wow erstmal vielen dank für die ausführliche Antwort.
    Also wo fange ich an....
    Ich habe ihn als Welpen mit 9 Wochen von einer Privatperson geholt.
    Ich gehe jeden Tag mit ihm so ca 1 bis 2 Std spazieren.
    Je nach Wetter wird noch draußen gespielt. Er ist viel draußen in unserem großen Garten unterwegs.
    Ich schätze mal ganz stark dass er entweder ein Angstbeller ist oder sein Revier verteidigen will.
    Denn außerhalb des GrundStücks ist er total lieb und bellt eigentlich überhaupt nicht.

  • Ich habe ihn als Welpen mit 9 Wochen von einer Privatperson geholt.

    Und wann fing das Problem mit dem Bellen an? So ca. zwischen dem 6. und 10. Lebensmonat?

    Ich gehe jeden Tag mit ihm so ca 1 bis 2 Std spazieren.

    Ich will ja nicht doof klingen aber: ist das alles?
    Ich kann aus persönlicher Erfahrung nur vom Münsterländer sprechen, beim Jack Russell weiß ich es vom Lesen/Hörensagen: Du hast da einen extrem intelligenten Hund sitzen, der arbeiten WILL.
    Man muss nicht jeden Tag mit dem Hund 3 Stunden Gassi gehen, 2x die Woche Agility, am Wochenende Mantrailing und zwischen durch noch Trickdogging machen, Gott bewahre. Aber es wäre schon gut, wenn man dem Hund eine artgemäße Auslastung bietet.
    Beim Kleinen Münsterländer wäre das z.B. Fährtenarbeit, Dummyarbeit, Mantrailing. Alles, was irgendwie mit der Jagd zu tun hat.
    Nasen- und Kopfarbeit sind gerade bei intelligenten Hunden sehr wichtig. 10 Minuten schnüffeln können wesentlich anstrengender sein, als 60 Minuten spazieren gehen.

    Eine Frage interessiert mich noch sehr:

    wie viel schläft er etc.?

    Das ist deshalb wichtig um zu erkennen, ob euer Hund gelernt hat Ruhe zu halten, oder ob er sich ständig selber hochpusht.
    Sowohl der KlM, als auch der JRT sind prädestiniert dafür. Natürlich gibt es auch immer ruhige Rassevertreter, aber die leicht zu überdrehenden sind in der Überzahl.

    Ich schätze mal ganz stark dass er entweder ein Angstbeller ist oder sein Revier verteidigen will.
    Denn außerhalb des GrundStücks ist er total lieb und bellt eigentlich überhaupt nicht.

    Wenn er nur auf dem Grundstück bellt scheint es eher eine Form des Revierverteidigens zu sein.
    Hierfür wäre auch interessant, wann und wo das Bellen angefangen hat.

  • Wie alt ist er denn?

    Territoriales Gebelle halt. Du hast es vermutlich nicht früh genug unterbunden und nun hat sich das Verhalten eingeschlichen und gefestigt. Wenn er nicht bellen darf/soll musst du es halt ab sofort konsequent unterbinden. Das erfordert Geduld und Durchhaltevermögen, so einfach wird er sich das nicht nehmen lassen.

  • Ja das kann gut hinkommen das es ca mit 6 Monaten angefangen hat!
    Schlafen tut er eigentlich wenn wir nicht gerade draußen unterwegs sind ziemlich viel. Seit dem er im Haus eine Hundebox hat zieht er sich dort gerne zurück und pennt einfach mal vor sich hin.

    Also im Garten verstecke ich sehr gerne Spielzeug für ihn was er dann suchen muss.. Da fährt er voll drauf ab.
    Aber speziellen HundeSport machen wir nicht.

  • Ja das kann gut hinkommen das es ca mit 6 Monaten angefangen hat!

    Joa... Das war die Pubertät. Man hätte es, wie Mia schon schrieb, gleich unterbinden müssen. Jetzt wird es wesentlich länger dauern, das Problem abzustellen.
    Ich gehe davon aus, dass eurem Hund schlichtweg langweilig war und er sich dann seine Beschäftigung (das Grundstück "bewachen") selbst gesucht hat.

    Wenn er nur im Garten bellt ist die Lösung für das Unterbinden eigentlich einfach: Schleppleine an den Hund, sobald er bellt, reinholen. Sobald er sich beruhigt: Wieder rauslassen. Bellt er, wieder rein usw.
    Das muss nur absolut konsequent, das heißt jedes Mal(!) wenn er bellt passieren.

    Allerdings denke ich, dass er sich dann vielleicht ein anderes Verhalten suchen könnte, um sich zu beschäftigen. Von daher würde ich euch wirklich dazu raten, euch eine Beschäftigung für den Hund zu suchen. Viele Sachen, z.B. Dummytraining, Trickdogging, Fährtenarbeit, ZOS usw., kann man auch ohne Verein machen.
    Man sollte es nur eben so betreiben, dass es den Hund fordert und wirklich geistig auslastet.

  • Ja, so um das Alter haben meine Hunde auch angefangen zu melden. Du musst dir halt überlegen, ob du möchtest, dass er meldet, oder nicht. Ich habe es beispielsweise in bestimmten Situationen immer unterbunden, z.b. Türklingel, Nachbar oder ähnliches. Meine Hunde waren anfangs in solchen Situationen an der Leine (auch im Haus), damit ich sofort korrigieren konnte. Melden sollen sie ja, aber nicht wegen jedem Blatt was fliegt kläffen.

    Kannst du prima üben, indem du jemanden aus der Familie vor die Tür schickst und klingeln lässt. Dabei solltest du immer zwischen Tür und Hund stehen, um deinem Hund den Platz weisen zu können. Du musst halt konsequent sein, d.h. wirklich jedesmal korrigieren.

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