Erziehung von unsicherem Hund
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Hallo,
ich habe eine Hündin vom Tierschutz als Pflegling. Sie ist seit dem 1.6. in Deutschland.
Sie wurde ausgesetzt in Sardinien aufgefunden und hat Leishmaniose.Clarissa kam hier an als sehr ängstlicher und unsicherer Hund. Sie traute sich nicht draußen ihr Geschäft zu verrichten, wenn draußen Menschen oder Katzen unterwegs waren ist sie schnell zurück gewichen. Auch bei Autos hat sie sich geweigert überhaupt vorbei zu gehen.
Vor plötzlichen Geräuschen hat sie sich extrem erschrocken, auch bei Berührung draußen hat sie erstmal laut aufgejault.
In der Wohnung wenn Fremde kamen war sie auf ihrem Platz und hat aber auch kein Interesse gezeigt. Vor Gewitter hat sie Panik und steht dann unter enormem Stress.Mittlerweile ist sie stubenrein, sie geht an Autos vorbei, Katzen stören sie nicht, sie kläfft draußen einige Hunde erstmal an aber hat einen Hundefreund mit dem sie gerne -soweit das an der Leine möglich ist- tobt.
Man merkt richtig wie sie aufblüht wenn wir draußen unterwegs sind.Allerdings ist es jetzt auch so dass sie sobald Besuch kommt diesen anbellt und sobald der Besuch sich bewegt immer wieder damit anfängt. Und sobald man sie alleine lässt fängt sie an den Müll auszuräumen und in die Wohnung zu machen.
Berührungen machen sie unsicher. Berührt man sie geht der Kopf runter, sie hört auf der Stelle auf zu wedeln und bekommt Stress. Leckerchen nimmt sie ausschließlich Fleischwurst.
Jetzt zu meinen Fragen...
Hat jemand eine Idee wie ich es hinbekomme dass sie wenn sie alleine ist nicht überall hin macht und bei Fremden nicht immer bellt ?Thema Erziehung.
Sie kann nichts, keinerlei Grundkommandos. Wie erziehe ich einen solch unsicheren Hund wenn sie ausweicht sobald man auf sie zugeht und Berührungen auch nicht mag ? - Vor einem Moment
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Zitat
Thema Erziehung.
Sie kann nichts, keinerlei Grundkommandos. Wie erziehe ich einen solch unsicheren Hund wenn sie ausweicht sobald man auf sie zugeht und Berührungen auch nicht mag ?Extrem kleinschrittig

Es gibt gute Trainingspläne für handscheue Hunde, falls du "erstmal" damit anfangen willst. Training OHNE Manipulation, Bedrängung, Einschränkung ist wichtig. Klickertraining bietet sich da natürlich an.
Stell die "großen" Probleme etwas nach hinten. Müll ausräumen: Stell den Müll sicher weg! Verhindere einfach, dass sie dran kommt. Da ist (kreatives) Management nötig. Der Stress beim Alleinleiben ist einfach der Tropfen auf den heissen Stein, da sie ja generell (viel) Stress zu haben scheint. Evtl. wird sie sich etwas anderes zum Stressabbau suchen. Zeige ihr ein paar Kauspielzeuge, dränge sie aber nicht auf. Mach es ihr leicht diese auszuschlabbern mit extrem leckeren Zeug. Wenn sie in deiner Gegenwart nicht frisst, verlass das Zimmer ruhig. Lass Berührungen weg, wenn sie Angst dabei hat, schaden sie mehr als dass sie helfen. Aber auch das kann man ändern - mit der Zeit.
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Moin,
spontan würde ich auch sagen "Clickern" ist eine gute Wahl. Das ist etwas, das bei ihr mit Sicherheit noch nicht negativ besetzt ist und wenn Du nicht clickern magst nutz an stelle des Klickers ein Markerwort - etwa ein hoch gesprochenes langes "feeeeeeiiiiiiinnnnnnn" - kann ruhig albern klingen, aber hohe Stimme wirkt auf solche Hunde meist ziemlich gut.
Ansonsten hat Estandia Recht, mein Mülleimer hängt mittlerweile an der Wand, jedenfall einer und der andere wurde ausgetauscht. gegen einen, den meine Hunde nicht aufbekommen. Vermeide einfach, das sie etwas anstellen kann. Türen schließen und Raum begrenzen, nichts herum liegen lassen - einfach - keine Gelegenheit bieten, ezwas anzustellen.
Ansonsten, es kann sein, das sie einfach nicht allein bleiben kann..... ganz kleinschrittig üben, erst mal nur geschlossene Türen, wenn Du ins Bad gehst oder mal - wirklich kurz - den Raum verlässt. Dann irgendwann man kurz zum Bäcker.... keiner meiner spanischen Hunde hat Kauzeug angenommen, wenn ich ging.... da war immer Panik. Lucas etwa ist jetzt aus dem Häuschen, wenn er nur meinen Koffer sieht, dann weicht er mir nicht von der Seite und allerliebste Lieblingskaustangen sind so was von unspannend..... aber völlig.
Wie benimmt sie sich denn sonst? Geht sie Dir in der Wohnung nach? Lässt sie schon erkennen, das sie Routinen verstanden hat? Ich meines so etwas: als Lucas neu zu mir kam, lief er mir auf Schritt und Tritt nach - ich hab ihn auch gelassen, weil ich das Gefühl hatte, er braucht das - nach einigen Tagen folgte er mir nach dem morgendlichen Aufstehen nicht mehr bis zum Bad. Er bliebt auf seinem Platz liegen - kam nur noch, wenn er statt dessen eine andere Tür hörte. Und eines Tages verließ er den Raum in dem ich war und legte sich in einen anderen. Da wusste ich, das er jetzt einen großen Fortschritt gemacht hatte.
Das Ankommen als Solches dauerte allerdings etwa ein halbes Jahr und von meinem Gefühl her konnte Lucas erst so nach drei, vier Monaten allein bleiben - kann sein, das es bei Euch schlichtweg zu früh dafür ist und sie tatsächlich Panik schiebt, daher auch das Pieseln. Lou hasst es noch heute, aber er weint nicht, er stellt nichts an, ich weiß, das er sich hinlegt und auch entspannt - er wird es nie mögen - liegt aber auch in seiner Natur. Ich nehm ihn gern mit, wenn möglich aber natürlich lasse ich ihn auch daheim.
Ach Lucas zeigt das Phänomen, das er sofort aufhört zu wedeln, wenn man ihn streichelt und er beschwichtigt auch, allerdings schmiegt er sich unter meine Hand, so weiß ich durchaus, das er es schätzt.... wenn das Anfassen für Clarissa etwas Schönes ist und sie lernt, das ihr nichts passiert, wird sie es eines Tages sicher mögen.Ich würde sie vorerst allerdings nicht von anderen anfassen lassen, Besuch sollte sie einfach nicht beachten.
Was das Bellen betrifft, schau hin und beobachte es, so wie Du schreibst, würde ich es vorerst noch ignorieren - wenn sie denn mal aufhört - ihr ein ruhiges "ist gut" sagen und schauen, was passiert. Ich kann mir vorstellen, das es Unsicherheit ist, gepaart mit einer gewissen Furcht.
Ansonsten braucht es Zeit, Ruhe, Geduld und noch mal Geduld. Ich würde allerdings nichts zulassen, was Du nicht willst.... also, wenn sie nicht aufs Sofa soll, sollte sie auch nicht rauf dürfen, man kann Hunde auch sanft zurecht weisen - als Beispiel. Alles Andere wird sich finden.
Sundri
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Danke für die Antwort erstmal

Wo finde ich denn zb so einen Trainingsplan ?
Drängen möchte ich sie zu nichts, es ihr nur leichter machen.
Sie hat alle Zeit die sie braucht aber ich denke vom nichts tun wird es nicht besser.Das mit dem Müll wegstellen hab ich mittlerweile gemacht.
Fressen klappt nur wenn man nicht in ihrer unmittelbaren Nähe ist.
Sie hat einen Esel mit dem sie ausgelassen spielt wenn sie sich unbeobachtet fühlt aber auch nur dann.
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Manchmal geht sie mir nach und manchmal auch nicht.
Wenn ich aber aufstehe und "na komm" sage dann weiß sie es geht raus und kommt zur Tür.
Das Geschirr anlegen findet sie dann wieder nicht so toll und weicht teilweise auch da aus.Sie hat einen Kauknochen den sie gern bearbeitet aber auch da nur wenn sie sich unbeobachtet fühlt. Aber ist man weg scheint der auch uninteressant zu sein.
Ich habe es nach 2 Wochen ca mit dem Clicker versucht weil ich das mit unserem Kater auch gemacht habe.
Sie legt den Kopf schief und findet das Geräusch sehr seltsam. -
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Erstmal kurz vorneweg: Du sprichst viele Themen an und es lässt sich sicher nicht alles über eine Forumsantwort klären, wenn du die Möglichkeit hast mit einem Trainer zu arbeiten, dann mach das!
Zitat
Allerdings ist es jetzt auch so dass sie sobald Besuch kommt diesen anbellt und sobald der Besuch sich bewegt immer wieder damit anfängt. Und sobald man sie alleine lässt fängt sie an den Müll auszuräumen und in die Wohnung zu machen.Besuch: Erstmal management, bringe sie weg, wenn das möglich und stressfreier ist oder (so würde ich es machen): Übe es gezielt. Es kommt Besuch und sie ist auf ihrem Platz (angebunden, wenn sie das Kommando "ab ins Körbchen" noch nicht kann. Dann bist du mit Wurst bewaffnet und dein Besuch sitzt ganz still. Dann bewegt er sich ein bisschen und du wirst ihr ein Stückchen Wurst zu. Ich würde es vom Aufbau und der Idee wie in diesem Video machen:
https://www.youtube.com/watch?v=wesm2OpE_2cMüll ausräumen: Sie hat vermutlich großen Stress beim Alleinebleiben. Wie habt ihr das geübt? Sie hat angefangen die als Rudel zu akzeptieren und bekommt jetzt wo sie dir vertraut Angst, dass du vielleicht nichtmehr wieder kommst. Ihr müsst es kleinschrittig neu aufbauen. Auch das Urinieren ist ein eindeutiges Zeichen von Stress beim Allein sein.
ZitatBerührungen machen sie unsicher. Berührt man sie geht der Kopf runter, sie hört auf der Stelle auf zu wedeln und bekommt Stress. Leckerchen nimmt sie ausschließlich Fleischwurst.
Fasse sie nicht am Kopf an und achte auf deine Körpersprache. Viele Signale die wir senden, wirken auf einen (schlecht sozialisierten) Hund bedrohlich. Kurzfassung: Nicht über den Hund beugen, in die Hocke gehen, nicht in die augen schauen, Kopf abweden usw.
Lies dazu am besten:
Sonst würde ich dir das Buch dringend empfehlen:
ZitatSie kann nichts, keinerlei Grundkommandos. Wie erziehe ich einen solch unsicheren Hund wenn sie ausweicht sobald man auf sie zugeht und Berührungen auch nicht mag ?
Mit Leckerchen
Nimmt sie die aus der Hand? Eigentlich ist es recht einfach einem Hund das gewünscht Verhalten (Sitz, Platz...) über positive Verstärkung beizubringen. Ich würde an deiner Stelle auch mit dem Klicker und freiem Formen arbeiten. Das Stärkt auch ihr Selbstbewusstsein, eure Bindung und sie bekommt mehr das Gefühl, sie kann Probleme lösen, was ängstliche Hunde deutlich entstressen kann. Dazu empfehle ich dir:
Die ist zwar für Katzen gedacht, aber prinzipell kannst du es genau so wie es darin steht auch für deinen Hund anwenden. ich finde es super erklärt! Es gibt die Box auch für Hunde, aber die habe ich nicht und weiß entsprechend nicht, ob sie gut ist:
Jetzt habe ich dir ganz viele Sachen empfohlen, aber es ist wirklich ein sehr komplexes Thema und ich gebe dir sehr gerne weitere Tipps, aber 250Seiten Buch kann ich hier natürlich nicht ersetzten

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Zitat
Manchmal geht sie mir nach und manchmal auch nicht.
Wenn ich aber aufstehe und "na komm" sage dann weiß sie es geht raus und kommt zur Tür.
Das Geschirr anlegen findet sie dann wieder nicht so toll und weicht teilweise auch da aus.Sie hat einen Kauknochen den sie gern bearbeitet aber auch da nur wenn sie sich unbeobachtet fühlt. Aber ist man weg scheint der auch uninteressant zu sein.
Ich habe es nach 2 Wochen ca mit dem Clicker versucht weil ich das mit unserem Kater auch gemacht habe.
Sie legt den Kopf schief und findet das Geräusch sehr seltsam.Steffi hat viel Gutes dazu geschrieben, auf einen Clicker muss der Hund eingearbeitet werden, das dauert ein bisschen. Klick - Lckerchen - Klick - Leckerchen - Klick - Leckerchen -und zwar in direkter Folge, ohne das der Hund etwas dafür tun muss, das ist Konditionierung, kann sein, das Du 20 Leckerchen vergibst, oder 30 oder - je nach Hund. Am nächsten Tag klickst Du und wenn sie zu Dir schaut, loben und Leckerchen geben.... und so baut man das langsam auf. Ist in den Büchern aber sicher auch gut beschrieben.
Vor allem die Tipps im Umgang mit so einem Hund sind gut, nicht über ihn beugen etc. - Nie berühren ohne ihn vorher anzusprechen, ich erinnere mich, das haben wir bei Diego auch so gemacht - er kann das als Bedrohung sehen.
Und ich denke, er kann einfach nicht allein bleiben...... nie glernt und dann bekommt er Angst.
Sundri
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