Fremder Hund aus dem Nichts ohne Frauchen - wie reagieren?

  • Tja, was soll ich sagen, das sind unter Umständen echt besch... Situationen. Wir hatten gestern selbst das Problem. Normalerweise reicht es, sich frühzeitig in den Weg zu stellen, eine erhobene Haltung einzunehmen, evt. einen Schritt Richtung heranstürmenden Hund zu machen. Ist der fremde Hund jedoch schon zu nah und der eigene Hund wird belästigt sprich bedrängt (z. B. aufdringliches Schnuppern, Aufreiten wollen), klappt bei uns immer ein körperliches Abdrängen wie Dazwischen-Drängen, Anrempeln, bei entsprechend großen Hunden einfach in den fremden Hund hineinlaufen. Kleinere Hunde sind flinker, da finde ich es schwieriger, versuche aber auch da immer einen Fuß dazwischen zu kriegen. Meistens sind das aber alles nur ziemlich aufdringliche Hunde ohne große Aggressivität oder Beschädigungsabsicht. Sind sie nicht zu hampelig, habe ich schon größere und kleinere Hunde am Halsband/Geschirr festgehalten und auf den jeweiligen HH gewartet bis der seinen Hund endlich einsammelt. Hat bis her auch immer gut geklappt!

    Bis auf zwei Situationen, eine ist schon länger her und besagte gestrige:
    Beim ersten Mal hing meiner Hündin eine fremde Mischlingshündin am Ohr, ohne große Szene vorher, einfach drauf los, knurrend, zähnefletschend, einfach zugebissen und ließ nicht mehr los. GsD war die Besitzerin sofort da und hat ihren Hund eingesammelt. Problematisch war allerdings, dass die Hundin kaum loslassen wollte und ich echt Sorge hatte, dass sie dabei, durch das Wegziehen der Besitzerin von meiner Hündin, Jule noch das halbe Ohr abreisst. Ging aber mit einem "Kratzer" echt noch glimpflich aus. Nee, seitdem haben wir uns oft genug Gedanken gemacht wie man in so einer Situation am besten reagiert und sind zu dem Schluss gekommen, dass jede Situation anders ist und man es einfach davon abhängig machen muss. Da die Hündin ja nun nicht mehr los ließ und meine Hündin versuchte, sich aus dieser Situation heraus zu winden, jegliches Abdrängen und Blocken ja nicht mehr möglich war, wäre meine Option ein Zudrehen des Halsbandes der Fremdhündin gewesen - dumm nur, wenn der andere Hund dann ein Geschirr trägt...

    Und gestern, nichtsahnend, die obige Situation liegt schon ca. zwei Jahre zurück, schossen zwei Labradore um die Ecke stürmend direkt auf Jule zu. Nein, damit kann man nicht rechnen, darauf ist man nicht vorbereitet und man weiß ja auch nie, wann das nächste Mal so eine abscheuliche Situation eintritt. Einer ließ sich noch blocken bzw. hielt an und blieb stehen. Der andere schoß daran vorbei, direkt auf Jule zu und hing ihr mit einem Gesichtsausdruck vor'm Gesicht, das habe ich bisher noch nicht erlebt und brauche ich auch nicht wieder. Das war bei allen mehr oder weniger unangenehmen Hundebegegnungen gestern die einzige, bei der ich dachte, dass Jule gleich jede Sekunde ein zweites Mal in ihrem Leben gbissen wird. Ich hatte nichts dabei, nur meinen Haustürschlüssel. Jule ableinen kommt momentan, und in solchen Situationen eigentlich auch, aus diversen Gründen nicht in Frage. Alles andere ging nicht, der Hund war zu aggressiv, so eine Kauleiste von vorne bis hinten und oben bis unten habe ich live noch nicht gesehen. Die ganze Körperhaltung inkl. Gesichtsausdruck waren extrem bedrohlich. Als Ersthundebesitzer einer vierjährigen Hündin kann ich nicht behaupten, jahrelange Hundeerfahrung zu haben und alle Situationen gut einschätzen zu können. Klar Hunde, die nur nervig sind, aber sonst nicht aggressiv oder auch Hunde, die nicht mehr so freundlich drein schauen, das geht. Das erkennt man natürlich, da kann man abwägen. Aber das gestern, das war irgendwie anders - ich war mir zu sicher, dass der Labbi jede Sekunde zubeisst und die einzige Chance wäre da wohl nur noch ein kräftiger Tritt mit der Schuhspitze in eine empfindliche Stelle seitlich am Hund gewesen. Jule ist ein grundsätzlich sehr defensiver Hund, aber da hat sie gut dagegen gehalten und wäre nicht alsbald der Besitzer um die Ecke gekommen, hätte ich ihr geholfen mit besagtem Tritt. Ich weiß nicht, bin wirklich ein friedliebender Mensch und meine Hündin ist eben auch sehr defensiv und friedfertig, aber das war offensichtlich kurz davor zu eskalieren. Das war selbst für einen Laien wie mich nicht zu übersehen...

    Also, will heißen, den einen Ratschlag gibt es nicht, alles situationsabhängig. Bei der fremden Hündin hätte man sicherlich noch zupacken können (=> Halsband/Geschirr), gestern hätte ich das nie gewagt, das wäre dann vielleicht mein Arm gewesen... Klingt alles so dramatisch, und so etwas ist ja auch nicht an der Tagesordnung bzw. hoffentlich nur sehr selten, aber in dem Augenblick fragt man sich nur, was man tun kann bevor es evt. zu spät ist...Wenn der Besitzer nicht zur Stelle ist, nicht handelt...

  • Es kommt total auf die Situation an.
    Ich hatte bislang erst 2-3 Situationen, bei denen ich Gewalt anwenden musste.
    Einmal ein JRT der sofort ohne Grund auf uns zu kam und uns keine Möglichkeit mehr ließ weiterzugehen.
    Er kreiste um uns herum und wollte mir an die Hacken, wenn ich weitergehen wollte.
    Ich habe mehrfach ihn angeschrien und Ausfallschritt gemacht, aber habe ihn dann eher angestachelt.
    Ein Tritt in den Popo und er verzog sich sofort. Ruhe war.
    Ebenso ein übermütiger Labbi, der mich andauernd ansprang und immer wieder in meinen Schal schnappte, ich hatte keine Chance mich weiterzubewegen.
    Und langsam bekam ich Panik. Daher bekam er mit der Faust eine auf den kopf und einen "Verpiss dich" Tritt in den Hintern. Der hat sich ebenfalls sofort verzogen.
    Solche Maßnahmen finde ich nicht gut, aber effektiv. Und im Endeffekt, verteidige ich meine Haut nur.
    Klar trete ich nicht jeden Tut nix Hund der mal herrenlos vor uns steht, meist reicht ein Ausfallschritt mit entsprechenden Worten völlig aus. Manchmal warte ich auch, ob nicht wer kommt, der den Steunder vermisst.
    Und wenn ich den Hund kenne, bringe ich ihn auch gerne zurück oder so.

  • Ja, genau so sehe ich das auch. Noch einmal zur Erklärung: Bisher waren es immer nur aufdringliche Hunde, ein wenig frech vielleicht, aber nicht großartig bedrohlich, da reicht ein Ausfallschritt, ein Anrempeln, eine klare Körperhaltung und ein "Hau-Ab"!

    Aber eine Situation, die das nicht mehr zu lässt, die schon weiter ist, kurz davor zu eskalieren oder eben bereits eskaliert? Bisher habe ich ja nun noch nicht stark eingegriffen, bei meinen oben geschilderten Situationen waren beide Male die Besitzer zur Stelle. Wenn ich auch der Meinung bin, die HH hätten sich etwas mehr beeilen können, aber vielleicht waren sie ebenfalls so schockiert wie ich - so kam es mir durchaus in beiden Fällen vor. Also, bisher musste ich GsD noch nicht zutreten, es ist tatsächlich das Mittel der letzten Wahl. Aber wenn mir keine andere Wahl mehr bleibt, dann wird es so sein - auch wenn es meine natürliche Hemmschwelle übersteigt... Ich bin froh, da gestern drum herum gekommen zu sein.

  • Danke für die zahlreichen Antworten und Tipps :smile:

    Bei einem aggressiven Hund würde ich wahrscheinlich auch notfalls treten. Aber die meisten Hunde sind ja nicht bissig, sondern nur aufdringlich. Ich find das unmöglich, wie manche Leute ihre Hunde einfach rennen lassen, ohne sie noch im Blick zu haben.

    Die Idee mit dem Wasser find ich besonders gut, Wasser hab ich für Devlin unterwegs eh dabei und mit ein bisschen Wasser schade ich ja dem anderen Hund nicht. Einfach am Halsband packen, wär gestern vermutlich auch eine Option gewesen, auf die Idee bin ich so spontan gar nicht gekommen. Wär aber sicherlich auch nicht ganz einfach gewesen, zwei wibbelige, springende Hunde zu bändigen.

    Und beim nächsten Mal werde ich Herrchen oder Frauchen dann auch ein paar Takte sagen. Ist doch völlig egal, ob der Hund nur spielen will. Ich kann doch nicht erwarten, dass alle meinen Hund so lieben wie ich und das klasse finden, wenn ein fremder (scheinbar sogar noch herrenloser) Hund auf den eigenen Hund oder einen selbst oder Kinder losstürmt und alle anspringt. Klar, sowas kann mal passieren, das muss ja auch trainiert werden. Aber ich hab meinen Hund dann immer im Blick, versuche wenigstens, ihn abzurufen und entschuldige mich dann bei den Leuten. Also, bei Devlin bin ich noch nicht so weit, aber die vorherige Hündin hat natürlich auch mal wen angesprungen anfangs. Allerdings war ich immer sichtbar und meist waren die Leute auch selbst Schuld, weil sie sie gelockt haben.

    Na ja, aber manche sind einfach unverbesserlich. Zumindest eine Entschuldigung sollte ja wohl drin sein.

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