Rüde Aggression?

  • Hallo liebe Forenmitglieder,

    seit einem viertel Jahr bereichert ein zweiter Hund (Rüde, unkastriert) unser Leben. Als wir ihn holen wollten wurde uns gesagt er verträgt sich nicht mit anderen Rüde (wird aggressiv) und wir können gleich wieder nach Hause fahren. Mit dieser Antwort wollten wir uns nicht zufrieden geben und baten darum es trotzdem zu probieren. Widerstrebend stimmte die Pflegerin uns dann auch zu.

    Nach dem ersten Spaziergang ohne unseren Ersthund (Rüde, kastriert) stand fest das wir ihn wirklich gerne in unserer Familie hätten -auch wenn er schon 8 Jahre ist. Wir holten bei den nächsten Spaziergängen also unseren Ersthund dazu. Wie uns die Pflegerin schon erzählte versuchte er sofort auf ihn loszustürmen was wir jedoch konsequent unterbunden haben. Unser Ersthund ignorierte das Verhalten gekonnt und ging mit mir seine Runde. Er lässt sich durch andere Hunde nicht aus der Ruhe bringen.

    Nach mehreren Spaziergängen, die alle nach dem selben Muster verliefen stand fest, ein neutrales Gebiet muss her. Wir fanden dann auch schnell ein eingezäuntes Gebiet und ließen die Beiden zusammen. Wie zu erwarten stürmte er sofort auf unseren Ersthund los. Dieser drehte den Kopf und Körper zur Seite um ihm erstmals zu signalisieren "So nicht mein Freund". Dies ignorierte er und wollte trotzdem am Arsch schnüffeln. Ersthund begann jetzt ihn mit einem drohenden Knurren daran zu erinnern, dass er es ernst meint und er ihm eine drüberbrät, wenn er das nicht sofort lässt.

    Zu unserer Überraschung ließ er sofort ab von ihm und erkundete das restliche Gebiet. Nicht ein einziges Mal näherte er sich ihm wieder. Keine Aggressionen. Nichts. Jetzt fragt ihr euch sicher was das Problem ist.

    Unser Zweithund verträgt sich ausschließlich mit unserem Ersthund. Als er zu uns kam lernte er Abbruchsignal, zur Ruhe kommen, Rückruf und ordentlich an der Leine zu laufen. Alles meistert er mit viel Spaß. Der Stress beginnt bei ihm jedoch sobald er andere Hunde sieht. Dann sind die Ohren irgendwie zugetackert. Man kann ihm dann teilweise nur noch sehr grob zu Leibe rücken, durch wegziehen. Er fixiert sofort, stellt die Rute auf und statt zu knurren bellt er sofort los, wenn der andere Hund auch bellt.

    Am Anfang dachten wir an Leinenaggressionen und wollten mit einer Freundin testen wie er auf ihre Hündin (kastriert) reagiert. Diese ist sehr freundlich und verspielt. Wir ließen also Beide auf neutralem Gebiet zusammen. Er stürmte sofort auf sie zu und fing an sie aufs ärgste zu bedrängen, obwohl sie ihn mehrmals darauf hinwies (durch knurren und weggehen) das er es lassen soll. Da kein Ende in Sicht war wollten wir ihn zurück holen. Da kam mein Ersthund aus der Ablage aufgeschossen und hat den Zweithund mit einem kurzen beherzten Ruck auf den Rücken gedreht - stand über ihm und knurrte richtig bösartig. Wir waren total erschrocken, weil wir damit nie gerechnet hätten und alles so schnell ging.

    Nach dem Vorfall musste ich unser Vorgehen nochmal neu überdenken. Wir wollten es mit besagter Hündin nochmals probieren, aber diesmal wollten wir ihm schon das auf sie zu stürmen untersagen. Zweithund blieb zwar in der Ablage, aber fiepte unaufhörlich und es war nicht möglich ihn zu ihr zu lassen, weil er sie sofort anfing zu bedrängen. (am Arsch schnüffeln, aufreiten etc.)

    Wir testeten den ganzen Spaß nochmal mit einem intakten Rüden und zogen jedoch beiden Rüden einen Maulkorb über zum Schutz, da ich kein gutes Gefühl im Bauch hatte, welches sich auch bestätigte. Er ging sofort auf ihn los und ließ nicht mehr von ihm ab selbst als der andere Rüde schon mit eingezogener Rute auf dem Rücken lag. Mein Ersthund lag die ganze Zeit aufgeregt bellend neben mit. Nach dem Desaster haben wir ihn nicht mehr zu anderen Hunden gelassen und eher daran gearbeitet das er ohne zu murren an anderen vorbei geht, was mittlerweile super klappt. Haben ihm die Alternativhandlung "Anguggen" beigebracht dafür.

    Ich kann mir sein aufdringliches Verhalten leider überhaupt nicht erklären und auch nicht warum er das bei unserem Ersthund nicht macht. Vielleicht habt ihr ja Ideen, wenn ihr euch durch den riesigen Text gearbeitet habt.

    Liebe Grüße
    Zerberus :smile:

  • Warum schickst du deinen (und deinen anderen sowie die anderen) Hund(e) in solche Situationen? Genau so, wie ihr es mit eurem Ersthund gemacht habt, ist das richtige Vorgehen bei Hunden, die mit Artgenossen nicht einfach sind. Sei glücklich damit, dass du ihn ruhig an anderen vorbeiführen kannst (das ist doch super) und akzeptiere, dass dein Hund nicht auf Fremdhundekontakt steht. Im Übrigen ist das normales Verhalten für erwachsene Rüden, auch wenn die heutige Gesellschaft andere Hunde will. Der Hund braucht es auch nicht, er hat ja einen Artgenossen, mit dem er sich versteht und Sozialkontakt hat.

  • Rums! Da poltern die Vorwürfe ins Haus.

    An Skádi: Nein das muss er nicht.

    An Camillo09: Wir haben die Hunde in diese Situation geschickt um ihr Verhalten zueinander zu sehen und um ungewollte sowie gefährliche Situationen die vielleicht so im Freilauf mit anderen fremden Hunden geschehen wären zu vermeiden. Wir sind sehr glücklich ihn an anderen Hunden vorbei führen zu könne. Mir ist sein Verhalten nur suspekt und das er keinen Hundekontakt möchte kann ja nun auch nicht so ganz stimmen sonst würde er es bei unserem Ersthund ja auch tun.

    Ich hatte mir eher eine Erklärung erhofft für solches Verhalten oder ähnliche Erfahrungen. :smile:

  • Manche Hunde brauchen keine fremden Hunde zum glücklich sein, gerade ein älterer "gebrauchter" Hund hat vielleicht einfach schon seine Erfahrungen gemacht.
    Ich hab zur Zeit 3 Hunde zuhause. Einen älteren Rüden - der hat so gar nix mit anderen Hunden am Hut. Gerade mal mit läufigen Hündinnen ;) und die im Haus werden geduldet und gut ist.

  • Zitat

    Ich hatte mir eher eine Erklärung erhofft für solches Verhalten oder ähnliche Erfahrungen. :smile:


    Solche Hunde gibt es einige - oft hatten sie keine Gelegenheit, ein adäquates Sozialverhalten zu lernen. Für (souveräne) Freunde machen sie evt. eine Ausnahme, der Rest wird nach der Haudraufmethode behandelt.

    Wenn das Verhalten über Jahre geübt wurde und "Erfolg" hatte, sitzt es entsprechend tief und ist kaum zu beseitigen. Spezialisierte Therapiegruppen mit sehr firmen hundlichen "Lehrern" sind überall Mangelware und in D und CH noch fast gänzlich unbekannt. Einfach so drauflassen, wenn ihr selber euch nicht genügend auskennt, ist auch mit Maulkorb nicht empfehlenswert.

    NB: Die Analkontrolle ist kein ungebührliches, sondern ein völlig normales Hundeverhalten, welches selbstsichere Hunde gegenseitig zulassen. Aufdringlichkeiten sind ein anderes Thema. erwähne ich nur, weil Analkontrolle für euch offenbar als "schlecht" gesehen wird.

  • Selbstverständlich ist die Analkontrolle in Ordnung, aber nicht, wenn er garnicht mehr ablassen will. :-(

    Es ist wirklich schade, dass es in D generell sehr wenige gibt die sich mit Mehrhundehaltung beschäftigen und auskennen.

  • Bei uns zu Hause lebt auch so ein Exemplar. Hunde, die er kennt, werden akzeptiert und alles ist tutti. Unbekannte Hunde (auch Hündinnen) würden erst einmal über den Haufen gerannt und auch am Boden festgetackert. Zum Glück beisst er nicht, aber das lautstarke Rüdengeprolle ist ziemlich heftig und auch echt angsteinflößend.

    Fiete kommt aus dem Tierheim und über seine Vergangenheit wissen wir nichts. Wir gehen aber davon aus, dass er nicht gut sozialisiert wurde. Wir haben es so akzeptiert und vermeiden jeden Umgang mit unbekannten Hunden.

  • Zitat

    Es ist wirklich schade, dass es in D generell sehr wenige gibt die sich mit Mehrhundehaltung beschäftigen und auskennen.

    Du hältst ja aber nur die beiden Hunde, oder lebt die Hündin auch bei Euch?

    Wir hatten jahrelang einen Rüden, der erst mit ca. 4 Jahren zu uns kam und unverträglich mit Welpen, Hündinnen und Rüden war. Als eine Hündin bei uns einzog, dauerte es einige Zeit, bis es nicht mehr "krachte", wenn beide aufeinander trafen. Unser Rüde lernte im Lauf der Zeit, zumindest Hündinnen zu akzeptieren. Bei uns lebten üner mehrere Jahre ein bis drei Hündinnen, teils wechselnd (Pflegehunde). Auch draußen kam er nach einiger Zeit mit Hündinnen klar, wobei wir sehr darauf achteten, dass er nie bedrängt wurde, aber auch im Gegensatz zu Eurem Hund nie die Möglichkeit bekam, sich auf andere Hunde zu stürzen, diese zu bedrängen. Bei Rüden haben wir Zeit seines Lebens den Kontakt verhindert, wozu hätten wir darauf bestehen sollen?

  • Zitat

    Mir ist sein Verhalten nur suspekt und das er keinen Hundekontakt möchte kann ja nun auch nicht so ganz stimmen sonst würde er es bei unserem Ersthund ja auch tun.

    Ich hatte mir eher eine Erklärung erhofft für solches Verhalten oder ähnliche Erfahrungen. :smile:

    Hundekontakt ist nicht das gleiche wie Fremdhundekontakt. Meiner ist da auch so, es gibt Hunde, die er mag, aber das sind nicht die, die man alle paar Monate mal im Wald trifft.

    Meiner hat es z.B. nie gelernt und tut sich extrem schwer, fremde Artgenossen einzuschätzen. Deshalb will er von den meisten erst mal nichts wissen bzw. hätte gerne, dass diese augenblicklich wieder verschwinden. Es gibt einige, die ganz klares Sozialverhalten haben (entweder ängstlich oder absolut souverän oder offensichtlich desinteressiert), die er auf Anhieb einschätzen kann und mit denen gibt es auch keine Probleme. Hunde, die ihm aufgerichtet, stolzierend, am Boden liegend, auf ihn zu stürmend, bedrängend... begegnen, da tut er sich schwer und sieht das erst mal als Gefahr. Da braucht er einfach Zeit, gemeinsame Spaziergänge und dann verträgt er sich im Endeffekt bisher noch mit jedem. Aber eben nicht auf die "leinen los und gib ihm"-Variante.

    Wäre eine mögliche Erklärung, warum sich deiner so verhält.

Jetzt mitmachen!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!