Mein Hund traut mir wohl keine Entscheidungen zu?

  • Hallo und einen schönen guten Abend,

    ich bin schon ganz dusselig vom vielen lesen hier und hoffe, ein paar wirklich gute Erkenntnisse aus vielen Beiträgen gezogen zu haben.

    Dennoch brauche ich Hilfe bzw. eine Einschätzung, einen Rat.

    Wir haben im September 2012 unseren Bubb bekommen, einen griechischen Streuner, zuckersüß, wir lieben ihn über alles, sogar den Geruch seiner Käsefüßchen;-). Er ist ca 8 Jahre alt und eine Schäferhund-Mix, hat Nerven aus Stahl und ist in jeder Situation die Ruhe selbst.

    Seit einer Woche ist "das weisse Wesen" nun bei uns, ebenfalls aus Griechenland, von eben der Tierschützerin, von der wir auch Bubb haben.
    Das süße Wesen wurde als Welpe vor ca 4 Jahren bei ihr aufgenommen und hat im Haus gelebt, musste allerdings mehrere Stunden am Tag isoliert werden, weil die Hündin der Tierschützerin eifersüchtig war und angriff.

    Alles ist bereits total gut eingespielt, die beiden haben sich, meiner Einschätzung nach, wieder erkannt, Bubb hat sie direkt singend begrüßt und selbst das Fressen läuft seit dem ersten Tag gemeinsam super. Wir sind absolut begeistert, haben jetzt aber folgendes entdeckt.

    Die Kleine macht richtiges Theater um mich.
    Mein Mann und ich waren gestern erstmals 10 Minuten außer Haus, um den Kater der Nachbarn zu versorgen.
    In dieser Zeit hat die Kleine lt. Aussage meines anderen Nachbarn permanent gebellt und die Haustüre zerkratzt.

    Damit hatten wir überhaupt nicht gerechnet und haben zudem ein großes Problem bzw. sehr viel Arbeit, wenn es ein generelles Problem bei ihr ist.

    Wir haben direkt die Kamera aufgestellt und sind 5 Minuten raus.
    Sie rennt völlig hektisch hin und her und bellt, Bubb ist wie immer ruhig.

    Heute Morgen war ich, nachdem mein Mann mit den Fellnasen Gassi war, 5 Minuten beim Bäcker.
    Sie hat sich, obwohl er da war, total aufgeregt und mich angeblafft, als ich wieder kam.
    Wir haben dann viel gelesen und direkt mal mit einem kleinen Training begonnen, das wie folgt aussieht:

    Sie hat nun ein "Husch-Plätzchen" im Wohnzimmer, bestehend aus einer Kindermatratze, Kissen und Plüschtier.
    Das Plätzchen konnten wir ihr bereits gut schmackhaft machen, dort bekommt sie leckerchen und das Bäuchlein gekrault, wir loben sie, wenn sie sich freiwillig dort hinlegt und können sie bereits nach einem Tag gutem Training (sie ist hoch intelligent), mit "Husch" dort hinschicken. Das ist zwar noch nicht zuverlässig, aber mehr als wir von einem Tag je erhofft hatten.

    Nachdem sie dort heute entspannt gelegen hatte, haben wir damit begonnen, ihr klar zu machen, dass es kein Drama ist, wenn ich aufstehe, sie also ruhig liegen bleiben kann.
    Wir haben viel geübt, in kleinen Schritten, Fliesenlänge um Fliesenlänge weiter weg von ihr, sobald sie ihr Köpfchen wieder ablegt, sofort zurück, dann wieder einen Schritt weiter etc...zuletzt konnte ich mich sogar Minuten in der Küche aufhalten, ohne dass sie aufgestanden und hinter mir her gestiefelt ist. Mein Mann war die ganze Zeit im Wohnzimmer.

    Sie ist wirklich sehr sehr klug, das Mädchen...wir sind schon stolz auf sie:)

    Witzig ist, dass es ihr ziemlich egal ist, wenn mein Mann das Zimmer verlässt und ich da bin- ich gehe nun davon aus, dass sie mir keine Entscheidungen zutraut und mich von daher Kontrollieren will (sie hatte mich ja auch angeblafft heute Morgen nachdem ich zurück kam).

    Ich will die Kleine keinesfalls überfordern, sie ist ja noch soo soo neu hier und sicher ist sie innerlich ganz unsicher, aber es ist eine Horrorvorstellung, dass sie keine 10 Minuten ohne völlige Panik alleine sein kann, zumal ich nächsten Dienstag wieder zur Arbeit muss und es eigentlich so ist, dass die Hunde meinen Mann begleiten.
    Das funktioniert aber nicht, wenn die Maus dort auch Theater macht, wenn mein Mann in einer Besprechung o.Ä. ist.

    Was meint ihr? Woher kommt es, dass sie nicht mal kurz alleine sein kann?
    Ist es einfach selbst für 10 Minuten Alleinesein noch zu früh, trotz Bubb, der ein toller Leithund ist. Sind es Kontrollverlustängste, weil sie mir nichts zutraut?

    Ich arbeite gerade an allen Möglichkeiten, alles, was bei Bubb niemals zu beachten war.
    Sofa und Bett sind gestrichen, keine Verabschiedung und Begrüßung beim verlassen oder betreten des Zimmers bzw. des Hauses nach meiner morgentlichen Frechheit, zum Bäcker zu gehen...gestreichelt wird nicht nach ihrer Aufforderung, sondern zu einem selbst bestimmten Zeitpunkt....!

    Bitte sagt mir, dass es einfach noch zu früh ist, auf eine generelle allein-sein-Angst zu schließen.

  • Wenn die Kleine vor einer Woche aus Griechenland zu Dir gekommen ist, dann ist es tatsächlich noch etwas zu früh, um das Alleinebleiben schon zu üben.
    Sie muss erstmal ankommen.

    Ich kann mir vorstellen, dass sie viel entspannter ist, wenn sie mit Deinem Mann auf der Arbeit ist.

    Zitat


    Sofa und Bett sind gestrichen, keine Verabschiedung und Begrüßung beim verlassen oder betreten des Zimmers bzw. des Hauses

    Das würde ich nicht machen. Stärke lieber eure Bindung durch viel Körperkontakt, das schafft Vertrauen. Der Hund kontrolliert Dich nicht, sondern versucht, eine Bindung aufzubauen.

    Ich habe hier immer viele Tierschutzhunde in Pflege. Ich verabschiede mich mit einem kurzen Satz von meinen Hunden, damit sie wissen, dass ich weggehe.

  • Es ist wirklich noch zu früh, um von einer generellen Angst vor dem Alleinsein auszugehen. ;)

    So gut wie alle Hundehalter, die einen erwachsenen Hund neu übernommen haben, berichten, daß dieser ihnen zunächst auf Schritt und Tritt folgt. Manche sind begeistert, weil sie das für ein Zeichen von Anhänglichkeit halten, andere befürchten, ihr Hund wolle sie kontrollieren.

    Es ist aber einfach so, daß deine neue Hündin dich und deinen Mann und das Leben bei euch noch nicht kennt. Sie ist unsicher und klammert sich zunächst mal an dich als Bezugsperson. Da sich eine echte Bindung, eine verläßliche, vertrauensvolle Beziehung nicht von einem Tag auf den anderen entwickeln kann, muß sie erstmal äußerlich haben, was sie innerlich noch nicht hat.

    Ich meine, es ist nicht sinnvoll, einem neuen Hund dieses Bedürfnis nach Nähe durch allzu intensives Training abgewöhnen zu wollen. In den allermeisten Fällen gewöhnt sich der Hund an den neuen Alltag, faßt Vertrauen zu seinen neuen Menschen und entspannt sich ganz von selbst, wenn man ihm Zeit gibt.

    Ich könnte mir auch vorstellen, daß eure Hündin weniger Probleme hat, wenn dein Mann sie an einen ganz anderen Ort mitnimmt, als wenn sie mit ihm in eurer Wohnung ist und du dann weggehst. Denn der Arbeitsplatz deinen Mannes ist ein Ort, den sie noch nicht mit dir verknüpft hat und wo du also auch nicht 'fehlst'.
    Allerdings ist nicht gesagt, daß sie brav und ruhig bleibt, wenn dein Mann sie auf der Arbeit zeitweilig allein lassen muß, wie du angedeutet hast. Das Alleinesein muß an jedem Ort neu aufgebaut werden.

    Dagmar & Cara

  • Vielen Dank für Eure Worte...das beruhigt mich sehr, was wieder positiv für die ganze Situation ist...wir haben noch über eine Woche Zeit und sie macht ja wirklich riesen fortschritte.

    Ich werde nun beides ein wenig mischen...ich werde ganz viel auf sie zugehen, mich oft an sie wenden, dennoch weiter trainieren, Schritt für Schritt.

    Sie ist eine ganz tolle Maus, eben ging ihre 10m leine beim Gassi gehen kaputt, da haben wir sie, weil uns klar war, dass sie nicht davon hüpft, abgemacht. Es gibt keinen schöneren Anblick als einen ausgelassen durch den wald tobenden und dabei "dämlich" grinsenden Hund:)

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