Territoriales Verhalten im gesamten Umkreis?

  • Hallo Foris,
    unsere Hündin hat ein Problem miwpt anderen großen Hunden. Ich fange mal ganz vorne an: Anfangs hat Lucy sich mit jedem Hund verstanden und wollte jeden zum spielen animieren, egal wer das gegenüber war und wie groß. Nach zwei, drei Monaten hat sich das dann ein wenig gelegt, es hat angefangen mit einer kleinen Beißerei in der Hundeschule, danach konnte man sehen, dass Lucy sich zunehmend nicht mehr für alle fremden Hunde begeistert konnte (vermutlich hängt es mit der Eingewöhnungszeit zusammen, da sie am Anfang evtl noch etwas unsicher war). Mittlerweile ist es so, dass Lucy sich nach wie vor über jegliche kleineren Hunde freut, sie läuft fröhlich auf sie zu und möchte mit ihnen spielen. Bei den großen Hunden ist es so, dass die Hunde, die sie entweder zur Anfangszeit bei uns im Wald kennen gelernt hat oder als Welpen kein Problem besteht. Beim Großteil aller anderen Hunde gerät sie sehr in Rage, sie geht nach vorne, springt in die Leine und verbellt sie, teils auch erst, wenn die Hunde gerade an uns vorbei sind, uns also den Rücken zudrehen. Wir arbeiten mit ihr, rufen sie ins Fuß und/oder lassen sie absitzen und konzentrieren ihre Aufmerksamkeit möglichst auf uns, ab und zu, wenn ich schon sehe, dass sie aus der Ferne schon anfängt zu fixieren, muss auch mal ein vorgehaltenes Leckerlie als Hilfsmittel dienen.

    Es klappt dann mal mehr, mal weniger gut, dass sie auf die anderen Hunde nicht reagiert. Wir dachten eigentlich es wäre ein generelles Problem mit anderen großen Hunden, da wir ja wie gesagt auch in der Hundeschule einige Probleme hatten (wobei ich das mittlerweile auch eher auf Stress zurückführe). Jetzt ist mir in letzter Zeit aufgefallen, dass wenn ich zum Beispiel mit ihr bei meinen Eltern spazieren gehe sie viel entspannter ist. Wir hattene zum Beispiel letztens zwei Begegnungen mit großen Hunden, deren Besitzer leider weit und breit nicht zu sehen waren. Ich war mir ziemlich sicher, dass es gleich knallt, aber stattdessen verlief alles sehr ruhig und Lucy wollte sogar in beiden Fällen spielen! Insgesamt reagiert sie auch entspannter als bei uns in der Gegegend, scheint mir, sie hat auch andere große Hunde nicht verbellt, ich habe sie natürlich vorher, wie ich es zuhause mache, ins Fuß gerufen, aber bei uns im Wald reagiert sie ja bei manchen Hunden trotzdem noch recht stark. Bei meinen Eltern war das kein Problem. Ähnliche Erfahrungen habe ich auf einem Kurzurlaub gemacht und auch als wir im Sommer auf Fehmarn waren, war das Verhalten soweit ich mich erinnere deutlich weniger.

    Meine Vermutung ist jetzt, dass es sich um territoriales Verhalten handelt. Ich vermute, dass sie evtl auf Grund ihrer Erfahrungen als Straßenhund andere große Hunde in ihrem Reviert für eine Bedrohung hält. Kleine Hunde sind ja nicht wirklich eine Konkurrenz was Ressouren betrifft, das würde das Verhalten Kleinen gegenüber erklären. Natürlich denke ich, dass man nicht alles aufs Revierverhalten schieben kann, z.B. die PRobleme in der Hundeschule (unsere Trainerin sagte es liegt daran, dass sie es nicht haben kann, wenn sie bei den anderen Hunden nicht im Mittelpunkt steht und zB. von zwei anderen Hunden im Spiel ausgegrenzt wird, aber das ist ein anderes Thema)
    Ich habe auch diese Seite gefunden: http://das-hundetraining.de/infos-links/territorialverhalten/ und fand das beschriebene Verhalten sehr zutreffend. Was meint ihr dazu? Und was mich vorallem interessiert: Gibt es irgendwelche neuen Ansatzpunkte, wenn es sich tatsächlich um Revierverhalten handelt, wie wir das n den Griff bekommen können oder kann man da nur Sympthome bearbeiten? :hilfe:

    Danke schonmal :)

  • Ich klink mich da mal rein und bin auf Antworten gespannt.

    Mein Hund zeigt(e) dieses Verhalten nämlich auch, aber ich glaube, dass das KEIN Revierverhalten ist,zumindest bei meinem nicht. Der hat nämlich schlicht keine Lust auf Artgenossen bzw. hat Angst und will sich alle vom Leib halten. Laut Trainerin reagiert er einfach nur auf den optischen Reiz, ohne jegliches Nachdenken und ohne die Situation einzuschätzen, also einfach nur das Einsetzen einer Handlungskette auf einen Reiz hin, simple Konditionierung. Aus diesem Grund bellt er da auch ihm bekannte Hunde an, weil er nur reagiert und gar nicht erst nachdenkt, ob er diese kennt. Hunde, die er kennt (und mag), will er nämlich gar nicht vertreiben. Bellt ihn seine Freundin an, passiert das nicht. Dann ist da nämlich ein anderer Reiz und er reagiert anders (läuft vor Freude wedelt auf sie zu).

    Dieses Verhalten hat er in fremder Umgebung wesentlich weniger, da bewertet er die Situationen meistens und reagiert dementsprechend auch anders. V.a. kommt na noch an ihn ran und er lässt das Pöbeln bleiben. Je aufgeregter er ist, desto schneller fällt ihr in die Verhaltenskette. Sicherlich ist es zuhause auch deshalb mehr, weil er viel öfter in die Situation kommt und diese Handlungskette aufbauen kann und festigen.

    Nur mal als Denkanstoß, keine Ahnung, ob das bei deinem Hund auch der Fall sein kann.

  • Also sie unterscheidet da schon relativ deutlich, wir haben hier zum Beispiel zwei SChäferhunde, sie sie als Welpen kennengelernt hat, die waren mit fünf Monaten dann schon größer als sie, aber wenn sie die in der Ferne sieht erkennt sie die auch direkt und freut sich.
    Sie fängt auch meistens erst an zu bellen, wenn die Hunde schon recht nahe sind (abhängig je nach Hund) aber in der Regel erst so ab zehn,fünfzehn Meter, wo sie schon ganz genau weiß wer da auf sie zukommt.

  • Nur vom Lesen her finde ich es schwierig, daß richtig einzuschätzen.

    Tüdelü: Wie alt ist der Hund? Habe ich das richtig rausgelesen, daß Du ihn aus dem Tierschutz oder so übernommen hast? Vielleicht ist das der Grund, warum es am Anfang gut lief. Er war fremd, war verunsichert, mittlerweile ist er angekommen und wird mutig. Ich kann Deinen Ansatz mit dem Territorialverhalten gut nachvollziehen.
    Camillo 09: Ich verstehe aber auch Deine Idee und das ist vielleicht der feine Unterschied, der sich durch Lesen nicht so einfach erkennen läßt.

    Als kleine Hilfestellung würde ich Euch gerne mal das Verhalten meiner Hündin beschreiben. Sie zeigt nämlich beides. Ich habe sie von klein auf, anfangs hat sie eigentlich fast alles verbellt, sowohl Hunde, aber auch Menschen. Sie wirkte aber nicht unbedingt ängstlich dabei, sondern eher forsch und selbstbewußt (Rute steil hoch, Laufen, wie ein Preisboxer). Finja (Hovawart/Bernersennen/Labbi-Mix) war von Anfang an ein Kontrollfreak, ein Beschützer und Aufpasser, ich sag mal gefühlte 90% Hovawart. Sie zeigte sehr starkes Territorialverhalten im Umkreis unserer Wohnung. Waren wir weiter weg, quasi auf unbekanntem Territorium, war ihr Gepöbel zwar auch nicht besser, aber ihre Körpersprache war eine andere. Ich kam irgendwann mal drauf, daß sie dort eher sagte, "komm mir nicht zu nahe, laß mich in Ruhe". Sie hatte kein Bock auf Fremdhunde, vielleicht sogar eher Angst vor denen, wobei größere auch immer bedrohlicher waren. Kleine Hunde sind immer erstmal nett, ihr bekannte Hunde erkannte sie und freute sich drauf.
    Egal was es jetzt ist, ich würde es nicht schönfüttern, das bringt meiner Meinung nach gar nichts, habe den Fehler als Ertshundebesitzer anfangs auch gemacht. Also heißt, das Leckerchen schon vorher unter die Nase hängen, quasi als Bestechung. Leckerchen gerne hinterher für gut gemacht.
    Nachdem ich das erkannt hatte, bin ich die Sache mit dem Teritorialverhalten und Schutztrieb recht streng angegangen. Ich habe ihr den Raum eingegrenzt, sie hinter mich gedrängt, ihr gezeigt, alles mein Raum und nicht Deiner und ich regel das. Machte sie es richtig, hörte auf meine Ansagen, gab es natürlich danach auch ein Leckerchen. Der Radius für ihr territoriales Verhalten ist mittlerweile recht klein und auch nur noch wenigen Hunden gegenüber.
    Bei der anderen Sache war der Ansatz eigentlich ähnlich. Da ich dieses Vorpreschen mit Gebrüll überhaupt nicht wollte, mußte sie auf ähnliche Weise erstmal lernen, daß sie bei mir zu bleiben hat, wenn uns Hunde entgegen kamen. Das habe ich z. B. auch mit Hunden geübt, die sie kannte, einfach um eine klare Regel aufzustellen. Als das saß, habe ich nach Bauchgefühl und nach ihrem Verhalten entschieden. Ich habe ihr gezeigt, wenn sie nicht will und sie sich unwohl fühlt, was ich ihr mittlerweile sehr gut ansehe, dann bleibt sie bei mir und ich halte ihr auch jeden aufdringlichen Hund von der Pelle. Dadurch hat sie gelernt, Frauchen regelt das, ich muß gar nichts regeln hier. Sehe ich, sie möchte gerne mal gucken gehen und der andere Hund ist auch nett eingestellt, gebe ich sie im Nahbereich frei.

    Das ist natürlich keine Sache von heute auf morgen, Finja ist jetzt 5 Jahre, es braucht ein bißchen Geduld, viel Übung und Konsequenz. Seit einiger Zeit sind wir aber da, wo ich hinwollte. Letzten Sommer waren ganz viel am Badesee. Früher wäre das undenkbar gewesen. Sie hätte jeden fremden Hund angebellt, unseren Platz verteidigt, keiner hätte sich in unserer Nähe bewegen dürfen. Aber sie lag ganz entspannt ohne Leine neben mir und hat alles interessiert beobachtet. Sie kann mit zu Bekannten, auch wenn die Hunde haben, die sie nicht kennt, wir können Besuch bekommen von Leuten mit Hunden, wir können in Biergärten oder so gehen ohne Streß. Es ist dann auch ein richtig tolles Erfolgserlebnis, wenn man merkt, es geht. Trotzdem wird sie nie der pflegeleichte Hund sein, der mit jedem direkt gut Freund ist und den man einfach so machen lassen kann. Sie braucht auch heute noch klare Ansagen und da ich aus der Vergangenheit heraus ein bißchen geschädigt bin, lieber eine Ansage und Regel zuviel als zuwenig, ich traue ihr manchmal auch heute noch viel zuwenig zu, mach mir oft einen Kopf im Vorfeld, was aber mittlerweile echt unnötig ist.

    Bist Du aber total unsicher in der Einschätzung, würde ich Dir empfehlen, Dir einen HT zu suchen, der aber auch nur Euch alleine betreut, Eure Situation im Alltag und in Eurer Umgebung betrachtet und beurteilt und Euch vor Ort und Stelle und nicht auf dem Hundeplatz betreut.

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