Hund verbellt Hunde und Spaziergänger

  • Hallo Zusammen!
    folgendes Problem habe ich mit meinem Darwin...

    Er ist ein 3 jähriger, kastrierter Cocker Spaniel. Wenn wir bei uns in der Straße/Gegend Gassi gehen ist es ganz schlimm, er verbellt Spaziergänger und vorallem flippt er total aus, wenn ihm ein anderer Hund begegnet. Er ist dann nicht mehr ansprechbar, knurrt und flätscht die Zähne, knurrt auch mich an, wenn ich versuche, an ihn ranzukommen. er ist dann sozusagen total außer rand und band.
    Ich habe schon alles versucht, ihn abzulenken mit einem spielzeug, mit leckerlis... mittlerweile bin ich schon soweit, dass ich ihn nur noch so gut es geht festhalte und versuche ihm die sicht zu dem anderen hund zu versperren. er lässt sich in der situation überhaupt nicht beruhigen. es ist immer der reinste kampf und jedesmal saupeinlich.

    unser zweites problem ist, wenn wir im wald unterwegs sind und uns spaziergänger entgegen kommen, läuft er schnurrstracks darauf zu und verbellt sie. rennt rund um sie rum und klefft wie ein verrückter. sollte ich die spaziergänger vor ihm sehen, rufe ich ihn ab und lass ihn sitz machen bzw. nimm ihn an die leine und warte bis die "gefahr" vorüber ist. klappt eigentlich ganz gut. mich würde nur interessieren, was da in ihm vorgeht und wie ich richtig reagieren kann, damit er die spaziergänger in ruhe lässt...

    kennt jemand dieses problem und hat evtl eine lösung bzw. idee warum er auf andere hunde derartig aggro reagiert??? bin um jede hilfe/rat dankbar, vielen Dank schon mal

    LG Yvonne & Darwin

  • Hallo,

    Für dich wäre es interessant, herauszufinden, warum er bellt. Ist er tatsächlich aggro, ist es übersteigerter Schutztrieb oder eventuell Unsicherheit, oder was ganz anderes. Wenn du selber nicht weiterkommst, wird dir ein kompetenter Trainer vielleicht helfen können, die sehen oft Sachen, die einem selber nicht auffallen.

    Wir haben nen Leinenpöbler bei Hunden und sind bei dem Problem weitergekommen, in dem wir unserem Hund 'schau' beigebracht haben. Das heist, er schaut uns auf Kommando an. Zu Anfang wurde das 'schau' wirklich nur drinnen angewandt, dann wurde es drausen trainiert in absolut Reizarmer Umgebung, das wurde dann nach und nach gesteigert. Wenn wir uns nicht zu 99% Sicher sind, das er darauf reagiert, wird es nicht angewandt, sonst macht man sich das Kommando wieder kaputt.
    Wir haben das Schau erst mit dem Clicker aufgebaut (sprich, für jedes Schau gabs Click und Keks) und sind dann dazu übergegangen das es den Keks ohne Click bei Ausführen vom 'Schau' gibt.

    Uns hat es soweit geholfen, das der Abstand von 'km weiter entfernt' so weit verringert wurde, das er an bellenden Hunden in Gärten (sofern man nicht direkt am Gartenzaun lang geht), oder auf der anderen Straßenseite ruhig vorbei geht. Heißt, er schaut zwar hin, bellt aber nicht und springt auch nicht in die Leine. Gibt natürlich trotzdem Hunde, die sind ihm irgendwie nicht grün. Vielleicht hilft dir die Methode auch weiter.

    Was ich dir aber gleich sagen kann, das ist etwas, das braucht lange. Wir arbeiten seit bestimmt einandhalb Jahren da dran und es ist immer noch nicht ganz weg. Aber es ist auf nem Level wo es keine enorme Belastung mehr ist.

    LG

  • vielen lieben dank für deine antwort!
    ich denke im wald ist es der schutztrieb, je mehr ich mich ihm nähere, desto lauter bellt er und springt rum und unsicherheit wird auch noch mitspielen...

    und wenn wir in unserer gegend unterwegs sind, dann kann das nur aggresion sein, frag mich nur warum??? und was ich in dem moment falsch mache. von mir aus darf er ja bellen, er is ja schließlich ein hund, aber er ist dann nicht mehr kontrollierbar und will auf teufel komm raus zu dem hund, hört und sieht nix anderes mehr...
    hm... mal sehen

  • Ich glaube nicht an Aggression, eher an Unsicherheit.

    Möglicherweise bist Du selbst in solchen Situationen total angespannt, rufst, schreist vielleicht sogar und machst hektische Bewegungen. Das verunsichert den Hund noch mehr und die Sache eskaliert....

    Leika ist auch so eine Kandidatin. Für uns war der Weg "Bogen laufen" der richtige. Wir sind allen "gefährlichen" Situationen im grossen Bogen ausgewichen. Zuerst sehr weite Bögen, dann immer flacher.... Wenn die alten Verhaltensmuster wieder auftraten, wurde der Bogen wieder grösser gezogen. Bei all diesen Aktionen habe ICH darauf geachtet, total gelassen zu bleiben, sicher, hoch erhobenen Hauptes und mit geradem Rücken bin ich mit Leika an der Leine zügig weiter gegangen, bis sie gemerkt hat: Frauchen interessiert sich gar nicht für die Leute/Hunde und die Leute/Hunde eigentlich auch nicht für uns, also brauche ich auch kein Theater zu veranstalten.

    Ganz haben wir die Verhaltensweisen nicht abstellen können, es gibt immer noch den einen oder anderen "Todfeind", an dem man nicht einfach so vorbeigehen kann. Die kennen wir aber meist und weichen möglichst früh aus, so dass auch solche Begegnungen recht glimpflich ablaufen.

    Was ich selbst nie ablegen werde: Ständig die Umgebung scannen und brenzlige Situationen/Begegnungen so früh wie möglich entschärfen - entweder durch Ausweichen oder durch Ablenken.

    Ein kompetenter Trainer könnte vielleicht noch andere Ideen entwickeln, wenn er euch live erlebt. Die "Bogentherapie" haben wir auch durch eine Trainerin kennengelernt. Aussenstehende sehen oft mehr und können entsprechende Tipps geben. Man selbst ist oft betriebsblind und sieht naheliegende Dinge gar nicht mehr.

    Gruss
    Gudrun

  • danke liebe gudrun!
    bestimmt bin ich schon betriebsblind!
    das mit der richtigen haltung ist halt dann nicht immer so einfach... ich denke selber dran ruhig und bestimmt zu sein, aber ob ich es wirklich bin, keine ahnung. ich werde auf jeden fall die "bogentherapie" ausprobieren, gute idee :gut:
    kann mir halt leider momentan keinen hundetrainer leisten und bin deswegen ein bisschen auf eure erfahrung und tipps angewiesen, weil ich das wirklich in griff bekommen will. einigermaßen zumindest :schweig:

  • Wie sehr die eigene innere Einstellung und Haltung den Hund beeinflusst........ eine Freundin ist mir da immer das beste Anschauungsobjekt:
    Ihr jetzt knapp 4jähriger kastr. Terrier-Mix-Rüde hat als Junghund wenig Kontakt zu Hunden gehabt und ist daher extrem unsicher, kann mit Hundesprache nicht gut umgehen. Wir haben viel trainiert, er hat gelernt und mit gut sozialisierten Hunden mit klarer Sprache kommt er mittlerweile gut klar, backt eher kleine Brötchen und sucht sich einen, an dem er sich orientieren kann. Er ist nicht völlig unkompliziert, aber da geht noch was und es gefällt ihm auch ;)

    Das alles aber nur, solange Frauchen nicht dabei ist !!!! Wenn sie dazu kommt, dann merkt man was für eine Anspannung sie reinbringt die sich dann auf Hund überträgt und die Situation dann für alle untragbar macht. Es ist kein plötzliches Exploodieren sondern eine schleichende Vergiftung der Atmosphäre!!
    Wer Frauchen beobachtet der sieht, wie sie sich anspannt, oft scharf Luft holt wenn sie die Hunde toben sieht, wie verkrampft sie sich bemüht, sich ihre eigene Unsicherheit nicht anmerken zu lassen.
    Ebenso ist es beim Gassigehen an der Leine: Hund läuft völlig entspannt, schnüffelt, Frauchen sieht am Horizont anderen Hund kommen........ sie verkrampft, wird hektisch, nimmt die Leine Kurz. Spätestens beim Straffen der Leine schaut Hund ebenfalls hektisch auf und sieht auch den Hund am Horizont . Jetzt fängt er an zu pöbeln und Frauchen sieht sich natürlich in ihrer Auffassung bestätigt, daß ihr Hund, kaum das ein anderer Hund auftaucht, aggressiv wird .

    Wir haben das mal für sie gefilmt und ihr dann gezeigt......... seitdem macht sie Yoga :lol:

  • ach hör auf... so krass??? :???:
    oki doki, ich werde dran arbeiten, yoga mach ich schon :p
    aber welchen tipp gibst du mir denn dann, wenn ich auf dem bürgersteig mit ihm laufe, er den hund vor mir sieht, auf ihn los sprinnten will... wenn also alles schon zu spät ist, die leine gespannt, darwin am ausflippen ist und ich total überfordert...???

  • Tja, genauso krass :D
    Ist aber ein tolles Anschauungsfrauchen, daran konnte ich viiiiel lernen.

    Zitat

    aber welchen tipp gibst du mir denn dann, wenn ich auf dem bürgersteig mit ihm laufe, er den hund vor mir sieht, auf ihn los sprinnten will... wenn also alles schon zu spät ist, die leine gespannt, darwin am ausflippen ist und ich total überfordert...???


    Den einzig wahren: erstmal gar nicht in diese Situation kommen lassen :roll:
    Ist sehr schwer, ich weiß, aber nur dann kannst Du mit ihm "Hund-am-Horizont" üben - wenn er schon pöbelnd in der Leine hängt dann ist das Hirn abgeschaltet und Hund lernt nix mehr.
    Da helfen erstmal andere Gassistrecken und -zeiten, damit ihr auf weniger Hunde trefft. Dann ist alles schon mal entspannter und Du kannst anfangen, mit vielleicht erwünschtes Alternativverhalten einzuüben. Ebenso vorausschauendes Laufen von Dir - Du kannst weiter gucken als Dein Hund und musst daher beim kleinsten Anzeichen Hund-am-Horizont Deinen Wauz umlenken.

    Klickerst Du?? Klickern ist eine gute Möglichkeit, dem Hund 1. Selbstsicherheit zu verschaffen indem er Dinge lernen kann die ihm Spaß machen und ihn auch geistig auslasten. Ein zufriedener und ausgelastetr Hund ist entspannter.
    Und 2. bietet Klickern auf Dauer auch die Möglichkeit, schreickliche Dinge wie andere Hunde schönzuklickern bzw Alternativerhalten bei Hundesichtung aufzubauen.
    Das ist aber schon ein längerer Weg bis dahin - anfangen würde ich damit, alle Pöbelattacken möglichst zu vermeiden damit das nicht eine "Allheilmittel-Strategie" von ihm wird. Parallel könnt ihr neue Sachen üben oder vorhandenes festigen - das gitb auch Dir wieder mehr Sicherheit wenn Wauz gut mitarbeitet und ihr Erfolge habt.

    ......... Telefon hat geklingelt, jetzt hab ich den Faden verloren..........

  • so ist momentan auch meistens mein verhalten...
    gehen schon ewig früh unsere morgenrunde, damit wir keinem übern weg laufen, aber manchmal gehts halt nicht anders, frauchen hat ja auch noch ein privat/berufsleben zu regeln. ich werde jetzt auf jeden fall üben, entspannt zu bleiben. er hat seine 3 "totfeinde" in der nachbarschaft die ich versuche zu umgehen und jeden anderen hund werde ich "einfach" versuchen zu ignorieren und dabei entspannt zu bleiben.
    ich werde berichten...
    meins klingelt auch :gut:

Jetzt mitmachen!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!