Hund schnappt zu

  • Hallo, ich hoffe ihr habt einen Rat für mich...

    Im Dezember vergangen Jahres haben wir uns eine 5 jährige Hündin (ehemals polnischer Straßenhund) aus dem Tierschutz geholt.

    In der Wohnung verhält sie sich tadeloos und folgt uns auf Schritt und Tritt. Sie liebt Kleinkinder und ist eine absolute Kuschelbacke. Auch allein bleibt sie problemlos und macht auch keinen Aufstand wenn es an der Tür klingelt.

    Leider ist mir in den letzten Wochen auf gefallen, dass sie zunehmend aggressiv reagiert wenn wir mit ihr raus gehen und fremde Leute vor unserem Haus sind. Vorher hatte sie keine Probleme damit und lief artig an der Leine weiter. Ich habe das Gefühl, dass je mehr sie sich an uns bindet, sie desto mehr Probleme mit fremden Leuten hat. Aber das ist eben nur vor unserem Haus. Wenn uns bei der Gassirunde jemand begegnet ignoriert sie es.

    Wenn wir aus der Haustür kommen schaut sie sofort ob sie jemand fremdes sieht und wenn ja, schaukelt sie sich sofort hoch. Je dichter mir die fremde Person kommt, um so mehr flippt sie aus. Sie stellt ihre Nackenhaare auf und klefft wie verrückt. Letzte Woche hat sie sogar der Postfrau in den Oberschenkel geschnappt, weil sie uns vor dem Haus begegnete. Klingelt die Postfrau aber und steht oben vor unserer Wohnungstür, nicht vor dem Haus, ließ sich sich immer von ihr streicheln.

    Hat jemand vielleicht einen Tipp für mich was ich machen kann, damit sie sich nicht mehr so hoch schaukelt vor dem Haus? Ich versteh nicht was mit ihr los ist... :hilfe:

    Habe schon probiert sie mit Leckerlies ab zu lenken, aber keine Chance. Wenn sie einen fremden vor dem Haus sieht, fixiert sie ihn sofort und reagiert absolut gar nicht mehr auf mich, bis der jenige weg ist. Die tollsten Leckerlies der Welt sind ihr dann egal...


    Danke schon mal im Vorraus! :smile:

  • hm, das hört sich für mich so an, als ob deine Hündin glaubt, auf "ihr" Haus/Territorium aufpassen zu müssen. Das würde ich ihr verbieten bzw. versuchen sie gar nicht erst in den "Verteidigungsmodus" zu lassen.

    Als erste Maßnahme würde ich ihr wohl einen Maulkorb aufziehen (langsam ans tragen gewöhnen), das hat auch den Nebeneffekt, dass es dir mehr Sicherheit gibt, weil ja "nichts" passieren kann. Außerdem ist er auch zum Schutz des Hundes sinnvoll (Schutz vor den Folgen, falls er mal richtig beissen sollte).

    An der Haustüre würde ich sie nicht mehr vorlaufen lassen. Du gehst immer zuerst durch die Tür. Siehst du draußen einen Menschen, nimmst du sie auf der vom Menschen abgewandten Seite kurz und gehst einfach vorbei. Bleibt sie ruhig, nach der Situation loben.
    Achte auf kleine Anzeichen (die gibts eigentlich immer), dass sie gleich loslegt, dann "blockst" du sie (stellst dich mit Blick zu ihr vor ihr hin, unterbrichst also das Fixieren). Beruhigt sie sich wieder, geht ihr weiter; sonst geht es zurück ins Haus.
    Vielleicht hilft es auch, wenn sie direkt vor der Haustüre eine "Gehorsamkeitsübung" machen muss (z. B. Sitz), so dass die Aufmerksamkeit mehr bei dir ist.

    Auf Spaziergängen würde ich darauf achten, ob sie auch dort Anzeichen eines solchen Verhaltens zeigt (kann ja sein, dass sich das erst langsam entwickelt) bzw. in Situationen, die sie "komisch" findet und sie dann auch auf die von der Situation abgewandten Seite nehmen und an der Situation vorbei gehen.
    So zeigst du ihr, dass du alles im Griff hast und sie sich nicht darum kümmern braucht.

    Wie gesagt, so würde ich das versuchen; je nachdem wäre aber auch das Einschalten eines Hundetrainers sinnvoll.

    lg

  • Ich würde auch unterbinden, dass eure Hündin euch ständig folgt. Zazi hat, nach seiner Eingewöhnungsphase, auch damit angefangen und hatte damit seine Hauptbezugsperson ständig unter Kontrolle. Er wird jetzt konsequent in sein Körbchen geschickt, was inzwischen auch supergut klappt.

  • Unsere Hündin zeigt ein ähnliches Verhalten, wenn auch weniger extrem.
    Besuch ist überhaupt kein Problem, wer an unserer Haustür klingelt wird kurz vorsichtig bis freundlich begrüßt und abgeschnuppert, danach geht Kiry zurück ins Haus. Sobald wir aber Gassi gehen wird unsere Straße aufmerksam beobachtet und jeder verbellt, der zu nah oder suspekt ist. Allerdings hat Kiry noch nie geschnappt.

    Wir arbeiten jetzt mit dem Clicker daran, was ganz gut funktioniert. Wenn sie jemanden sieht und ich merke, dass sie sich anspannt (aber eben noch bevor sie ins Kläffen gerät), wird geklickt und belohnt. Meistens entspannt sie sich nach ein paar Klicks und wir können die andere Person passieren (eventuell mit Leckerli als Ablenkung und mit anschließender Belohnung). Falls sie angespannt bleibt, gehe ich auf die andere Straßenseite und belohne weiter, bis die Situation vorbei ist. Überschätze ich ihre Reizschwelle und sie steigert sich ins Kläffen, hilft nichts anderes als Richtungswechsel und warten, bis der Hund sich wieder entspannt hat. Eventuell kann man dann einen neuen Versuch starten.

    Das sind jetzt nur meine persönlichen Erfahrungen mit unserer Hündin. Gerade weil deiner schon mal geschnappt hat, würde ich aber auch dazu raten, mal einen Trainer zu kontaktieren.

  • Ja, ist mir schon klar, dass es nicht die perfekte Lösung ist. Aber: Kiry bellt nicht alles uns jeden an, manchmal ist mir nicht klar, wer für sie bedrohlich ist und wer nicht. Da ist die Anspannung das erste Zeichen und bevor sie sich weiter reinsteigert, habe ich die Möglichkeit einzugreifen. Im Grunde ist das also nur der erste Schritt.
    Mir ist lieber, sie spannt sich zwar an, bleibt aber ruhig, als dass sie sich ins Kläffen steigert.

    EDIT: Viellleicht ist "anspannen" auch das falsche Wort. Es ist eher ein aufmerksames Beobachten.

  • Das ist aber gar nicht so leicht, wenn der Hund sich "anspannt" (ist wie gesagt auch nicht unbedingt das richtige Wort), sobald sie jemanden sieht. :lol:
    Trainingsziel ist deshalb erst mal, dass sie sich nicht reinsteigert und wir die Person ohne Gezeter passieren können. Das funktioniert mit meiner Methode ganz gut. Endgültiges Ziel ist natürlich, dass sie zwar hinguckt, aber immer entspannt bleibt.

    Nur um das noch mal klarzustellen: Meine Methode mit dieser Situation umzugehen, sollte auch kein Allheilmittel für die TE sein, sondern nur zeigen, dass andere Hunde ähnliches Verhalten zeigen und man daran arbeiten kann.

    EDIT: Mir fällt gerad auf, dass ich mich vielleicht auch etwas widersprüchlich ausgedrückt habe. Einerseits habe ich geschrieben, dass die Anspannung erstes Zeichen ist und ich dann eingreife, hier schreibe ich, dass sie sich sofort anspannt.
    Das sind eigentlich zwei verschiedene Situationen, innerhalb unserer Straße bellt sie so ziemlich jeden an (außer, sie kennt die Person sehr gut), sonst bellt sie nur, wenn ihr jemand suspekt ist. Das kommt inzwischen seltener vor und da ich nicht bei jedem Mensch der uns begegnet clickern kann (wir wohnen in der Stadt), muss ich da eben auf das entsprechende Signal warten.
    Innerhalb unserer Straße clickere ich beim ersten Blickkontakt in Richtung des Menschen (wobei sie eben sehr schnell "aufmerksam" wird).

    Aber eigentlich soll es hier ja auch um das Problem der TE gehen, also sorry für das OT. :ops:

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