Fütterung aus der Hand

  • Hallo,

    Ich habe nicht direkt ein Problem, aber ich würde mich sehr über eure Tipps und Erfahrungen freuen:

    Seit ein paar Wochen wohnt bei uns ein zweiter Hund und allgemein läuft alles viel besser als erwartet. Sie war ein (temporärer) Strassenhund / entlaufener Hund / wurde ausgesetzt, dementsprechend wissen wir absolut nichts über ihre Vergangenheit und wir hätten niemals auch nur gehofft, dass sie sich so schnell so gut entwickelt.

    Nachdem wir fleissig am Grundgehorsam arbeiten und riesen Schritte machen, würden wir über kurz oder lang natürlich auch gerne Freilauf ermöglichen. Dafür erschien uns intensive Arbeit an der Bindung als sehr geeignet, um ihren Bezug zu uns zu festigen.

    Wir füttern deshalb seit heute aus der Hand und draussen, mit eingestreuten Übungen: Tempowechsel, Richtungswechsel, Sitz, Platz, Bleib, Komm und einfach auch zwischendurch nur auf selbstständigen Blickkontakt von ihr.

    Habt ihr Tipps, wie lange es durchgehalten werden sollte, um nachhaltigen Erfolg zu erzielen? Wie man die Fütterung am klügsten gestaltet? Wir wollen natürlich nicht, dass sie jetzt an unseren Lippen klebt und sobald sie merkt "ach Futter ist gar nicht mehr dabei" geht sie wieder ihre eigenen Wege.

  • Ich würde einen Futterbeutel einsetzen, so dass der Hund sich das Futter erarbeiten muss. Ein "Sitz, Platz, bleib", etc. ist für mich keine Handfütterung. Für einen freiwilligen Blickkontakt und den Rückruf gerne ein Leckerlie, wenn es damit funktioniert. Ansonsten, wie gesagt Futterbeutel.

  • Danke für den Tipp. Magst du mir das mal einmal kurz erläutern, inwiefern das funktioniert und was die Vorteile sind? Es ist das erste mal, dass wir in die Richtung arbeiten, bei unserem ersten Hund haben wir es einfach nie in Betracht gezogen/ziehen müssen und dementsprechend ahnungslos sind wir.

  • Kennst du "...ich lauf schon mal vor" von Thomas Baumann?
    Sehr interessantes Buch, das auch auf das Thema Handfütterung und wie man für mehr Bindung ein Konzept aus mehreren Einzelmaßnahmen (zB der Rohfütterung) sinnvoll aufbaut.

  • Ich habe zu Anfang auch phasenweise komplett aus der Hand gefüttert - allerdings nur draußen, während den Spaziergängen. Grundgehorsam wie du es beschreibst, aber auch vor allem Suchspiele mit dem Futterbeutel und ohne.

    Suchspiele sind für meinen das Größte, ich denke es ist wichtig rauszufinden was der Hund wirklich gerne macht. Dann wird seine Motivation mit dir zusammen zu arbeiten und seine Aufmerksamkeit draußen auf dich zu lenken natürlich auch größer sein. Mein Dicker hatte extremen Jagdtrieb, ich meine es hat ein paar Monate gedauert bis wir ihn wirklich gut freilaufen lassen konnten. Ich habe aber nicht die ganze Zeit ausschließlich aus der Hand gefüttert und sehe das auch nur als eine Komponente um die Bindung zu stärken.
    Es gibt ja noch so viele andere Möglichkeiten, wenn dein Hund gerne Apportiert, würde ich das mit einbauen, etc. Muss nicht zwingend nur Futter sein als Bestärker.

    Bei Übungen vom Grundgehorsam die gut klappen, kann das Futter nach und nach ausgeschlichen werden, also auch immer mal wieder nur mit Stimme gelobt - dann wieder doch nochmal nen Keks usw..

    Für den Abruf, der mir am Wichtigsten ist, gibt es heute noch oft nen Keks oder mal ein Suchspiel - da will ich die Motivation einfach hoch halten.

  • Zitat

    Kennst du "...ich lauf schon mal vor" von Thomas Baumann?
    Sehr interessantes Buch, das auch auf das Thema Handfütterung und wie man für mehr Bindung ein Konzept aus mehreren Einzelmaßnahmen (zB der Rohfütterung) sinnvoll aufbaut.

    Kenne ich nicht - werde ich aber schnell kennenlernen :smile: Danke!

    Ja, wir probieren mit ihr noch ein wenig rum, Spielzeug und Suchspiele sind leider absolut (noch) nicht ihr Ding. Wir wissen ja gar nicht, wo sie herkommt und wie alt sie ist und bieten es ihr zwar hin und wieder an, aber bis jetzt geht sie nicht drauf ein. Wie läuft denn das mit dem Futterbeutel: Ich mache ihr Futter rein, verstecke ihn und versuche ein Kommando für sie zum Suchen aufzubauen und wenn sie ihn findet, bekommt sie etwas daraus?

    Unser erster Hund ist super leicht zu begeistern mit Leckerli und jeglichem Spielzeug... da standen wir vor solchen Fragen nie :lol:

  • Zitat

    Ich habe zu Anfang auch phasenweise komplett aus der Hand gefüttert - allerdings nur draußen, während den Spaziergängen.

    Achso... jetzt, wo ich meinen ersten Beitrag nochmal lese, das war etwas falsch formuliert: Ich meinte, dass wir draussen aus der Hand füttern, aber eben halt als Belohnung für ein paar Übungen, also nicht einfach so, das wollte ich damit sagen. Also drinnen gibt's derzeit keine Fütterung, ausser wenn wir Übungen machen zwischendurch Leckerli.

  • Wegen dem Futterbeutel: ich würde erstmal langsam anfangen. Leckerlis (oder was immer er toll findet, z.B. gemischt mit geschnittenen Wienerle oder so) in den Beutel, Hund an die Schleppleine. Dann dran schnuppern lassen, mal aufmachen, eins geben. Dann Futterbeutel verschließen, einen Meter wegwerfen und den Hund einfach mal probieren lassen. Ziel ist jetzt dass er ihn dir bringt. Er kann alles damit ausprobieren, rumtragen etc., aber sobald er versucht ihn kaputt zu machen, holst du ihn an der Schleppleine zu dir und nimmst ihm den Beutel ab. Er muss ja erstmal verstehen, dass der Erfolg beim Spiel nur bei dir zu haben ist. Daher auch immer aufpassen, dass der Beutel gut zu ist, wenn du ihn wegwirfst.
    Wenn der Hund den Beutel bringt, wird aufgemacht und er darf eine Kleinigkeit daraus fressen. Wenn Schluss ist mit Fressen, einfach den Beutel nach unten wegziehen und wieder zumachen.

    Man kann den Beutel dann z.B. wegwerfen und direkt apportieren lassen. Oder Hund sitzen lassen, Beutel weiter weglegen (später verstecken) und holen lassen. Anfangs würde ich mit der Schleppleine arbeiten, bis das direkte Bringen wirklich gut sitzt. Später dann natürlich ohne Leine. Je besser die Übung sitzt umso weiter weg kann man den Beutel verstecken.

    Ich verstecke draußen auch in tiefhängenden Zweigen, wo er danach springen muss, bzw. im Wald irgendwo etc. Aber beginnen würde ich bei geringer Ablenkung drinnen oder im Garten - damit er erstmal das System versteht. Hoffe es war einigermaßen verständlich ;-)

  • Ja, super verständlich, vielen Dank!

    Dann steht gleich mal ein Abendshopping heute nach einem geeigneten Beutel auf der Liste!
    Ohne Leine läuft bei uns (zumindest mit ihr) sowieso noch nichts, da wir sie noch nicht 100% einschätzen können und wir lieber auf Nummer sicher gehen vorerst.

    Das mit den tiefhängenden Ästen ist übrigens ein super Tipp für unseren Rüden, der liebt Suchspiele und das ist eine tolle Herausforderung für ihn!

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