Knurrender Bürohund...

  • Einen schönen guten Abend!

    Ich bin neu hier und vielleicht gab es einen ähnlichen Fall schon mal, ich bin aber durch die Forensuche nicht direkt auf etwas gestoßen.
    Also zu meinem Problem ( gehört das nun in die Rubrik "Erziehung", oder eher zu Problemen? :???: )
    Seit ca. 4 Wochen lebt ein Mischlingsrüde ( vermutlich Hütehund und Husky mit drin) ca. 1 3/4 Jahre alt aus Italien bei mir. Er kommt mit mir ins Büro (dort sitze nur ich).
    Die ersten Tage war er einfach nur unglaublich eingeschüchtert und ängstlich und hat eigentlich auf gar nichts richtig reagiert. Ab Tag drei fing er dann an zu knurren, wenn Leute in mein Büro kamen.
    Zunächst habe ich das nur mal beobachtet, da ich nicht sicher war, ob es aus Angst oder aus Wach-/Schutztrieb heraus passiert. Mittlerweile ist er sehr viel mehr aufgetaut und ich kann nun sagen, dass er zwar sicher auch immer noch unsicher ist, aber auf jeden Fall das Knurren macht, um mich zu warnen bzw. zu schützen.
    Daraufhin kam er in eine Hundebox und ich habe strikt darauf geachtet, dass alle Besucher ihn vollkommen ignoriert haben, egal was er gemacht hat. Kein Blickkontakt, gar nichts. Ich habe zwar das Gefühl, dass es etwas besser geworden ist, aber es stagniert bei "nicht jedesmal, aber immer wieder..." ( Noch dazu, es sind eigentlich immer die gleichen Leute, die er außerhalb meines Büros mittlerweile mag und sich gerne streicheln lässt.)
    Nun habe ich bereits vom ersten Tag an auf einige Dinge geachtet:
    Er darf mir nicht immer nachlaufen, er geht nach mir durch die Tür, er bekommt nach mir zu fressen, er darf nicht auf die Couch, er darf überhaupt nicht in mein Schlafzimmer, er wird weder verabschiedet noch begrüßt, er bekommt Aufmerksamkeit auf meine Einladung (wobei er die nie einfordern will), er bekommt Spielsachen von mir, Fressen einen Teil draußen durch Arbeit, einen Teil Abends.
    Ich bin konsequent, aber ruhig dabei. Mir gegenüber gibt es kein Knurren, ich kann an sein Fressen, ihn Bürsten und unangenehme Dinge anstellen.
    Wir üben nun auch ganz regelmäßig Gehorsam (Sitz, Platz, Bleib, ....) und gehen in die Hundeschule, da er als ehemaliges "Mobbing-Opfer" noch großes Unbehagen gegenüber fremden Hunden hat.
    Dort habe ich mit dem Trainer über das Problem gesprochen.
    Nun zu meiner eigentlichen Frage, nämlich bezüglich seines Rats:
    Nachdem über reine Belohnung (Leckerli von Besucher vor die Nase geworfen, wenn er still war) keine Besserung eingetreten ist und es ganz offensichtlich mit Schutztrieb zu tun hat, soll ich das Knurren unterbinden.
    Ein deutliches "Nein" von mir reicht nicht aus, also soll ich, wenn er knurrt, mit einer Wasserspritzpistole arbeiten.
    Positive Bestärkung weiterhin wie oben, wenn er ruhig ist.
    Was haltet ihr von diesem Rat?
    Ich sehe es als wirklich wichtig an, dass er versteht, dass er sich nicht um mich kümmern muss. Aber versteht er das so? Produziere ich damit nicht lediglich Meideverhalten á la: Ok, wenn ich knurre wird´s für mich blöd, also lass ich´s, aber warum weiß ich nicht?
    Zerstöre ich damit vielleicht unser sich aufbauendes Vertrauensverhältnis? Assoziiert er Besuch dann mit einer Strafe und eher noch mehr negativ?

    Vielen Dank schon mal an Euch alle!
    Pet

  • Hallo Pet,

    dein Hund kommt aus Italien, hat er dort auf der Straße gelebt, ist etwas darüber bekannt?
    Wo war er, bis er nach Deutschland gebracht wurde?
    Im Tierheim? In einer Pflegefamilie als Zwischenstation?

    Der wichtigste Aspekt ist, den du berücksichtigen musst, ist, den Hund erst vier Wochen zu haben.
    Kein Tierheimhund, in der Regel mit Vorgeschichte, meist sind das keine guten Geschichten, lebt sich innerhalb von vier Wochen ein!
    Ihn als Bürohund mitzunehmen, ist zusätzlicher Stress.
    Ich kann mir nicht vorstellen, dass er so etwas gewöhnt ist, von daher ist es eine besondere Stress-Situation für den Hund.

    Zitat

    Mittlerweile ist er sehr viel mehr aufgetaut und ich kann nun sagen, dass er zwar sicher auch immer noch unsicher ist, aber auf jeden Fall das Knurren macht, um mich zu warnen bzw. zu schützen.
    Daraufhin kam er in eine Hundebox und ich habe strikt darauf geachtet, dass alle Besucher ihn vollkommen ignoriert haben, egal was er gemacht hat. Kein Blickkontakt, gar nichts. Ich habe zwar das Gefühl, dass es etwas besser geworden ist, aber es stagniert bei "nicht jedesmal, aber immer wieder..." ( Noch dazu, es sind eigentlich immer die gleichen Leute, die er außerhalb meines Büros mittlerweile mag und sich gerne streicheln lässt.)

    Die Vorgehensweise ist doch richtig, aber du darfst bei einem Auslandshund aus dem Tierschutz bitte keine schnelle Besserung erwarten, das braucht viel mehr als vier Wochen!
    Daher bleibe bei dieser Strategie, Geduld und Konsequenz zahlt sich aus.

    Zitat

    Wir üben nun auch ganz regelmäßig Gehorsam (Sitz, Platz, Bleib, ....)

    Mache bitte nicht zu viel mit ihm.
    Schnell ist ein neuer Hund damit überfordert und entwickelt Stress, was sich dann wonanders bemerkbar macht.
    Kommandos würde ich an deiner Stelle eher weniger üben, Bindung ist viel wichtiger, unternimm viel Gutes, Lustiges und spiele mit ihm.

    Zitat

    Nun zu meiner eigentlichen Frage, nämlich bezüglich seines Rats:
    Nachdem über reine Belohnung (Leckerli von Besucher vor die Nase geworfen, wenn er still war) keine Besserung eingetreten ist und es ganz offensichtlich mit Schutztrieb zu tun hat, soll ich das Knurren unterbinden.
    Ein deutliches "Nein" von mir reicht nicht aus, also soll ich, wenn er knurrt, mit einer Wasserspritzpistole arbeiten.

    Noch einmal:
    Vier Wochen sind noch gar nichts, das sollte ein Trainer aber eigentlich wissen, anstatt zu solchen, entschuldige bitte, Schwachsinnsmethoden zu raten!
    Knurren bitte niemals unterbinden, ein Trainer, der dazu rät, würde mich nicht mehr wiedersehen.
    Knurren = Warnen!
    Hier gibt es einen Thread, in welchem genau das getan wurde, was dein Trainer empfiehlt (knurren zu unterbinden) - der Hund hat geschnappt.
    Das gilt auch für die Wasserpistole.
    Bitte, bitte ganz schnell vergessen, sondern so weiterarbeiten, wie bisher.
    Notfalls muss die Distanz zu fremden Menschen sogar noch vergrößert werden.

    Ein Trainer, der zu solchen Methoden, bei einem unsicheren Hund aus einem italienischen Tierheim, rät, wäre für mich kein Ansprechpartner bei so einer Problematik.
    Ob nun Schutztrieb, der umgelenkt werden muss oder Unsicherheit, die Vorgehensweise, Knurren zu unterbinden oder mit der Wasserpistole zu bestrafen, könnte böse enden.

    Viele Grüße!

  • Hallöchen und herzlichen Glückwunsch zum neuen Bürohund :D

    Ich nehme meine auch mit ins Büro und dort wurde zu anfangs auch jeder angeknurrt (sehr peinlich wenn es der chef ist) :headbash:

    Ich habe auf Rat "ich soll es unterbinden" dies auch versucht aber sie hat das knurren einfach nicht gelassen ...

    Leckerlis von allen, die reinkamen haben wir auch durch, trotzdem wurde geknurrt ....

    seit ich sie komplett ignorieren (also auch das knurren) lässt sie es bleiben ... sie hat (nach nem Jahr) jetzt verstanden, dass keiner der reinkommt irgendwas von ihr will ... sondern die Leute zu mir wollen

    du musst knurren immer im kontext sehen, generell unterbinden darfst du es natürlich nicht, aber wenn deinem Hund keinerlei Gefahr droht, keiner zu ihm hingeht und ihn jeder ignoriert, dann darfst du das schon versuchen zu unterbinden, ich glaube allerdings nicht das es klappt. ignoriere das verhalten einfach, auch wenn es peinlich und nervig ist ... vllt. bessert es sich von allein

    du hast den hund erst so kurz - ich glaube nicht, dass er dich jetzt schon warnen will dass da jemand kommt, ich glaube es geht ihm (noch) um seine eigene haut .. von daher: die lösung mit der box ist prima und ich würde das einfach ignorieren ... :)

    vllt. hilft das ja (das kann allerdings dauern)

    meine ist sogar so, dass sie brummelnd zu den leuten hinläuft, die hand schleckt und brummelnd wegläuft :lol:

  • der hund hat natürlich auch ne zeit auf dem buckel, die du nicht kennst ... es kann einfach seine strategie sein (bei meiner ist das so) .. sie hat gelernt "oh wenn ich knurre gehen alle weg, prima". das ist nunmal so. durch zeit und dein vertrauen wird der hund schon noch lernen, wer "feind" und wer "freund" ist ... verstehst du?

  • Zitat

    Ich sehe es als wirklich wichtig an, dass er versteht, dass er sich nicht um mich kümmern muss. Aber versteht er das so? Produziere ich damit nicht lediglich Meideverhalten á la: Ok, wenn ich knurre wird´s für mich blöd, also lass ich´s, aber warum weiß ich nicht?

    Nicht nur das. Es kann auch sein, dass er in Zukunft das Knurren sein lässt, und dann direkt ohne Vorwarnung schnappt/beißt o.ä. Schließlich hat er von dir gelernt, dass er nicht Warnen darf.

    Mit dieser Methode bekämpfst du lediglich das Symptom, nicht aber die Ursache für sein Verhalten.

  • Danke für die bisherigen Antworten.
    Also ich glaube ich werde auch eher noch etwas abwarten, wie sich das Ganze entwickelt.
    Was ich nur seltsam finde ist zum einen, dass er es bei Leuten macht, bei denen er sich eigentlich wohl fühlt (legt Kopf auf den Schoß und schließt die Augen beim Gestreicheltwerden), zum anderen, dass er es wirklich nur macht, wenn ich dabei bin. Dann knurrt er auch, wenn Leute sich schnell auf mich zubewegen ( er kommt dann zum Teil auch aus seiner Box und kommt mit dazu oder stellt sich dazwischen) oder wenn sie etwas von meinem Schreibtisch nehmen...Er verteidigt also schon offensichtlich mich und unser Territorium. Ich habe einfach etwas Angst, dass, wenn er das jetzt schon macht ( nach 4 Wochen!), sich das Ganze verschlimmern könnte, sobald er sich noch mehr einlebt. Bisher lässt er sich gut von mir auf seinen Platz schicken, bleibt aber unglaublich wachsam und hat den "Besuch" immer im Auge.
    Bei dem Trainer hatte ich bisher ein sehr gutes Gefühl, er arbeitet sehr ruhig, ohne Druck oder Gewalteinwirkung mit viel Leckerli-Bestätigung und hat bei extremen Problemhunden sehr gute Erfolge erzielt...

    Also setzt ihr eher auf weiter komplett Ignorieren, oder zumindes verbales Unmut-Äußern (Nein! oder Ruhe!) ?

  • Zitat

    dass er es wirklich nur macht, wenn ich dabei bin. Dann knurrt er auch, wenn Leute sich schnell auf mich zubewegen ( er kommt dann zum Teil auch aus seiner Box und kommt mit dazu oder stellt sich dazwischen) oder wenn sie etwas von meinem Schreibtisch nehmen...Er verteidigt also schon offensichtlich mich und unser Territorium. Ich habe einfach etwas Angst, dass, wenn er das jetzt schon macht ( nach 4 Wochen!), sich das Ganze verschlimmern könnte, sobald er sich noch mehr einlebt.

    Sicher besteht die Möglichkeit, dass er territorial ist/wird.
    Lasse es nicht zu, dass er sich aus der Box bewegt, wenn jemand kommt, genauso wenig hat sich der Hund dazwischen zu stellen, dafür hast du die Box.


    Zitat

    Bisher lässt er sich gut von mir auf seinen Platz schicken, bleibt aber unglaublich wachsam und hat den "Besuch" immer im Auge.

    Vergrößere, wenn möglich, die Distanz zwischen Bürogeschehen und Hund (in der Box).


    Zitat

    Bei dem Trainer hatte ich bisher ein sehr gutes Gefühl, er arbeitet sehr ruhig, ohne Druck oder Gewalteinwirkung mit viel Leckerli-Bestätigung und hat bei extremen Problemhunden sehr gute Erfolge erzielt...

    Mag sein, jedoch wird Knurren nicht bestraft, Ursachen müssen behandelt und nicht Symptome gemaßregelt werden.

    Zitat

    Also setzt ihr eher auf weiter komplett Ignorieren, oder zumindes verbales Unmut-Äußern (Nein! oder Ruhe!)

    Wenn mein Hund Menschen anknurrte, habe ich die Distanz vergößert, ohne "nein, aus oder Ruhe".

  • Also die Distanz vergrößern ist eigentlich nicht möglich.
    Ich kann lediglich die Box zu machen, allerdings wird´s dann mit dem Belohnen beim "Nicht-Knurren" schwierig.

    Vielleicht kurz noch zur Vorgeschichte:
    Er stammt vermutlich von Schäfern und wurde mit seiner Schwester über den Tierheimzaun geworfen.
    Dort verbrachte er dann die letzten Monate (Januar bis August).

    Vielleicht noch eine weitere Frage, die indirekt auch damit zu tun hat (was das "mir als Rudelführer vertrauen und die Führung überlassen" angeht).
    Wenn er von Hunden im Freilauf belästigt wird (zu aufdringliches Schnuppern, aufreiten), soll ich das unterbinden, oder verhindere ich damit eine "normale" Hundekommunikation? Nur, weil das heute mal wieder vorkam (er wir einfach sehr schnell als Angsthase identifiziert und das dann ausgenutzt). Ich habe nämlich auch schon erlebt, dass er sich da eigentlich gut ausdrücken kann und deutlich macht, dass er das nicht will. Normalerweise rufe ich dann und gehe mit ihm weiter, um ihn von der unangenehmen Situation wegzubekommen.

  • Zitat

    Also die Distanz vergrößern ist eigentlich nicht möglich.
    Ich kann lediglich die Box zu machen, allerdings wird´s dann mit dem Belohnen beim "Nicht-Knurren" schwierig.

    Dann schließe die Box in den prekären Situationen, bevor der Hund sich einmischt.
    Ich bin zwar allgemein für das Belohnen, aber in dem Fall würde ich nicht mit Leckerchen arbeiten.
    Wenn er nicht knurrt, kannst du ihn verbal loben.

    Zitat

    Vielleicht kurz noch zur Vorgeschichte:
    Er stammt vermutlich von Schäfern und wurde mit seiner Schwester über den Tierheimzaun geworfen.
    Dort verbrachte er dann die letzten Monate (Januar bis August).

    Nun ist er quasi von dort zum Bürohund geworden, so ganz verwunderlich ist sein Verhalten nicht.


    Zitat

    Vielleicht noch eine weitere Frage, die indirekt auch damit zu tun hat (was das "mir als Rudelführer vertrauen und die Führung überlassen" angeht).
    Wenn er von Hunden im Freilauf belästigt wird (zu aufdringliches Schnuppern, aufreiten), soll ich das unterbinden, oder verhindere ich damit eine "normale" Hundekommunikation? Nur, weil das heute mal wieder vorkam (er wir einfach sehr schnell als Angsthase identifiziert und das dann ausgenutzt). Ich habe nämlich auch schon erlebt, dass er sich da eigentlich gut ausdrücken kann und deutlich macht, dass er das nicht will. Normalerweise rufe ich dann und gehe mit ihm weiter, um ihn von der unangenehmen Situation wegzubekommen.

    Zu aufdringliches Verhalten, wie Aufreiten, würde ich unterbinden.
    Eine angemessene Zurechtweisung gegenüber anderen Hunden würde ich zulassen, reagieren diese darauf nicht, hilfst du deinem Hund, indem du ihn abrufst, das machst du schon perfekt, finde ich.

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