Mein Hund lässt mich verzweifeln

  • Hallo,

    Ich hab ein großes Problem mit meinem 2 1/2 jährigen Mischling. Auch wenn es das Thema vielleicht schon gibt, möchte ich meins trotzdem nochmal erläutern.
    Mein Hund, Oscar, ist ein Tierheimhund. Im Juli 2009 wurde er geboren und kam schon im Herbst ins Tierheim. Im November nahmen wir ihn auf, wobei die Prägungsphase schon vorbei war und er auch im Tierheim die ganze Zeit rumgereicht wurde. Er schlief fast jede Nacht woanders. Als wir ihn dann hatten, bin ich gleich immer mit ihm zur Hundeschule (erst Junghundekurs, jetzt Unterordnung). Schon zu Anfang hat man seine Macken bemerkt. Alles war interessanter als ich, er schnüffelte, wollte zu den anderen Hunden.. Ich hab gedacht das würde sich mit der Zeit bessern, aber da hab ich mich wohl getäuscht, denn selbst wenn ich ein Wurstleckerchen in der Hand hab, guckt er nur kurz und dann ist er schon "wieder gedanklich weg".
    Heute nach fast 2 Jahren Training mit ihm, ist er immer noch "abwesend". Auch wenn ich ihn jetzt öfters ins Fuß bekomme, gibt es immer wieder Tage wo gar nicht geht. Auch kann ich ihn heute manchmal ableinen, allerdings gibt es dann immer die Überraschung ob er bleibt oder ob er geht.. In der HUndeschule ist er auch so bekannt, dass er immer wegläuft. Manchmal ist er perfekt, aber dann ist er bei nächsten mal wieder unkonzentriert.
    Zum Beispiel war ich heute wieder mit ihm beim Hundesport. Immer wenn ich merke, dass er sowieso wegläuft, sprich er schnüffelt schon die ganze Zeit und reagiert nicht aufs Leckerli, lasse ich ihn an der Leine, so wie heute. Es ist echt schwer Hundesport mit einem angeleinten Hund Sport zu machen (zb beim Tunnel, Durchsprung). Meistens schaffen wir den Hindernislauf ungeleint zusammen, was wir früher nie geschafft haben, aber heute ist der gleich weggelaufen und wenn er dann markiert und ich Nein sage, läuft der schnell wieder weg und ich bekommen ihn gar nicht mehr wieder. Er macht dann meistens ein spiel daraus, in dem er Kreise um mich läuft, wenn ich zu nah komme. Selbst wenn ich ihm ein Leckerli hinhalte, kommt er nicht. Wenn ich ihn dann endlich wieder eingefangen habe, bleibt er trotzdem nicht im Fuß, sondern sprintet nur wieder vor. Ich probiere es dann immer mit Stehenbleiben oder mit Kreise laufen, aber das interessiert ihn nicht und er prescht danach sowieso wieder nach vorne weg.
    Das Problem mit dem Weglaufen ist nicht nur in der Hundeschule, sondern auch zuHause, denn immer wenn man mal nicht aufpasst und die Flur- und die Haustür aufstehen, haut er ab, und wir können dann erstmal hinter ihm herlaufen. Ich hab dann immer Angst, dass er vor ein Auto läuft, weil er gar nicht aufpasse, oder dass wir ihn nicht mehr eingefangt bekommen.
    Auch wenn ich mit Oscar spazierengehe, kann ich ihn nie ableinen. Ich nehme dann meistens eine Schleppleine und übe indem ich ihn immer wieder zu mir rufe. Außerdem liebt mein Hund andere Hunde, und viele wollen ihren HUnd lieber ohne Leine spielen lassen, aber ich kann meinen ja nicht abmachen..
    Das ist also mein großes Problem, und ich bin echt verzweifelt weil ich nicht mehr weiß was ich noch tun kann. Manchmal möchte ich ihn einfach nur noch weggeben, besonders dann, wenn er aufm Hundeplatz mal wieder seine Runden ohne mich dreht und ich ihn gar nicht mehr eingefangen bekomme, das ist schon manchmal sehr peinlich :verzweifelt:

    Bitte helft mir. Danke schonmal
    LG Vany

  • Vielleicht würde dir ein guter Trainer helfen, der gezielt auf dich und deinen Hund eingeht und sich mit euren Problemen auseinandersetzt. Kopf hoch, das wird schon noch :gut:. Schließlich hat er ja schon Fortschritte gemacht, seit er bei euch ist. Und ich weiß, das ist leichter gesagt, als "gedacht", aber eigentlich ist es doch egal, was andere denken. Außerdem wissen die Hundebesitzer auf dem Hundeplatz ja, dass nicht du an der Erziehung Schuld seit, weil ihr halt einfach die Prägephase verpasst habt.

  • Grüß dich, Vany.

    Das klingt ganz danach, als ob dein Hund dich nicht besonders interessant findet (ist nicht böse gemeint, nur konstruktive Kritik, die jetzt folgt =)). Was hat dein Hund von dir spannendes zu erwarten, außer einem Wurstleckerchen? Vielleicht ist er eher ein Spielfanatiker (liest sich ganz so).

    Schleppleinentraining halte ich für sinnvoll, muss aber richtig gemacht werden. Wenn ihr Rückruf an der Schleppleine trainiert, belohne ihn doch mal für ein freudiges Herankommen mit einem ausgiebigen Spiel. So lernt er auch, dass er nicht nur zurückkommen soll und dann wieder abhauen kann, sondern, dass er bei seinem Menschen bleiben soll und es sich auch noch lohnt.

    LG
    praise

  • Saramaus
    Trainer klingt gut, aber ich weiß nicht wo ich einen herbekommen kann. Bei uns in der HUndeschule gibt es ja auch Trainer, aber die wissen auch nicht was sie tun sollen. Meistens lachen sie nur, wenn Oscar mal wieder weg ist.

    praise
    Danke für den Rat mit dem Spielzeug, aber das hab ich auch schon probiert und es funktioniert gar nicht. Schon alleine aus dem Grund, da ich das Spielzeug nicht mehr wiederbekomme, da er nur rumknurrt :/

    Das mit der Schleppleine werde ich dann mal anders machen :)

  • Was steckt denn in deinem Mischling? Weisst du das?

    Ich stimme praise in allen Punkten zu. Es gibt Hunde die fahren nicht so sehr auf Leckerlies ab wie vielleicht auf ein bestimmtes Spieli.

    Du solltest mal darüber nachdenken noch eine andere Beschäftigung, als nur UO, mit dem Hund zu suchen. Es hört sich so an als hätte er auf UO mal so gar keinen Bock. ;)

    Vielleicht Longieren, da trainiert ihr erstmal mit Longe und der Hund muss auf Dich achten damit er weiss was er tun soll. ZOS ist vielleicht auch eine Möglichkeit. Zumindest beim Aufbau muss du sehr "nah" mit ihm zusammen Arbeiten. Das fördert das Vertrauen und die Beziehung.

  • Mh, wenn du ihm das Spielzeug nicht abnehmen kannst, ist da vielleicht was in der Grunderziehung im Argen.

    Ich kann dein Leid sehr gut nachvollziehen. Mein letzter Hund, ein Labbi, der aus einer Vermehrerzucht stammte, hatte auch so eine "Macke". Alles, was sich bewegte, war interessanter als ich. Bei ihm hat das Abrufen schlussendlich durch Konditionierung auf eine Pfeife und das Superleckerli schlechthin (gekochtes Huhn) geklappt. Aber beim Labbi war das rassetypisch sehr leicht, über Bestechung zu arbeiten ^^

    PS: Wenn deine Trainer nicht weiterwissen, halt mal Ausschau nach anderen Trainern...

    Und wo ich gerade das von PowderPuff lese: Vielleicht ist Reizangeltraining das richtige für ihn. Das ist ne tolle Beschäftigung, aus der heraus man toll Apportiertraining machen kann. Würd ich mich aber unbedingt vorher einlesen.

    Siehs positiv: Du hast jetzt ganz viele Chancen, auszuprobieren und herauszufinden, worauf dein Hund abfährt. Das kann sehr spannend sein :)

  • Hallo Vany!
    Erst einmal herzlich willkommen hier im Forum.
    Mein Hund Till hat eine kurze Zeit lang auch einmal versucht mit mir solche Fangspiele anzufangen. Zum Beispiel ist er dann bei uns aufs Bett gesprungen, was er nicht sollte. Wenn ich ihn dann gerufen habe um mit ihm aus dem Schlafzimmer zu gehen ist er immer wie wild auf dem Bett hinundher gesprungen und wollte, daß ich ihn fange anstatt zu kommen. Ich habe ihn dann stumpf ignoriert; was bedeutet ich habe mich sofort umgedreht, bin aus dem Raum gegangen und habe die Tür geschlossen. Ein paar Sekunden später habe ich die Tür wieder geöffnet und er stand schon von innen davor. Kurze Zeit später war das Thema erledigt. Wie reagiert dein Hund wenn du ihn ignorierst? Ich habe festgestellt, daß ich Till auf diese Art und Weise am leichtesten unerwünschtes Verhalten abtrainieren kann.
    Du hast berichtet, daß die Situation beim Hundesport recht problematisch ist, weil er dort häufiger wegläuft und sich nicht wieder einfangen läßt. Hast du schon einmal überlegt, ob der Hundesport unter Umständen nicht das Richtige für deine Hund ist und ob es möglicher Weise Sinn machen würde damit zunächst einmal zu pausieren? Ich meine die Beschäftigung mir deinem Hund sollte ja auch dir Spaß machen und für euch etwas Schönes sein. Wenn du nach dem Training regelmäßig total gefrustet bist erfüllt die Sache meiner Meinung nach seine Sinn momentan nicht. Das Wegaufen deines Hundes zeigt, daß auch dein Hund Stress hat, weil er die Anforderungen zur Zeit noch nicht erfüllen kann. Vielleicht solltest du dich nach einer Freizeitbeschäftigung für dich und deinem Hund umschauen, die man gut an der Leine machen kann um ihr auszulasten.

    Du hast beschrieben, daß dein Hund den Kontakt zu anderen Hunden liebt. Hast du die Möglichkeit ihm solche Kontakte auf einem gesicherten Terrain wie z.B einer eingezäunten Hundewiese, Garten oder dem Trainigsglände einer Hundeschule regelmäßig zu ermöglichen? Ich kann mir Vorstellen, daß das wesentlich zur Ausgeglichenheit deines HUndes und damit zu seiner Konzentrationsfähigkeit beitragen könnte.
    Ansonsten wäre es bestimmt gut sich bei eurem Weg von einem kompetenten Trainer unterstützen zu lassen.

    LG Franziska mit Till

  • Das ist ja gerade das Spannende daran ;) Man kann gemeinsam mit seinem Hund auf die Jagd gehen. Das fördert die Bindung unheimlich, bleibt aber in einem sicheren Rahmen. Und ich behaupte sowieso, dass es Hund ohne jeglichen Jagdtrieb nicht gibt.

    Dass es den Trieb aber fördert, würde ich nicht unterschreiben. Es ist eher eine tolle Methode, den ohnehin vorhandenen Trieb (wie ausgeprägt er auch immer sein mag) ausleben zu lassen. Wenn der Hund eher gelangweilt auf sich bewegende Gegenstände, die man verfolgen könnte, reagiert, ist es vermutlich nicht das Richtige.

    Aber wie gesagt, ich würde mich auf jeden Fall vorher einlesen und bestenfalls sogar von einem Profi beraten lassen, wie man das am Besten angeht.

    @ Vany: Hast du denn schon rausgefunden, worauf dein Hund besonders steht? Aus der Ferne ist sowas ja immer schlecht zu beurteilen, aber vielleicht ist Oscar auch einfach kopfmäßig nicht ausgelastet.

    Es gibt ja so viele spannende Sachen, die man ausprobieren kann. Vielleicht ist Trickdogging was für ihn oder Mantrailing oder Dummyarbeit oder oder oder.... :)

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