Problem bei Hundebegegnungen

  • Hallo Leute! :)

    Erstmal, tut mir leid für den vielleicht zu allgemeinen Betreff, aber ich wusste nicht wirklich wie ich unser Problem in kurze Worte fassen könnte.
    Ich komme wegen einem Problem zu euch, das mich schon länger belastet, bei dem ich aber immer noch keine Lösung habe mit der ich leben kann.

    Mein Dalmatinerrüde ist jetzt 18 Monate alt, und seit ca einem halben Jahr hat er eine Macke, die mich ganz furchtbar stört.
    Wenn wir draußen unterwegs sind, muss ich immer beten, dass kein anderer Hund unseren Weg kreuzt. In diesem Fall trifft nämlich ein besonderes Phänomen ein - mein Hund bekommt einen Tunnelblick und nurnoch selektive Wahrnehmung.

    Ich beschreibe jetzt einfach mal einen Ablauf, der sich so oder ähnlich öfter ereignet:
    Sidney und ich sind auf dem Feld unterwegs, fast immer mit der Schleppleine (Rückruftraining, aber das kann er inzwischen schon ziemlich gut). Wenn wir um eine Ecke laufen, und in 50 Meter Entfernung taucht ein Hund auf, habe ich manchmal das Glück und ich sehe ihn vor ihm. Ich rufe Sidney zu mir, mache die kurze Leine ans Halsband, stelle mich an den Rand des Weges und hoffe, dass die anderen Hundebesitzer einfach an mir vorbeilaufen (Leider links und rechts Felder und meistens nicht besonders gute Möglichkeiten, auf das Feld auszuweichen, wenn sich diese allerdings bietet stell ich mich auch mal 5 Meter ins Feld).
    Fall zwei, Sidney sieht ihn vor mir. Da wird schon geschaut was denn da kommt, er lässt sich allerdings noch abrufen und an die Leine nehmen, ohne nennenswerte "Probleme" - er regt sich halt auf wie noch, fängt an zu hecheln, zu fiepen, und man merkt ihm an dass er sich einfach null konzentrieren kann.
    Gehe ich jetzt aus der Situation, indem ich mich umdrehe und zurück laufe, folgt er mir, schaut mich auch an, aber es dauert nur einige Sekunden und er dreht sich um, ob denn der andere Hund noch da ist.

    Jetzt stehe ich also am Wegrand oder auf dem Feld, den Hund an der lockeren, aber kurzen Leine (er setzt sich dann auch hin), und das "Objekt der Begierde" nähert sich. Dann spielt sich etwas ab, was ich so von meinem Hund nicht kenne: Er wird taub. Er reagiert weder auf seinen Namen, noch auf sonstige Dinge die ich ihm sage, stelle ich mich vor ihn und versuche so, seinen Blick auf mich zu lenken, versucht er ständig an meinen Beinen vorbeizusehen und trotzdem noch den anderen Hund zu checken.
    Egal was ich mache, ich kann mich auf den Kopf stellen, er überlässt mir einfach nicht die Kontrolle über die Situation.
    Er ist sowas von fixiert auf den anderen Hund, dass er mir null Aufmerksamkeit schenkt, und das trotz Aufmerksamkeitsübungen und einem sonst sehr guten Verhältnis zwischen uns. Nur diese eine Sache ist einfach zu kotzen.

    Würde ich einfach nichts tun, ihn an die Leine nehmen und an den Rand des Wegs stellen, würde er, sobald der Hund auf Schnupperreichweite ist, erstmal hinstürmen (egal ob er mich dabei mitreißt oder nicht) und das Gegenüber abchecken. Leider sind die meisten Hundebesitzer hier nicht sehr kommunikativ, und die meisten Hunde sind ziemliche Giftspritzen (Kläffend in der Leine hängen).

    Wenn beide Hunde von der Leine sind, gibts nie Probleme. Er läuft zwar ein bisschen voraus und erreicht den anderen Hund als erster, aber da wird kurz geschnüffelt und da ist wieder abrufen und einfach weiterlaufen auch überhaupt kein Problem. Einfach mal kurz geschnüffelt, oh, wer bist denn du, und weiter gehts.

    Sidney ist ein sehr verträglicher Hund, der noch nie einen Streit angefangen hat und noch nie eine Rauferei hatte. Er lässt manchmal ein bisschen den Macho raushängen bei "Konkurrenten" (Rüden in ungefähr der gleichen Größe und ungefähr dem gleichen Alter), lässt sich aber auch da ganz gut handeln und auch abrufen, aber ansonsten hab ich Null Probleme und es ist wirklich ein Wunder, einen Hund zu finden, mit dem er sich nicht versteht. Was nicht so sein Ding ist wird ignoriert, wenn er einen anderen Hund gerne hat, fordert er zum Spielen auf, ist dann aber auch nicht zu Tode betrübt, wenn das Gegenüber daran nicht interessiert ist.

    Nur an der Leine macht er mir das Problem. Und ich weiß leider nicht mehr weiter, wie ich das Problem beheben kann, dass er sich auf mich konzentriert und mir das überlässt. Ich würde mich echt tierisch freuen, wenn jemand von euch einen Rat für die verzweifelte Halterin eines pubertierenden Rüden hat :gott:

    Und danke fürs Lesen! :)

  • Hat er den regelmäßig HUndekontakte zum Spielen und toben oder ist er komplett ausgehungert nach sozialen Kontakten zu Artgenossen?

  • Er hat regelmäßigen Kontakt.
    Im Normalfall sind wir 4 bis 5 Mal in der Woche mit anderen Hunden unterwegs, wir sind auch mindestens alle 2 Wochen auf der Hundewiese.
    So an sich hat er häufig Kontakt mit anderen Hunden.

  • Die ganze Sache kommt mir ziemlich bekannt vor. Mein Großer legt ein ähnliches Verhalten an den Tag. Ich kann so einer Situation auch nicht gescheit aus dem Weg gehen, weil er steht wie ein Fels in der Brandung. Ich muss ihn "schleifen" und sobald eine bestimmte Distanz da ist geht es wieder. Auch wenn ich ihn mit an die Seite nehme ist es das Gleiche wie bei Euch. Es scheint - egal was ich mache - als wenn nichts zu ihm durch dringt. Genauso ist es in der Situation des Nichtstun - Migo würde losstürmen ala "Nach mir die Sinnflut". Im Freilauf ebenso das Gleiche wie bei Euch. Auch Amigo ist verträglich, lässt jedoch manchmal auch den Macho raus hängen. Da ich leider auch noch nicht raus gefunden habe wie ich das ändern kann (ich will jetzt aber die Methode "Zeigen und Bennen" probieren) häng ich mich hier mal rein.

  • Zitat

    Er hat regelmäßigen Kontakt.
    Im Normalfall sind wir 4 bis 5 Mal in der Woche mit anderen Hunden unterwegs, wir sind auch mindestens alle 2 Wochen auf der Hundewiese.
    So an sich hat er häufig Kontakt mit anderen Hunden.

    Im Schnitt hat er also alle 2 Tage die Möglichkeit mit anderen zu laufen.

    Mein Tarzan war damals auch so drauf. Allerdings hatte der mehrmals täglich KOntakte zu seinen Freunden. Auch ich habe sehr viel versucht. Geholfen hat sein geliebter Balli. Aber es wurde erst wirklich besser als ich einen 2. Hund bekam. Die Beiden haben zwar miteinander nie gespielt aber sie hingen immer zusammen wie die Kletten. Im Nachhinein denk ich er war einfach ausgehungert und konnte gar nicht anders reagieren. Bei mir gibts einfach keine Einzelhunde mehr, ist eh nicht artgerecht.

    Ich hoffe du bekommst das in den Griff oder nimmst sein Verhalten irgendwann einfach hin.

  • Für mich klingt das Verhalten nach Freeze im Rahmen der Stressbewältigung. Flight ist an der Leine nicht möglich - was evtl. die erste Wahl wäre - im Freilauf eben schon. Dagegen vorgehen? Hm ... geringes Stresslevel durch weit entfernten Hund und hoch aufgeladner Clicker. Eben Zeigen und Benennen. :D

  • DarkAngel: Immer schön, wenn man mit dem Problem nicht alleine ist *gg*

    Lockenwolf: Ich hätte auch gerne noch einen Zweithund, aber wir wollten damit warten bis Sidney aus dem Gröbsten raus ist und er wirklich die Flusen aus dem Kopf hat. Ist also noch ein wenig Zukunftsmusik :)

    Estandia: Viel lieber wäre es mir zu wissen, warum er diesen Stress überhaupt aufbaut, und was ich falsch mache, dass ich ihm nicht die nötige Sicherheit bieten kann um sich zu entspannen. Das wäre mir viel wichtiger als den Stress einfach zu "umgehen"... Ich würde ihn lieber verschwinden lassen. :(

  • Wegen der Zweithundesache: Ich hab zwei Hunde, das Verhalten von Amigo (der übrigens als Zweiter dazu kam) wurd dadurch nicht positiv beeinflusst. Denke also mal nicht das es ein Garant dafür ist das des Theater an der Leine aufhört. Wobei ich auch nicht denke das Lockenwolf das mit ihrem Post ausdrücken wollte. Es kann sicher besser werden, aber muss halt nicht.

    Ich probier das Zeigen & Benennen aus und kann dir, SidneyPaw, ja berichten wie es gelaufen ist.

  • Hallo,

    dein Dalmatiner (?) ist 18 Monate alt. Das ist schonmal ein Alter, in dem er wissen mag, wo er nun eigentlich steht (denke ich). Bei seinen "Bekanntschaften" weiss er das wohl schon, man hat ja lange genug "unter Hunden darüber diskutiert" ;)

    Dann hattest du in deinem ersten Post geschrieben, dass du dir schon beim Verlassen der Wohung wünscht, keinem anderen Hund zu begegnen... Ich kann mir hier vorstellen, dass sich diese Unsicherheit von dir über die Leine direkt auf den Hund überträgt. Ganz sicher ist das auch ein Punkt, den du bewältigen musst.
    Es gibt Hunde, die, wenn sie die Unsicherheit ihres Halters spüren, mal kurzerhand selber die Hosen anziehen (wollen) - denn: "Frauchen, haste Angst? Och, lass mal, dann mach ich das schnell für dich!" (Verstehst du, was ich hier meine?)

    Du schreibst auch, dass dein Hund sozilisiert und verträglich ist (habe es jedenfalls so verstanden). Wie sind denn die Leute und die Hunde so drauf, die ihr trefft? Trefft ihr euch öfters? Hast du schonmal nachgefragt, ob dein Hund mal "kommen" darf? Oder willst du das evt. überhaupt nicht?

    Einen handfesten Tipp habe ich leider keinen für dich, ich kenne dieses Problem selber nicht. Aber vielleicht dies: Pack seine Mahlzeit zum Gassigang ein, den soll er sich verdienen. Kommt ein fremder Hund abrufen, Hund setzen lassen und dann biete ihm "Kopfarbeit" oder andere Kommandos, die er direkt bei dir ausführen kann und soll - mit der Aussicht auf ne handvoll Futter. Aber stimmt, du hattest ja auch noch den "Durchzug im Kopf" beschrieben... Oder nimm das "Super-Mega-Luxus-Leckerli"?
    Als meine Radfahrer und Jogger sehr interessant fand, habe ich das so gemacht und es ging recht schnell dem gewünschten Erfolg entgegen. Aber da war eben keine Sturheit dabei.

    Ich hoffe, hier kommen noch deutlich bessere Tipps...

  • DarkAngel: Das wäre superlieb :)

    Ulli: Ich selbst stresse mich nicht so, wenn wir einen anderen Hund treffen, kam vielleicht etwas falsch rüber. Es fällt mir nicht sehr schwer, Gelassenheit auszustrahlen, und ich versuche es jedes Mal aufs Neue. Besonders wenn ich weiter weg sitze bleibt er ja auch ruhig, er schaut und fiept, aber wenn der andere Hund stehen bleibt geht das Theater los. Ich würde einfach gerne mal an einem anderen Hund vorbeilaufen können und muss mir keine Gedanken machen, dass mein Fleck auf halber Höhe zu dem anderen Hund hinstürmen will und dabei auf mich natürlich keine Rücksicht nimmt...
    Angst hab ich keineswegs, nichtmal im Ansatz. Warum sollte ich auch? Er verarbeitet ja andere Hunde oder Menschen nicht zu Hackfleisch, und ich es gibt auch sonst keinen Grund zur Angst. Ich bin auch nicht unsicher gegenüber anderen Hundehaltern, ich weiß sehr genau mit welchem Hund ich den Kontakt wünsche und mit welchen nicht.
    Wenn ich ein Gefühl dabei empfinden sollte, dann ist es eher Ärger über meine eigene Unfähigkeit dem Hund zu zeigen, dass das nicht sein Bier ist, sondern meins...

    Die meisten Hunde, die wir hier auf dem Feld treffen, sind leider nicht gerade gut sozialisiert, sind unsicher oder haben sonstige Probleme, dass jeder Hund gleich als Feindbild abgestempelt wird. Da wird keifend in der Leine gehangen, da wird geknurrt und jah auf Abstand gehalten. Den Stress, sich mit sowas rumzuschlagen, will ich meinem Hund einfach nicht antun (und mir auch nicht, denn die Besitzer sind auch nicht gerade nett und zuvorkommend).

    Ich hab wirklich alles schon versucht. Kopfarbeit, ablenken, Futter verdienen, es hilft einfach nichts... Sobald ein anderer Hund da ist, bin ich Luft. :/

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