Spielen, spielen und spielen

  • Hallo ihr Lieben!

    Unsere Amy (Schäferhündin, 16 Monate jung) fährt ganz schön auf Spielzeug ab. An sich eine tolle Sache, man kann eigentlich prima mit ihr Spielen, bis sie jedoch das "Aus" gelernt hat dauerte es eine Ewigkeit.

    Nunja, leider ist sie immer so fixiert auf ihren "Ball", dass man eigentlich kaum eine Chance bei ihr hat, dass sie einen Befehl befolgt ohne das "Fixierobjekt". Sagen wir mal so, sie ist bestechlich geworden.

    Manchmal kann sie auch richtig angriffslustig werden, wenn man ihren Ball längere Zeit in der Hand hält und sie ihn unbedingt haben will. Bei mir hat sie noch nie danach geschnappt, allerdings schon öfter bei anderen.

    Auch wenn man ihr den Ball abnimmt und ihn weglegt, nervt sie alle die bei ihr sind. Starrt permanent auf die Füße (hofft wie beim Ball, das man ihn wegtritt, obwohl da gar nichts ist) und springt schon kleinsten Dingen hinterher, wie wenn man zum Beispiel das Laub im Garten aufkehrt und ein einzelnes Blatt auf den Haufen hinzuwirft.

    Und gefährlich wird es bei den Rauchern unserer Familie. Sie geht ja selbst nach der Asche, die sie auf den Boden aschen. ich könnte da noch viele Geschichtlein erzählen. Aber weswegen ich eigentlich schreibe ist der Grund, von euch vielleicht zu erfahren, wie man den Spieltrieb unter Kontrolle oder sogar teils unterbinden kann. Oder ihn sogar positiv nutzen.

    Ich habe mir da auch mal etwas angelesen, aus einem Spielebuch für Hunde. Und zwar sollten aufgeweckte Hunde lieber konzentrierte und ruhige Spiele spielen, wie zum Beispiel Arbeiten mit der Nase. Spurensuche und so. Dabei könnte man ja auch den Ball verstecken, wenn sie schon so wild darauf ist. Oder macht das alles nur noch schlimmer?

  • Sei mir nicht böse,

    aber für mich liest es sich schon ein wenig so, als ob Du da einen sogenannten "Balljunkie" hast.
    Und Dein Hund scheint dabei noch einer von der ganz extremen Sorte zu sein. Wenn er schon hinter Ascheteilchen herrennt....
    Bei solchen Hunden tendiere ich schon eher dazu, eben nicht mit einem Ball, oder generell Spielzeug als "Superbelohnung", zu arbeiten. Das puscht zu sehr, und dem Hund fällt es ganz schwer, von seinem hohen Streßlevel wieder herunter zu kommen.


    Wegen dem Training:
    Ich würde Dir mal empfehlen, Lektüren über die sogenannte "Impulskontrolle" zu lesen.
    Auch hier im DF. Da gibt es bestimmt sehr viele Threads zu.


    Ansonsten würde ich Dir auch zu eher ruhigeren Arbeiten raten.
    Auch zu einer anderen Form der Belohnung!
    Nasenarbeit, bzw. Suchspiele klingen ja nicht schlecht. Bitte nimm nur nicht den Ball, oder anderes Spielzeug, als Suchobjekt. Probier es mal mit einer Leckerchenspur, oder laß ihn nach nützlichen Teilen suchen, wie Hausschlüssel, Geld, oder was man als Mensch auch immer verlieren könnte.


    Schöne Grüße noch
    SheltiePower

  • Hört sich für mich auch sehr nach einem Balljunkie an...und ich glaube nicht, dass die TE wegen dieser Feststellung/Einschätzung böse wird :smile:.

    Es gibt meiner Ansicht nach in eurem Fall 2 zielführende Möglichkeiten: a) entweder den Hund von seinem Spielzeugtick runterholen, also eher Konzentrationsspiele, Tricks, Suchspiel (mit Leckerchen) o.ä., alles ohne Beute. Später kannst du dann wieder Spielzeug einbauen, aber wohldosiert, sodass sie nicht mehr so fixiert bzw. hochfährt und es z.B. als Jackpot in der Ausbildung nutzen..bei Hunden, die einmal "süchtig" waren, ist es aber lebenslang ziemlich schwierig, die Waage zu halten. Variante b) wäre den Hund in seiner Fixierung zu lassen, jedoch ihr beizubringen, dass sie trotz ihres Triebes auf den Ball (oder anderes Spielzeug) lernt, gewisse Grenzen zu akzeptieren und Frust zu ertragen, bzw. auf Kommando ihr Triebverhalten herunterzufahren (was zugegebenermaßen SEHR viel Arbeit ist und nicht unbedingt funktionieren muss). In eurer Lage würde ich euch Variante a) empfehlen :smile:

    Etwas Persönliches dazu: ich habe auch einen Balljunkie daheim, aber teilweise sehr bewusst gefördert/aufgebaut (was auch immer andere davon halten mögen, bei diesem Thema gibt es ja sehr geteilte Meinungen). Cuba würde für ihren Ball alles tun, wenn er da ist, fällt sie sofort in eine ziemliche Trieblage - das Fixieren eines Borders ist dagegen echter M*st...ABER: ich habe diese Fixierung so beeinflusst, dass ich sie für Ausbildungszwecke nutzen kann bzw. habe ich ihren Ball als hochwertigste Belohnung auch dazu eingesetzt, ihr Frustverhalten (was sie als trieblich sehr hoch gelagerter Hund mehr als reichlich gezeigt hat) in die richtigen Bahnen zu lenken...war echt kein leichtes Stück Arbeit, aber es hat funktioniert. Gerade mit so einem hoch- wenn nicht höchstwertigen Triebziel kann man herrlich über Frust arbeiten, aber nur wenn man genau weiß was man tut!

    Das Schnappen, das du ansprichst, würde ich z.B. überhaupt nicht durchgehen lassen. Wie genau verhält sie sich bei diesen Aktionen?

    Was ich auf jedenfall einstellen würde, ist das Wegtreten des Spielzeugs/Balls mit den Füßen, sonst hast du evtl. bald einen aufgedrehten Hund im Schuh hängen..bei uns ist das so: wenn der Ball am Boden liegt, wird nicht gespielt, erst wenn Frauchen die "runde Gottheit" in die Hand nimmt, dann kommt Spannung auf und es geht los. Deswegen habe ich Cuba auch beigebracht, dass ich den Ball nicht aufhebe, wenn sie ihn auf den Boden wirft, dann ist einfach Spielende..weitergespielt wird nur, wenn sie ihn mir in die Hand legt (auch das ist für einen wahren Balljunkie Nervenarbeit, weil das Ding fällt mal seitlich vorbei oder zu kurz davor, dann muss sie ihn wieder aufheben und nochmal versuchen ihn Frauchen zu geben und wenn man sich dabei hochschaukelt fällt es nur jedes Mal wieder daneben..irgendwann kommt sie dann drauf "reiß ich mich zusammen und leg das Ding ruhig in Frauchens Hand, komme ich schneller zu meiner Bestätigung als wenn ich am Rad drehe").

    Auch Suchspiele mit dem Ball finde ich nicht unbedingt kontraproduktiv..so kannst du z.B. mit dem Hund üben, dass er abgelegt bleiben muss, bis du den Ball versteckt hast und ihm das Zeichen/Kommando zum Suchen gibst.

    Und für mich persönliche das oberste Gebot bei extrem fixierten Hunden: ein Auflösekommando aufbauen, sonst schrauben sie sich in ihrem Trieb immer weiter rauf, auch wenn Frauchen eigentlich schon der Meinung ist, das Spiel ist aus - Hundi aber eben nicht. Bei uns ist das "Fertig", dann kommt der Ball weg und man geht anderen Tätigkeiten nach. Dauert etwas, bis der Hund das schnallt (und akzeptiert)..beholfen habe ich mir dabei damit, dass ich nach "Fertig" zu Beginn lecker Wurststücke ausgestreut habe und Cuba total ignorierte. Iwann hat sie es aufgegeben, mich zu verfolgen/anzustarren und ging Wurst einsammeln. So ist das "Fertig" zwar negativ weil ja Spielende, aber auch positiv weil Wurst und funktioniert jetzt (ohne Wurst) zu 99%.

    Wie oben schon geschrieben: viele Leute sehen extreme Fixierung eines Hundes auf Spielzeug (bezeichnend dafür der berüchtigte Ball) als rein negativ...ich will auch gar nicht schönreden, dass es Monate gedauert hat, bis ich Cuba davon überzeugen konnte, dass es nichts bringt beim Spazierengehen Kreise um mich zu ziehen in der Hoffnung, ihr Ball könnte plötzlich aus meiner Tasche hüpfen..oder dass sie ihren Ball mit allen Mitteln gegen andere Hunde verteidigt (gegen Menschen aber überhaupt nicht)..oder dass sie in ihrer Fixierung sehenden Auges in ne Mauer rennen würde..oder das es ziemlich schwierig war/und teilweise noch immer ist, ihr klarzumachen, dass anderer Leute/Hunde Bälle sie nicht zu interessieren haben...aber ich habe mich nunmal bewusst für einen Balljunkie entschieden und ich lebe sehr gut damit und auch Cuba erfährt dadurch keinerlei Einschränkungen ihres hundlichen Daseins. So, Ende aus, das wars mal von mir ;)

  • @ Dahlia91
    sehr viel Information auf einmal ;) ok wie fang ich an?
    Erst einmal musste ich ganz schön schmunzeln, weil diese Situationen, die du beschreibst, bekannt sind :roll:
    Die Tipps mit dem Beenden des Spieles waren sehr gut, ich denke, dass werde ich mal so ausprobieren. Was das Schnappen angeht: Es kommt nicht häufig vor. Sie sieht wie gesagt, dass man den Ball in der Hand hält und kommt automatisch näher, bei einem bösen "Nein" geht sie auch wieder etwas weg, es kam allerdings vor, dass andere, die sie nicht so gut einschätzen konnten, hektisch auf ihr Näherkommen reagierten und sie sich dann den Ball eben "sichern" wollte. Zu einem Biss kam es nie, eben eher ein Zwicken. :???:

    Zu deinen beschriebenen Methoden: ich denke Variante a wäre wirklich besser. Denn ich denke das wird sie auch insgesamt ruhiger machen. Vielleicht liegt es ja auch daran das sie noch sehr jung ist (16 Monate). So richtig glaube ich trotzdem nicht, dass es sich im Alter bessern würde.

    Es ist auch gut, wie du geschrieben hast, dass ich erst mit ihr spielen soll, wenn sie mir den Ball in die Hand gibt. Denn das Problem, dass sie den Ball so vor die Füße wirft, obwohl man noch gar nicht "Aus" sagen konnte, kenne ich auch nur zu gut.

    Meine FRage noch an dich, weil du geschrieben hast, dass du dir einen Balljunkie ausgesucht hast: wie wird ein Hund denn überhaupt zu einem Balljunkie? Wir hatten vor unserer Amy ebenfalls eine Schäferhündin - die beiden sind überhaupt nicht vergleichbar miteinander. Vor allem ist es irgendwie seltsam, dass ein Schäferhund (eigentlich so souveräne Hunde) so dermaßen Spielzeugfixiert sein kann :/

  • Freut mich, dass dir mein Geschreibsel etwas hilfreich sein kann :smile:

    Naja, es gibt einige Hunde, die werden nie und nimmer im Leben Balljunkies...allgemein prädestiniert sind Hunderassen mit einem hohen Beutetrieb (wozu auch diverse Hütehunde zählen..Schäferhunde dann noch stärker, wenn sie zuchtmäßig auf Beutetrieb selektiert werden - z.B. für den SD-Sport). Fördert man diesen Beutetrieb bzw. kanalisiert ihn auf ein bestimmtes Spielzeug (Ball), entwickelt sich ein solcher Hund schnell zum Balljunkie.

    Außerdem ist Schäferhund nicht gleich Schäferhund...Malis sind z.B. meistens etwas beutegeiler als Herder, diese wiederum etwas beutegeiler als die meisten DSH (es gibt immer Ausnahmen!).

    Wie ich geschrieben habe: ich finde, dass es gerade bei Balljunkies extrem wichtig ist, dass sie im Umgang mit ihrem "heiligen" Ball Regeln lernen, wie eben das nur-in-die-Hand-Geben, oder Impulskontrolle, dass z.B. das Balli fliegt, der Hund aber auf das Auflösezeichen warten muss, bis er hin darf etc. etc.

    Ich finde es übrigens toll, dass du dir darüber Gedanken machst und wirklich etwas ändern willst..genug Leute lassen das schleifen "weil er doch so süß sein Spielzeug herumträgt/verteidigt/fixiert, immer so schön müde nach dem Spielen ist etc." und wenn Hundi im Trieb dann mal wen locht ist das Geschrei groß.

  • Zitat


    Ich finde es übrigens toll, dass du dir darüber Gedanken machst und wirklich etwas ändern willst..genug Leute lassen das schleifen "weil er doch so süß sein Spielzeug herumträgt/verteidigt/fixiert, immer so schön müde nach dem Spielen ist etc." und wenn Hundi im Trieb dann mal wen locht ist das Geschrei groß.

    Yupp, da musste ich mir auch Gedanken drüber machen. Inzwischen klappt das mit Abbruchsignal ganz gut,
    setzt er nochmals nach, obwohl ich den Befehl gegeben und den Ball hochnehme, ist der Ball sofort weg.
    Passiert zum Glück nur selten, so langsam hat er kapiert, was ich von ihm möchte.

  • Dahlia91
    :D danke, aber ich finde es eigentlich nur richtig, dass man sich um Dinge, die für die Hund-Mensch-Beziehung problemefördernd sein können, beschäftigt. Gerade deshalb, weil man seinen Hundi ja lieb hat und will, dass es ihm nicht schadet...

    schleppleine
    Rocky war also auch ein kleiner Junkie ;)

  • Zitat

    Dahlia91
    :D danke, aber ich finde es eigentlich nur richtig, dass man sich um Dinge, die für die Hund-Mensch-Beziehung problemefördernd sein können, beschäftigt. Gerade deshalb, weil man seinen Hundi ja lieb hat und will, dass es ihm nicht schadet...

    :gut: :gut: :gut:

    Na dann wünsche ich dir viel Erfolg bei der Umsetzung des Inputs bzw. deiner eigenen Ideen!
    Kannst ja berichten was sich so für Fortschritte zeigen - würde mich interessieren :smile:

Jetzt mitmachen!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!