Spät entdeckter Schutztrieb ????

  • Mein Hund hat sich in den letzten Tagen ziemlich seltsam verhalten und ich weiss nicht warum. Vielleicht könnt ihr mir weiterhelfen.

    Mein Dt. Pinscher (Rüde, unkastriert) hatte noch nie auch nur ansatzweise den rassetypischen Schutz- und Wachtrieb gezeigt. Jeder Mensch der uns besuchen kam wurde freudigst begrüsst und bespielt. Höchstens mal ein kurzes Wuff bei Fremden (Handwerkern zum Beispiel), und gut wars.

    Angefangen hat es vor fünf Tagen. Ich sass am Sofa, Hund kuschelt bei mir. Dann kam mein Freund (den er seid einem Jahr kennt und mit dem wir seid 3 Monaten zusammen in einer Wohnung leben) zu mir ans Sofa. Er will mir einen Kuss geben und Peanut knurrt ihn an. Vorgestern das selbe. Gestern knurrt Peanut und schnappt Richtung Gesicht, aber nur in die Luft.

    Jedesmal schicke ich ihn vom Sofa, und da steht er dann mit eingezogenem Schwanz und schaut blöd. Das letzte Mal hat er sogar mit eingekniffenem Schwanz vor der Klotür auf mich gewartet.

    Heute kam eine sehr gute Freundin, die Peanut liebt und bei der er auch schon mal stundenweise beziehungsweise über Nacht war. Er begrüsst sie normal und schnuffelt sie an. Ich schick ihn kurz auf seinen Platz damit sie sich die Schuhe ohne Hundezunge im Gesicht ausziehen kann. Nachdem ich ihn freigegeben habe, fixiert er sie, knurrt sie an, wandert uns ganz steif durch die ganze Wohnung nach und ist einfach nur komisch.

    Weder bei meinem Freund noch bei der Freundin ist jemals irgendwas vorgefallen, wegen dem er Angst oder Aggression zeigen könnte. Beide lieben ihn!

    Ich will jetzt keine Diskussion um "Knurren unterbinden oder nicht" lostreten. Ich will nur wissen was ihr denkt WARUM er plötzlich so komisch ist. Könnte das ein später Pupertätsschub sein - er ist jetzt 2,5 Jahre alt? Oder kann es sein dass er nun doch noch einen Schutztrieb entwickelt und mich vor meinem Freund beschützen wollte? Oder wollte er am Sofa einfach nur ganz prinzenmässig mit mir alleine sein? Und warum ist ihm seine gute Freundin plötzlich nicht mehr geheuer?

    Kennt ihr sowas?

  • Das, was der Hund da macht, halte ich nicht für Schutztrieb. Das empfinde ich als größenwahnsinnigen Schnösel.

    Generell ist das Schützen aber eher eine Spätzündergeschichte, die wenigsten Hunde zeigen das selbstbewusst und sicher, bevor sie 2-3 Jahre alt sind.

    LG
    das Schnauzermädel

  • Hallo,

    verhält er sich anderen gegenüber auch so, wenn du nicht in der Nähe bist?

    Als er deine Freundin anknurrte, geschah dieses aber im Flur und nicht auf dem Sofa. Verstehe ich das richtig?

    Zitat

    Das letzte Mal hat er sogar mit eingekniffenem Schwanz vor der Klotür auf mich gewartet.

    Verfolgt er dich immer?

    Gruß
    Leo

  • meine freundin hat er im wohnzimmer angeknurrt. ich hatte ihn auf seinen platz geschickt bis sie die schuhe ausgezogen hatte. dann hab ich ihn frei gegeben, aber er ist sitzen geblieben und hat sie fixiert. als sie ins wohnzimmer gekommen ist und an ihm vorbei gegangen ist, hat er sie von seinem platz aus angeknurrt. später ist er zu ihr hin und als sie ihn streicheln wollte, hat er wieder geknurrt.

    wenn ich nicht in der nähe bin, knurrt er eigentlich nicht - soweit ich weiss.

    verfolgen tut er mich nicht - also nicht unangenehm. er schaut schon oft was ich tue, aber nicht ständig.

  • Drehen wir das mal so, denn dass es Schutztrieb ist, steht wohl außer Zweifel:

    Schutztrieb an sich ist eine feine Sache, solange er nicht unkontrolliert ausgelebt wird. Das Problem ist nämlich nicht der Schutztrieb, das Problem sind Missverständnisse. Also macht Verbieten der Sache an sich keinen Sinn. Es kommt vielmehr darauf an, dem Hund Missverständnisse zu ersparen. Da ist erst einmal der Lerneffekt, was unter Menschen normal ist. Das betrifft den Hund. Dann aber auch das Vermeiden von Situationen, die nicht eindeutig sind. Eine Kissenschlacht z.B. mag schön sein, sie muss aber nicht unbedingt im Angesicht des Hundes stattfinden.

    Der dritte und vermutlich wichtigste Teil ist, den Hund zu bremsen, wenn denn doch einmal (aus welchen Gründen auch immer) sein Schutztrieb geweckt wurde. Bremsen, in Bahnen leiten, nicht verbieten. Die richtige Reaktion ist also in der Art von "Danke, aber ich schaffe es auch ohne deine Hilfe; bei Bedarf komme ich gerne auf dein Angebot zurück."

    Ist ein bisschen, je nach Hund, ein Eiertanz, aber es ist machbar. Meist reicht schon ein ganz ruhiges "Tut nicht Not, bleib ruhig" oder "Ist gut".

  • so versuch ich das auch zu handhaben.
    wenn die handwerker kommen und es wird gewufft, dann sag ich "ich habs gesehen, ist gut" und gut ists. ebenso wenn jemand in den hof kommt und der hund wufft. richtig bellen tut er eh nie.

    aber wenn er meinen freund anknurrt, weil der mir einen kuss geben will, während der hund bei mir am sofa sitzt, bin ich nicht sicher wie ich damit umgehe. "ist gut" sagen hilft nix und kommt mir auch irgendwie fehl am platz vor. soll ich ihn vom sofa runterschicken? oder soll mein freund ihn runterschicken und sich selbst hinsetzen? oder der hund gar nicht mehr aufs sofa? hmmmm.

    DSH Bauer, wie würdest du das regeln ??

    Ach ja, vielleicht interessant: von unseren zwei sofas darf er nur auf eines rauf, das andere ist tabu. und das bett ist ebenso absolute hundesperrzone. wird auch so respektiert ...

  • Da müsste er durch. Mal angenommen meine Hunde dürften auf das Sofa und stellten sich so an. Ich würde sagen, dass das normal ist, den Hund beruhigen aber keine Rücksicht auf seinen Irrtum nehmen. Das ist so und das muss er als normal anerkennen (dass er es als normal kennt, unterstelle ich mal).

    Wessen Aufgabe ist das? Ich denke mal, dass du bei deinem Hund die stärkere Stellung hast. Was bringt es dann, wenn dein Freund ihm etwas sagt? Den will er doch auch gar nicht schützen. Du musst es ihm sagen.

  • hm, so rum hab ich es noch gar nicht gesehen.
    es stimmt schon, ich bin für den hund eher die respektsperson als mein freund. ich dachte eher, wenn ICH ihn dann wegschicke, dann schwäche ich die stellung meines freundes noch mehr, weil er sich nicht selber "durchsetzt" sondern mich als "hilfe" braucht.

    ist das zu menschlich gedacht?

  • Nee, das ist nicht menschlich gedacht.

    Stelle dir mal vor, es wäre nicht dein Hund derjenige, der Knurrt, sondern dein Vater oder deine Mutter, die denken, dein Freund küsst dich nicht sondern beißt dir ins Gesicht oder will dir Gewalt antun. Die würden doch auch erst dann aufhören zu knurren, wenn du ihnen sagst, dass das so seine Richtigkeit hat. Dein Freund hingegen würde seine Position eher schwächen als stärken, wenn er das sagte; zumindest wäre das unglaubwürdig. Ist beim Hund auch nicht anders.

    Wegschicken würde ich den Hund auch nicht. Es ist so ok, das hat er zu respektieren und fertig. Deine Eltern würdest du doch auch nicht rausschmeißen, um beim Beispiel zu bleiben :D .

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