aggresives Verhalten bei Besuch, bitte um Hilfe!

  • Hallo,
    Ich kann das Verhalten von unserem Hund, einer französischen Bulldigge, Emma (3), nicht ganz deuten, ich weiß nur, dass es mich tierisch nervt :headbash:

    Emma scheint jedesmal, wenn es an der Tür klingelt, auszurasten. Dann düst sie zur Tür und geht halb die Wände hoch; dabei knurrt und kläfft sie ohrenbetäubend laut. Und es wird noch schlimmer, wenn der Besucher dann unser Haus betritt, inzwischen sehen wir keine andere Lösung mehr, als sie an die Leine zu nehmen oder hochzuheben, da sie den Besucher versucht "anzugreifen" (sie springt kläffend und knurrend an ihm hoch und knurrt hin und wieder; sie ist auf 180). Ist sie dann in sicherer Entfernung wird's auch nicht besser, sie versucht weiterhin zu dem Besucher zu gelangen; da sie dies dann nicht schafft fängt sie an zu "schreien".
    Besteht unser Besuch jedoch aus MEHREREN Personen, dann entspannd sich die Lage nach 20 Minuten; vielleicht hat Emma dann einfach keinen Überblick mehr, ich hab keine Ahnung.. Draußen beim spazieren gehen macht sie keine Probleme, nur bei meinem Freund, den findet sie sowohl drinnen als auch draußen doof. :/
    Ich bin inzwischen so verzeweifelt, dass ich mir mit meinen 15 Jahren gar keine Freundinnen mehr nach Hause einlade, denn Emma ist mir in solchen Momenten einfach nur peinlich..
    Eventuell könnte Emma's Verhalten mit einem früheren Vorfall zusammenhängen? Denn vor einiger Zeit kam ein Mann von den Stadtwerken zu uns und fand unsern Hund 'ach soo süüüüß', dass er sie grob auf den Rücken gedreht und ordentlich geknuddelt hat; Emma konnte sich nicht umdrehen. Von da an war sie Männern gegenüber misstrauischer und seit einiger Zeit attackiert sie jetzt eben jeden Besucher.

    Mir ist klar, dass Emma's Verhalten nicht von heute auf morgen geändert werden kann, aber ich hoffe trotzdem um schnelle Hilfe!!

    Viele liebe Grüße, Charlotte

  • Bringe ihr bei sich auf eine ihr zugewiesenen Platz zu legen und dort auch liegen zu bleiben. Wenn Besuch kommt, lasse sie sich ablegen und begrüße den Besuch (Hund immer im Blick behalten und sofort wieder ablegen lassen, wenn er aufsteht). Sie muss lernen, dass Besuch keine Gefahr ist und sie auch nichts angeht. Der Besuch interessiert sich also nicht für sie und du achtest darauf, dass sie sich auch nicht für den Besuch interessiert. Lasse sie bei dir (ruhig an der Leine, wenn ihr das Sicherheit gibt), führe sie auf ihren Platz und kümmere dich um deinen Besuch. Habe sie dabei immer im Auge und erinnere sie bei Bedarf daran, dass sie abgelegt wurde.

    Diese Übung so lange mit wechselnden Besuchern durchziehen, bis sie sitzt (nicht nur einmal oder bei einer Person, länger und bei unterschiedlichen Personen).

    In der nächsten Stufe darf sie dann nach einiger Zeit (diese wird mehr und mehr verkürzt) aufstehen und sich frei bewegen, solange sie dem Besuch fernbleibt ("eine Armlänge Individualdistanz").

    Sitzt das auch, kann der Besuch sie animieren heranzukommen. Animieren, nicht heranrufen. Sie kann (muss nicht) ruhig und "in friedlicher Absicht" sich dem Besuch nähern und sich streicheln oder kraulen lassen.

    Immer ruhig, immer langsam, Schritt für Schritt. Zwischendurch kann auch mal Besuch kommen, der mit ihr draußen spielt (Ball oder sonstiges, was ihr Spaß macht). Hierbei soll sie lernen, dass Besuch auch für sie eine Bereicherung darstellen kann.

  • Zitat

    Bringe ihr bei sich auf eine ihr zugewiesenen Platz zu legen und dort auch liegen zu bleiben. Wenn Besuch kommt, lasse sie sich ablegen und begrüße den Besuch (Hund immer im Blick behalten und sofort wieder ablegen lassen, wenn er aufsteht).

    So isses. Es ist Eure Aufgabe, ihr das zu vermitteln, und wenn Ihr ihr nichts anderes beibringt, tut sie aus hundischer Sicht nichts Falsches -- im Gegenteil, sie beschützt das Revier, das ist ja eine Tugend und im Zweifelsfall sogar ein Dienst Euch gegenüber.

    Es erfordert am Anfang ziemlich viel Ruhe Eurerseits und ein bisschen Geduld vom Besuch aus -- der darf ja erst reinkommen, wenn Emma sich auf ihrem Platz befindet und muss in der ersten Zeit auch immer wieder abwarten, bis Ihr sie wieder dahingebracht habt -- aber es lohnt sich total.

    Ich sollte es wissen, ich bin gerade dabei, das mit Ginger (auch 3J.) wieder einzuüben, nachdem ich es viel zu lang hab schleifen lassen -- jaja wir inkonsequente Kleinhundhalter :roll:


    Zitat

    Ich bin inzwischen so verzeweifelt, dass ich mir mit meinen 15 Jahren gar keine Freundinnen mehr nach Hause einlade, denn Emma ist mir in solchen Momenten einfach nur peinlich..


    Je mehr geduldige Besucher du hast, desto schneller wirds "click" im Hundegehirn machen. Statt deine Freundinnen normal einzuladen, kannst du sie darum bitten, dir bei Emmas Erziehung zu helfen, so hast du in deinen Freundinnen geduldigen Trainierbesuch -- auch wenn sie altersgemäß meckern sollten ;) -- und vor allem fühlen sich Deine Freundinnen nicht von Dir ausgegrenzt.

    Was Deinen Freund angeht: Es liegt wohl etwas im Argen, entweder mit Emma oder mit Deinem Freund. Vielleicht hast du nur Emma nicht genügend klar gemacht, dass du bestimmst und nicht sie, so dass sie dich für sich allein haben will, egal wer kommt, in dem Fall dürfte das Training helfen. Oder aber sie hat mit ihren Instinkten Recht. Deine Familie und deine Freunde werden Dir hoffentlich auf näherem Befragen hin sagen, falls Letzteres zutreffen sollte ;)

    Liebe Grüße
    Kay (Engländerin, wunder Dich also bitte nicht um evtl. komische Ausdrucksweisen)

    P.S. Was bei Ginger enorm hilft: etwas beißen/greifen können, wenn Besuch kommt. In ihrem Fall ist das ein Plüschspielzeug, es kann aber auch was Robusteres sein wie ein Kong, Hauptsache, sie kann irgendwo reinbeißen, wo kein Menschenbein drinsteckt :roll:

  • Was auch hilfreich sein könnte, den Besuch draussen auf der Straße zu begrüßen. Mussten wir mit unserem Großen auch nach unserem Umzug machen, da er von den vielen neuen Gerüchen, der größe der Wohnung, den neuen Leuten etc. total überfordert war. Wir haben dann unseren Freunden gesagt, sie sollten wenn sie fast da sind kurz durchrufen und wir sind dann raus und haben die Gäste auf der Wiese vorm Haus begrüßt. Dann war es für unseren Großen kein Problem mehr wenn die Leute danach mit ins Haus kamen und nach 2 Wochen war das Thema dann vollkommen gegessen.

  • Hi,

    dein Hund zeigt ganz klar ein ängstliches Verhalten wahrscheinlich durch eine oder mehrere Fehlverknüpfungen. Eine sehr nützliche Lektüre zu diesem Thema, welche ich gerade Lese, und genau zu deinem Thema passt, empfehle ich dir hiermit. Es heißt: "Traue nie einem Fremden"

    Hier wird die Methode der klassischen Gegenkonditionierung beschrieben. Dein Hund muss wieder lernen Besuch oder fremde Besuchen positiv zu assoziieren.

    Viel Erfolg.

    LG Andi

  • Wir haben ein ähnliches, wenn auch nicht ganz so heftiges Problem mit Jeppe. Er hat seit kurzem total Angst, wenn Besuch kommt. Er rennt nicht zur Tür und bellt, aber wenn der Besuch reinkommt und es alles etwas eng wird, denn bellt er den Besuch auch an und sprint an ihnen hoch. Unser Trainer hat uns empfohlen, Jeppe absitzen zu lassen, und zwar so, dass er sowohl sieht als auch hört, dass da wer kommt, aber ohne dass er direkten Kontakt hat. Dann soll der Besuch an ihm vorbei ins Wohnzimmer gehen und ihn völlig ignorieren. Im Wohnzimmer stehen ein paar leckerlies, die können dann vom Besuch in die Hand genommen werden. Dann gehe ich mit Jeppe zusammen ins Wohnzimmer und er kann sich umsehen und auch die Leckerlies annehmen. Damit ist für ihn die Situation entschärft, denn er hat mit der Begrüßung nichts zu tun und wird auch nicht gleich begrüßt, denn das mag er einfach gar nicht. Man muss eben den Besuchern vorher sagen, was los ist, dann ist das kein Problem und ich denke, wenn man es nur oft genug macht, hat sich das Problem irgendwann von selbst erledigt.

Jetzt mitmachen!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!