Oh ja, das Gefühl kenne ich. Er ist ja im Januar eingezogen, dann hatten wir mit diversen Krankheitsgeschichten zu tun (Hund und Mensch) und ich bin auch grade noch kurz vor den Abschlussprüfungen.
Und dann ist da ein junger Hund mit Sprungfedern, der mir bei Hundesichtung am Horizont zwei Minuten lang bellend ins Gesicht gesprungen ist (keine Übertreibung, er ist wirklich mit seinem Maulkorb in mein Gesicht geknallt wenn ich zu langsam war).
Jo, das war super anstrengend. Mit allem anderen hab ich gerechnet (Jagdtrieb zB), aber nicht mit diesem Pöbeln, da er ja im Rudel aufgewachsen und dort auch immer frei gelaufen ist. Hier durfte er nicht mehr, also Frustexplosion. Dazu dann noch die Schmerzen, das wussten wir ein paar Wochen lang nicht, die haben es natürlich auch verschlimmert.
Und ich hab mich oft gefragt, warum mich sein Verhalten so triggert. Ich bin oft richtig sauer geworden, das war in den 5 Jahren Hundesitting nie der Fall, obwohl da deutlich "schwierigere" Hunde dabei waren.
Momentan lese ich grade ein Buch, das mir sehr hilft meine eigenen Themen zu verarbeiten. Das hat mir bei vielem die Augen geöffnet. Teilweise ommen da einfach Sachen hoch, die früher mal Thema waren oder wo früher der Umgang der Erwachsenen mit mir für mich nicht gepasst hat. Das ist aber kein Thema von Blue, er löst es nur in mir aus (warum auch immer).
Seitdem ist ein riesen Batzen Druck und Stress von mir abgefallen. Klar haben wir das Leinenpöbeln auch sehr viel trainiert, aber seit ich innerlich entspannter bin sehe ich oft wie Blue einen Hund sieht, richtig nachdenkt was er jetzt macht und dann entscheidet, zu mir zu kommen. Er ist, seit ich innerlich entspannter bin, auch viel entspannter. Bin ich mal wieder einen Tag gestresst, mere ich das sofort an seinem Verhalten (und teilweise bekommt er dann auch Durchfall, er ist da echt sensibel).
Und, sowieso immer, wurde ja auch schon gesagt: nimm dir mal Zeit ohne den Hund. Geh alleine oder mit Freunden einen Kaffee trinken. Gönn dir eine Massage. Gönnt euch Spazierstrecken, auf denen nix los ist. Flexileine ist hier an manchen Tagen auch hoch im Kurs. Manchmal merke ich auch, er hat grade akute Pubertät, wir haben beide keinen Spaß, dann chillen wir halt im Garten oder üben zu Hause einen neuen Trick, anstatt draußen rumzulaufen. Dann gibts halt am nächsten Tag wieder eine große Runde.
Und, was hier sowohl am Anfang als auch aktuell wieder (Jagdtrieb kommt grade immer mal wieder durch) sehr hilft: 33 Meter Schleppleine. Da ann er richtig rennen, hat viel Platz um zu erkunden, mit dem Ruckdämpfer ist es auch nicht so schlimm wenn er reinrasselt. Nehme ich nur wenn ich fit bin, tut ihm aber richtig gut und macht ihn entspannter.
Aber ja, falls du einen sehr sensiblen Hund hast, guck mal wie es dir emotional geht und schau, ob das einen Effekt beim Hund hat (ich hab ca. 9 Monate gebraucht um zu merken wie sehr ihn meine Gefühle und mein Stress beeinflussen).
Und dicken Drücker, es wird besser! Hoffe ihr habt auch schöne Momente miteinander, oder geht auf die Suche was euch beiden Spaß macht. Vielleicht gibt es in deiner Stadt ja auch zB Freilaufflächen, die man sich stundenweise mieten kann, dass ihr mal da hinfahrt, er rumflitzen kann ohne andere Hunde, und du ein bisschen entspannt rumstehst, ihm was versteckst oder so. Hundeschulen bieten das manchmal an :)