Hmm. Ich glaub, das beste Beispiel hierfür ist die Beziehung zwischen mir und Dino.
Wir haben eine sehr enge Bindung zueinander. Die hat sich so ergeben, weil wir uns gut verstehen und weil wir die vorhandene Bindung durch gemeinsame Erfahrungen vertiefen konnten. Er weiß, dass ich ihn beschütze und ihm den Rücken stärke, wenn er das braucht - ich bin z. B. seine Rückversicherung, wenn er von sich aus Kontakt zu einem fremden Menschen aufnimmt. Er ist selbstsicher genug, um das inzwischen souverän und ruhig (für seine Verhältnisse!) anzugehen, guckt aber trotzdem noch oft und gerne zu mir, um sicherzugehen, dass ich ein Auge auf die Situation habe, eingreifen kann und er sich auch wortwörtlich hinter mir verstecken kann, wenn er das braucht.
Ohne dieses gemeinsame Vertrauen und die enge Bindung zueinander wär es mir wahrscheinlich nicht möglich gewesen, seine vorhandenen Probleme soweit zu reduzieren, dass sie im Alltag nicht mehr so sehr ins Gewicht fallen. Oder es hätte bedeutend länger gedauert, ich weiß es nicht.
Für mich ist klar, dass die Beziehung zum Hund eine große Rolle in der Erziehung spielt.
Ohne Vertrauen keine Beziehung, ohne Vertrauen keine Erziehung.
Behandle ich meinen Hund respektvoll und zeige Interesse daran, seine Bedürfnisse zu erfüllen (und wo nötig, Kompromisse einzugehen), dann ist zumindest für mich klar, dass die Erziehung dadurch erleichtert wird.
Vertraue ich jemandem, dann bin ich auch eher gewillt, seine Kritik anzunehmen und mich von einer Alternative überzeugen zu lassen.
Wenn Hund weiß, dass seine Wünsche nicht übersehen werden und er sich darauf verlassen kann, dass Herrchen (meistens) "zuhört", dann wird's dem Hund wahrscheinlich auch leichter fallen, die Anweisungen und Verbote vom Besiter zu akzeptieren. Gleichzeitig schaffen klare Regeln auch Vertrauen ... das geht mMn Hand in Hand.
Erziehung ist meiner Ansicht nach keine Einbahnstraße oder eine Sache, die nur von einer Partei ausgeht - ich muss ja schließlich auch wissen oder wenigstens ein Gefühl dafür haben, welche Erziehungsmethode eher fruchten könnte. Und das geht eben nur dann, wenn ich meinen Hund kenne, wenn ich weiß, was ihm wichtig ist und was nicht.
Für Dino ist's z. B. die Höchststrafe schlechthin, nachts nicht bei mir im Bett schlafen zu dürfen. Das nächtliche Ankuscheln gibt ihm Sicherheit und lädt seine "Akkus" für den Alltag auf. Würde ich ihm das jetzt auf einmal wegnehmen, würde ich ihm einen wichtigen Teil unserer Beziehung entziehen und damit wieder dafür sorgen, dass er verhaltenstechnisch wieder instabiler wird - ist jedenfalls mein Gedankengang.
Ich betrachte Dino durchaus als eine Art Freund. Nicht umsonst nenn ich ihn manchmal Hundekumpel 
Wir machen viel zusammen, ich setz mich für ihn ein, aber ich sag ihm auch unmissverständlich, wenn er Scheiße gebaut hat. Zeitgleich bringt er mir (wenn auch unbewusst) viel über mich selbst bei. Wir wachsen an- und miteinander und das finde ich für uns ganz optimal.
Die Beziehung zwischen Mensch und Hund wird allerdings dann untragbar, wenn dem Hund z. B. zuviel Verantwortung aufgelastet oder ihm eine Rolle übertragen wird, die ihn deutlich überfordert und/oder unter der er leidet.
Ich denke da z. B. an die Hunde, die depressive Menschen ständig aus ihrem Loch holen und aufmuntern sollen, ohne dass die Menschen viel Eigeninitiative zeigen. Hunde können eine therapeutische Wirkung haben und zum Überwältigen von Hindernissen ermuten, aber es sind und bleiben Hunde - keine Therapeuten!
Ich habe mir Hunde geholt, weil ich Hunde toll finde; weil ich mich wieder um Haustiere kümmern und die Welt zusammen mit dem Hund entdecken will - nicht, weil ich psychisch krank bin und von einem Tier erwarte, dass es mich 24/7 therapiert.