ich habe das Gefühl versagt zu haben
Nein, hast du nicht. Absolut nicht.
Ich hab keine Erfahrung mit solchen "Kalibern" von Hunden. Ich hab "nur" einen Leinenpöbler und einen Hund, der (genau wie deiner) Besuch nicht reinlässt, sondern auch beißen würde, wenn er denn könnte.
Aber halleluja, ich hab einen Heidenrespekt vor der Arbeit, die du geleistet hast. Es gibt so viele Hundehalter, die sich von deinem Engagement ne dicke Scheibe abschneiden können (u. A. ich, hüstel) ... bitte red dir nicht ein, dass du versagt hast. Himmel, du bist Ersthundehalter und hast einen Hund, den ich persönlich pauschal als gefährlich einstufen würde! Wäre ich in deiner Situation, ich hätte wahrscheinlich schon nach dem ersten Vorfall das Handtuch geworfen ...
Wie gesagt, ich hab keine Erfahrung mit gefährlichen Hunden, aber mit der Abgabe eines Hundes. Die Hündin, die ich abgeben musste, war verglichen mit deiner allerdings echt einfach - kam mit 8 Wochen zu ihrem damaligen Halter, hat in den 7 Monaten auf dem Hof nichts kennengelernt, weder Leine noch Halsband und war halt generell ziemlich schnell gefrustet, hat andere Hunde gemobbt, wenn sie sich nicht gewehrt haben usw... eigentlich der klassische junge Schäferhund. Sie ist mir dann aber aus diversen Gründen über den Kopf gewachsen und ich bin irgendwann nur noch aufm Zahnfleisch gegangen. Mein Rüde wurde von ihr mehrfach verletzt - alles nix dramatisches, aber das hat mich dann schon belastet. Sie konnte auch nicht alleine bleiben und ich hatte zu dem Zeitpunkt, als sich das gezeigt hat, einen neuen Job angetreten ... mein Chef hat mir zwar erlaubt, sie während der Arbeit im Auto zu "parken", ich bin dann halt während der Arbeitszeit 2x mit ihr Gassi gegangen, aber das war halt auch keine Lösung.
Und generell hab ich irgendwann einfach gemerkt, dass ich das nicht schaffe - ich hatte auch ganz ehrlich nicht die Ressourcen für langwieriges Training, mir hat auch einfach die Kraft dazu gefehlt. So kams dann, nachdem ich über die einschlägigen Portale kein gutes neues Zuhause gefunden habe, zur Abgabe ins Tierheim.
Das war für mich und meinen drangsalierten Rüden sowas wie ein Befreiungsschlag. Auch wenn die Hündin ansich echt super und lieb war, für mich und den Dicken wars am Ende halt doch besser.
Ich denk heute - über ein Jahr später - noch oft an sie, frag mich, ob ichs vielleicht doch hätte schaffen können ... aber sie hat seit Januar diesen Jahres ein wunderbares Zuhause und seit Herbst 2019 lebt bei mir und meinem Dicken auch eine unheimlich nette Schäferhund-Dackel-Mixhündin.
Quasi "eine Tür schließt sich und eine andere geht auf". Sie hat eine neue Chance bekommen - wir auch.
Aber wie gesagt: verglichen mit deiner Hündin ist/war sie wirklich einfach. Ein bisschen mehr Konsequenz, etwas mehr Gefühl für Hundesprache und ich hätte mit Sicherheit eine bessere Ausgangslage gehabt.
Am Ende würde ich auf die Aussagen unserer rassekundigen Leute (in dem Fall also u. A. Helfstyna, Murmelchen, Hummel usw.) vertrauen. Und darauf, ob du dir "so einen" Hund für die nächsten 9-10 Jahre wirklich ans Bein binden willst. Ob du damit leben kannst, wenn du jede einzelne Sekunde managen musst und nie so wirklich sorglos mit dem Hund umgehen kannst.
Ich könnte das nicht. Definitiv nicht. Ich kann mit Leinenpöblern leben, ich kann auch mit einem Hund leben, der Besuch halt scheiße findet - ja mei, dann besuch ich halt die Leute, bis ich irgendwann selbst wieder Besuch empfangen kann, weil wir trainingstechnisch endlich soweit sind. Aber ein Hund, bei dem ich permanent zu 120% aufmerksam sein muss? Könnte ich nicht.
Gemachte Fehler kann man nicht rückgängig machen. Ich kenn das Gefühl von "Hätte ich mal früher gehandelt" ... zwar aus einer gänzlich anderen Situation, aber ich kann verstehen, wies dir geht. Man will am liebsten die Zeit zurückdrehen und alles anders machen. Gar nicht erst z. B. diesen Hund wählen. Vielleicht auch eine völlig andere Orga wählen. Oder direkt zum Züchter gehen. Oder oder oder.
Alles nur Beispiele, ich glaub dir macht hier keiner auch nur den geringsten Vorwurf.
Von dem, was du geschildert hast, glaube ich, dass du intuitiv schon vieles richtig machst und auch ein Händchen für Hunde hast. Du wirkst auf mich unheimlich stark - dass du überhaupt die Willenskraft hattest, um mit und für deine Hündin zu arbeiten, verdient schon seinen Respekt.
Ich wünsche dir, dass du guten Gewissens eine Entscheidung treffen kannst, die sowohl für dich als auch für deine Hündin das Beste ist. Deine Hündin ist dir wichtig, das merkt man trotz allem - aber bitte: denk auch an dich. Dein persönliches Wohlergehen steht immer noch über dem des Hundes.