Weshalb möchtet ihr einen Welpen unbekannter Herkunft ohne Sozialisation und mit wahrscheinlich Deprivationsschaden als Junghund erhalten, wenn ihr euch vom seriösen Züchter einen Welpen holen könnt, wo Gesundheit und Wesen einschätzbar sind und wo die Hunde vieles kennen, von innerartlicher Kommunikation bis hin zu Hausaufzucht und Außenreizen?
Was meinst du mit Schicksal?
Im Prinzip müsst ihr euch auf alles einstellen. Auf einen kranken Hund, auf einen unterentwickelten Hund, auf einen Hund, der in der vegetativen Phase wahrscheinlich Mangel gelitten hat, der nichts kennt, der keine erwachsenen Hunde kennt noch irgendwas an realem Leben. Dass der Welpe schon mit gestresster Mutter so viel Adrenalin aufgenommen hat, dass gewisse körperliche Prozesse stattgefunden haben, die nicht reversibel sind.
Und ihr müsst euch prinzipiell drauf einstellen, dass der Hund dieses Defizit in der Gehirnentwicklung wahrscheinlich nicht im Nachhinein (oder nur teilweise) aufholen kann.
Ist nicht unwahrscheinlich, wenn auch nicht garantiert. Drauf einstellen solltet ihr euch aber.
Auf die Frage warum, kann ich antworten.
Wir haben uns lange mit der Anschaffung zu einem Hund beschäftigt, uns intensiv mit allen möglichen Rassen beschäftigt und hatten auch zuletzt unsere Wahl getroffen. Der Cavalier war ja einer dieser Rassen mit denen wir uns auch intensiv beschäftigt haben, auch wenn wir zuletzt eben wegen der gesundheitlichen Problematik davon Abstand genommen haben. Das Thema kam dann aber nun doch wieder auf, als unser Tierheim den Aufruf startete für die Welpen ein Zuhause zu finden.
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Und wegen diesem Aufruf wollt ihr bewusst einen Welpen mit schlechtem Start ins Leben aufnehmen?
Ja, die Welpen sind sicher süß. Die Rasse ist sicher auch toll. Aber blende doch mal all das aus und überlege dir, wie der worst case-Fall aussehen kann - und ob du dir das für die nächsten 10-15 Jahre wirklich antun möchtest.
Sehr wahrscheinlich sind Muttertier und Welpen nie aus dem Keller des Vermehrers herausgekommen. Gewöhnung an Unweltreize und Co. wird während der Quarantäne auch eher nicht stattgefunden haben, denn die Welpen dürfen ja auch nicht raus - ihr werdet den Hund also ggf. auch erstmal an fremde Untergründe wie Gras, Asphalt, Kies, Holzschnitzel ... gewöhnen müssen.
Und an die Autos in der Stadt. An andere erwachsene Hunde. An das Leben in einer Wohnung, wo drumherum auch noch permanent Geräusche sind. An so viele Dinge, an die man als Normalsterblicher gar nicht denkt, weil die für einen selbst einfach Alltag sind.
Und wie gesund die Hunde sind, weiß auch niemand so richtig. Die Impfungen sind nicht alles. Während des Wachstums können sich eventuell angeborene Krankheiten bemerkbar machen, die das Leben des Hundes womöglich beträchtlich verkürzen und/oder zusätzlich einschränken.
Du weißt, zu welchen Krankheiten die Rasse - selbst vom seriösen Züchter! - neigt? Warum willst du dir dann unbedingt einen Welpen vom Vermehrer holen, wenn das Risiko für die rassetypischen Krankheiten bei Vermehrerhunden ungleich höher ist?
Willst du dir wirklich und bewusst einen Hund holen, der eventuell nie normal im Alltag mitlaufen kann? Der eventuell jung verstirbt, weil er von Geburt an krank war? Mit dem ihr ständig zum Tierarzt müsst? Ich rede hier nicht von 5-6x im Jahr, sondern einmal wöchentlich (oder mehrfach!). Das belastet den Geldbeutel und die eigenen Nerven unheimlich. Auch wenn es dem Tier durch die ständigen TA-Termine gut geht...
Du hast die Chance auf einen Welpen vom Züchter, wo die Chance auf ein gesundes Tier deutlich höher ist. An deiner Stelle würde ich diese Chance nutzen.
Zusätzlich dazu kannst du die Welpen ja mit einer Patenschaft unterstützen.