Beiträge von Javik

    Ich sehe einen Trend in Richtung Null-Fehler-Toleranz, der wahrscheinlich durch diese ganzen Hundetrainersendungen beflügelt wird: Jeder Hund hat jederzeit in jeder Situation wie ein Soldat zu funktionieren, sonst ist er schlecht erzogen/der Halter unfähig, geht gar nicht und überhaupt. Aber erreicht werden soll die perfekte Erziehung bitteschön nicht im Oberfeldwebel-Modus, sondern mit Klicker und Wattebausch wie im Fernsehen.

    Meiner Erfahrung nach fallen den Leuten vor Staunen die Augen raus, wenn der Hund auch nur halbwegs hört. Von wie ein Soldat oder wirklich anspruchsvollen Dingen ganz zu schweigen.

    Es ist mehr Erfahrung nach eher so, dass das Idealbild eines Hundes ein absolut passives, apathisch rumstehendes Tier ist.

    Was soll denn das sein? Dalmatiner/Bernhardiner? Und dann noch ein Labrador? Und wieso soll sie auf einem Bauernhof? Man, es gibt echt schräge Anzeigen :dizzy_face:

    Ich kenne "für den Bauernhof" als "ich kann den Hund nicht kontrollieren und er geht auf alles", im Optimalfall noch als "mieserables Nervenkostüm", weil Bauernhöfe sind ja immer einsam, niemand kommt vorbei, es gibt nichts dort und außer natürlich der totalen Freiheit für den Hund.

    Aber diese Begriffe so zu verwässern, macht jegliche Auseinandersetzung schwierig bis unmöglich, und damit auch das Verstehen, Durchdringen und ggf. Verändern.

    Was heißt hier verwässern?

    Was ich wiedergegeben habe war nicht meine persönliche Meinung, sondern was (in etwa) die offiziellen Definitionen besagen.

    EDIT: keine Ahnung war um bei den Zitaten in geposteter Form die Quellen nicht wiedergegeben werden. Also in absteigender Reihenfolge, Wikipedia, Bundeszentrale für politische Bildung und das Juraforum.

    Zitat

    Als Gewalt (von althochdeutsch waltan „stark sein, beherrschen“) werden Handlungen, Vorgänge und soziale Zusammenhänge bezeichnet, in denen oder durch die auf Menschen, Tiere oder Gegenstände beeinflussend, verändernd oder schädigend eingewirkt wird.

    Zitat

    Allg.: G. bezeichnet den Einsatz von physischem oder psychischem Zwang gegenüber Menschen sowie die physische Einwirkung auf Tiere oder Sachen.

    Soziolog.: G. bedeutet den Einsatz physischer oder psychischer Mittel, um einer anderen Person gegen ihren Willen a) Schaden zuzufügen, b) sie dem eigenen Willen zu unterwerfen (sie zu beherrschen) oder c) der solchermaßen ausgeübten G. durch Gegen-G. zu begegnen.

    Zitat

    Eine juristische Definition liefert die Rechtsprechung des BGH, die Gewalt wie folgt definiert: "körperlich wirkender Zwang durch die Entfaltung von Kraft oder durch sonstige physische Einwirkung, die nach ihrer Intensität dazu geeignet ist, die freie Willensentschließung oder Willensbetätigung eines anderen zu beeinträchtigen" (BGH NJW 1995, 2643)

    Punkt ist, wenn man speziell über Hunde und speziell über eindeutig negative Gewalt reden will, dann macht das zwar durchaus Sinn (da gebe ich dir absolut Recht), weicht aber von der offiziellen Definition ab und damit wird es schwammig.

    Nämlich, wo beginnt dann in diesem Fall Gewalt? Damit man das ordentlich diskutieren kann braucht man dann schlicht und ergreifend eine neue Definition auf die sich alle einigen, sonst macht eine Diskussion keinen Sinn.
    So als Beispiel A definiert Gewalt als alles was ansatzweis roh am Hund ist, am Halsband ziehen, eigentlich überhaupt schon ein Halsband allgemein, schubbsen usw., von schlagen fangen wir erst gar nicht an. Person B definiert Gewalt in etwa ab da wo ein Hund anfängt vor Schmerz zu schreien.

    Person A: "Ich lehne Gewalt in der Hundeerziehung ab."

    Person B: "Ich lehne Gewalt in der Hundeerziehung ab."

    Beide: "Toll, dass wir der gleichen Meinung sind!"

    Beide treffen sich, Person A bekommt einen Herzinfarkt...

    Und hier wirds schwierig. Ich kann es zB absolut verstehen, dass Leute mit sehr kleinen Hunden sehr viel mehr als Gewalt bezeichnen als zB jemand wie ich. Einfach weil das Kräfte- und Gewichtsverhältnis so anders ist. Genauso wie die ängstlichen und sensiblen Hunde, da sehr viel feiner auf sowas.

    Wie will man also eine allgemeine Defintion aufstellen? An der Reaktion des Hundes? Und wenn ja, welche? Es ist immerhin Sinn und Zweck von Korrekturen, dass der Hund sich zurücknimmt. Also, Schmerzreaktionen und meidiges Verhalten? Das dürfte für die meisten schon zu weit gehen, zumindest die Schmerzreaktion. Und wenn du sagst du definierst das über Schädigen. Okay, ja, legitimer Ansatz, aber weder ein kurzer Schmerz noch kurzzeitiges Meiden führt zu einer Schädigung, bei Hunden wie den meinen jedenfalls nicht. Was ich damit sagen will, wenn wir rein über Schädigung definieren was wir ablehnen, dann kann ich dir gleich sagen, dass ich dann bei meinen, wenn die ordentlich im Trieb stehen, ganz entspannt TT und Stachler drauf packen könnte und mir dazu einen Baseballschläger schultern. Irgendwas sagt mir aber, dass du das nicht so okay fändest (TierSchG mal ganz außenvor gelassen).

    LaBellaStella

    Ja, Gewalt per Definition ist es halt in dem Moment in dem man irgendeine Form von Macht ausübt.

    Leine, Ressourcenverwaltung, bestimmen wo der Weg lang geht usw. Rein nach Definition alles Gewalt.

    Da sind wirklich diese passiven überhaupt nicht auf den Hund einwirkenden HH am nächsten dran.

    Wahrscheinlich machen ein paar es auch genau deswegen so.

    Wenn man Gewalt eher über bestimmte Handlungen oder den Schmerz des Hundes definieren will ist das zwar absolut legitim. Im Sinne einer Diskussion sollte man dann ganz aber definieren wovon man eigentlich genau spricht.

    Im höchsten Fall dränge ich meinen Hund mal kurz mit dem Körper zurück und mehr nicht. Das funktioniert bei uns prächtig und ich habe einen gut erzogenen Hund.
    Ich glaub eher, dass es sich hier um Leute handeld, die generell keine Zeit in die Erziehung investieren. Evtl. auch die falsche Trainingsmethode. Es klappt ja nicht alles bei jedem gleich. An jeden Hund muss man anders ran gehen. Aber viel mehr glaube ich, dass es sich um Leute handelt die generell einfach zu Faul sind und sich nicht so richtig kümmern wollen. Ansonsten würde das Problem gar nicht so richtig existieren.

    Meinst du nicht, dass du auf einem etwas sehr hohen Ross sitzt? Du hast da eine Rasse die quasi dafür lebt ihrem Menschen jeden Wunsch von den Augen abzulesen.

     

    Auch wenn man hier im Forum liest. Man schreibt von konsequent sein, von sich durchsetzen, aber gerade die die nicht super sensible Collies oder Kleinsthunde haben halten sich da doch gerne bedeckt wie das dann teilweise auch mal aussieht.

    Danke für den Schmunzler und das ist nicht negativ gemeint! :sweet: Das ist dann auch das Problem mit den Collies aus Linien wie z.B. Lani, da fehlt dieses supersensible total |) normales Blocken ist er piepegal. Aber ja, ich denke da muss man sich zT auch bedeckt halten. Unwissende Nachahmer könnten es übertreiben und dann gebissen werden oder man ist dann der TierKwäler vom DF... :headbash:

    :D

    Alles gut. Natürlich habe ich hier mit dem Vorurteil gespielt um ein Bild rüberzubringen und nicht den Charakter jedes einzelnen Collies über einen Kamm scheren wollen.

    Naja, was darf man denn heutzutage auch noch? Ein Hund dem Leckerlies o.ä. in so einer Situation gepflegt am Allerwertesten vorbei gehen, Halter mit weniger Erfahrung und entsprechend kleinem Methodenrepertoire, wenn einen die falsche Person sieht, dann kann es schon Ärger geben, wenn man dem Hund nur ein Haar krümmt (wörtlich gemeint).

    Ich erinnere mich da gerade an unsere alte Familienhündin, fantastische Schauspielerin. Eurasier, ich habe ihr also ins Fell gelangt um nach dem Halsband zu suchen um sie an der Straße anzuleinen. Und selbst das, weil sie damals schon sehr wacklig auf den Beinen war, habe ich eher langsam und vorsichtig gemacht, also es war wirklich eine zarte Berührung, noch nicht einmal bis zur Haut runter, nur ein paar Haare sanft verbogen.

    Sie wollte aber noch nicht angeleint werden und zurück und hat daher geschrien wie am Spieß. Ich wäre fast von Passanten gelyncht worden.

    Oder als Baldur noch jung war, habe ich ihn mal mit einem Fuß vor der Nase begrenzt als er mich überholen wollte. Wirklich nichts anderes als das Bein ausgestreckt um den Hund zu bremsen, es war noch nicht einmal eine sonderlich schnelle Bewegung, da der Hund auch nur gemütlich schnüffelnd am Weg entlang lief. Aber eben schnüffelnd und daher nicht auf meine verbale Korrektur reagierend. Ich wurde dann eine halbe Stunde von einem Paar durch den Wald verfolgt, weil sie genau gesehen haben, dass ich den Hund getreten habe, sie mich anzeigen würden und natürlich um sicher zu stellen, dass ich den armen, armen Hund nicht nochmal treten würde.

    Joa, ein paar solche Begegnungen oder entsprechende Recherche im Internet, wo man sich ja auch gerne mal darin überbietet wer der extremste Wattebauscher ist, und ich kann absolut verstehen, dass die Leute sich absolut hilflos fühlen, wenn Fiffi keine Lust hat auf Leckerlie und "tututu" zu reagieren.

    Auch wenn man hier im Forum liest. Man schreibt von konsequent sein, von sich durchsetzen, aber gerade die die nicht super sensible Collies oder Kleinsthunde haben halten sich da doch gerne bedeckt wie das dann teilweise auch mal aussieht. Es gab doch hier mal diesen Thread mit der Frage wie eine "Ansage" denn konkret aussah. Da haben ja dann doch einige geschrieben, dass sie punktuell auch mal ordentlich und auch körperlich durchgreifen. Wenn man aber normal so hier durchs Forum liest, könnte man den Eindruck bekommen, dass hier jeder ausschließlich mit Leckerlies und, wenn man gaaaanz schlimm drastisch wird ist mal einer hochgezogenen Augenbraue erzieht. Dann versucht man das beim eigenen Hund und, oh Wunder, oftmals funktioniert das nicht. Tja, und wenn man dann nicht zu den pöhsen Rohlingen gehören will, bleibt doch nichts anderes als zu resignieren.


    Dazu habe ich stark das Gefühl, dass die meisten Menschen diese Sprüche a la für einen Hund ist man Gott, für eine Katze ist man ein Sklave zu wörtlich nehmen und die dann total geschockt und unvorbereitet sind, dass ein Hund tatsächlich sowas wie einen eigenen Willen hat und diesen, haltet euch fest, sogar teils vehement durchsetzen will.

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    Also ich tippe ja auf FeldhaseXCollie, was sagt ihr? 😂

    Spoiler anzeigen

    Es handelt sich um einen reinrassigen Husky, aber Perspektive ist halt manchmal echt gemein 😂

    Etwas was ich mit Baldur kreuzen würde. Dann bekommen wir lauter kleine Dumbos und können mit ihnen über den Himmel reiten :smiling_face_with_hearts: :smiling_face_with_hearts:

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