Ich halte nicht mehr viel von solchen Tierarzttrainings. Hunde wie diesen Eurasier gibt es zu Hauf und ich glaube nicht, dass so ein Training dauerhaft erfolgreich ist. Wie lange will man das betreiben? Am Ende steht dann doch wieder der Tierarzttisch, die gesplitterte Kralle, die Ohrenentzündung oder gar die Narkose für einen Eingriff und das wackelig aufgebaute Vertrauen ist wieder zerstört. So viel desensibilisieren kann man gar nicht.
Dazu kommt der Stress, den der Hund bei dem Training ja schon hat. Die Stunden, die man drauf wartet, dass der Hund entspannt, kann man auch mit positiver Beschäftigung füllen.
Was ich als hilfreich empfinde:
- kurze Wartezeiten durch Terminsprechstunde. Wenn doch mal Wartezeiten entstehen, darf der Hund im Auto warten.
- klare Strukturen: Solange der Hund am Boden ist und ich mit den Besitzern spreche, wird der Hund in Ruhe gelassen, auf dem Tisch muss er stillhalten, wenn ich fertig bin, bin ich fertig und der Hund wird am Boden wieder nicht beachtet.
Die wenigen Termine im Jahr, die es für die meisten Hunde gibt, lassen sich so sehr gut durchstehen und ja, ich habe sehr ängstliche und panische Hunde in der Praxis, bei denen dieses Vorgehen im Laufe der Jahre eine Besserung des Ganzen gebracht hat. Also Struktur geben, die Situation berechenbar machen. Aber die Desensibilisierung finde ich am Ende fragwürdig.
Ich meine, der Hund zeigt doch nach wie vor Stressverhalten auf dem Tisch und das, obwohl die Tierärztin fast nichts tut. Wenn die jetzt das Staugummi rausholt, das Bein schert und nen Venenzugang legt, ich bin mir sicher, dann ist es wieder fast wie vorher.
Gut finde ich die Übungen zum Handling. Hochheben, Halten und bestimmte Körperteile anfassen mit Signal... Auch das hilft die Situation berechenbarer zu machen.