Ich möchte dir sehr ans Herz legen, nicht in Schuld/Unschuld zu denken.
Den Gedankengang kann ich sehr gut nachfühlen, man hat bei einem jungen Hund, der, ich sag mal, Macken entwickelt, natürlich die Angst im Hinterkopf, dass man den versaut hat, dass man was übersehen hat, was falsch gemacht hat oder was unterlassen hat und deshalb ist der wie er ist.
Natürlich ist es immer ein Zusammenspiel, und ist der Besitzer hektisch, ängstlich oder schnell unsicher, spiegeln das die Hunde. Andererseits muss man aufpassen, dass man sich nicht selbst zerfleischt und vor lauter Problemen nicht das Gute sieht, das uns unsere Hunde anbieten.
Im Rückblick erscheint jeder meiner früheren Hunde wie ein Engel, aber natürlich hatte jeder seine Baustellen und Eigenheiten.
Natürlich gibt es Tage, da frag ich mich, was ich übersehe, ob es an mir liegt, was ich noch tun kann, um dem Jungspund zu helfen. Dann gibt es Tage, da fühle ich mich von seiner Anwesenheit einfach nur beschenkt, spüre, wie sehr er sich in Situationen, die ihm Angst machen, auf mich verlässt, wie er meine Führung sucht, sich an mir anlehnt. Dann geht mir das Herz auf und ich mach einfach weiter. Jeder Hund ist anders, es gibt sicher auch Selbstläufer, aber ich würde mal behaupten jeder Hund hat Eigenheiten und Baustellen, an denen man arbeiten kann, je nachdem, wie groß der Leidensdruck ist und je nachdem, wie laid-back der Besitzer ist.
Es kommt auch auf die Lebensumstände an, wir dürfen nicht vergessen, dass wir die Hunde in ein Leben pressen, in das manche typbedingt mehr schlecht als recht hineinpassen, andere aber wieder ganz wunderbar zurechtkommen.
Und, wenn man sich selbst zu sehr stresst, weil man vielleicht perfektionistisch veranlagt ist, bekommt das ganze Hundethema auch eine Dimension, die ungesund werden kann. Unsere Hunde sind zwar Familienmitglieder, aber Hundehaltung ist doch auch ein Hobby, soll eine Freude sein, und unsere Tiere sollen unser Leben doch schöner machen und uns Freude schenken und nicht das Gegenteil. Also ist es wichtig, dem Ganzen auch gewisse Grenzen zu setzen und damit sich selbst und auch den eigenen Erwartungen.
Manchmal ist der Schlüssel auch Akzeptanz. Dieser Hund ist eben so, und der nächste Hund ist anders. Hibbelige Menschen haben vielleicht Hibbelhunde, manche haben die große Ausnahme von der Regel. Ist doch auch egal, jeder tut was er kann und ihr gebt ja auch euer Bestes, das ist das Allerbeste, was ihr tun könnt.
Lange Rede, kurzer Sinn.... Chin up, es kommen auch wieder bessere Zeiten
