Hey, unser Jungspund hat auch mit einem halben Jahr ungefähr solche Anwandlungen gezeigt. Fremde waren plötzlich gruselig, vor allem, wenn sie ein bestimmtes Aussehen hatten, und wenn sie ihn locken oder anfassen wollten. Irgendwann war auch angucken doof. Besuch wurde verbellt und war große Aufregung, und ich hab tatsächlich auch eine gewisse Vehemenz wahrgenommen, hättenwir das laufen lassen.
Ich hatte das noch bei keinem Hund, und stand erstmal im Wald. Was mir dann echt weitergeholfen hat, war das Buch "Betreten verboten". Zum einen wird erklärt, was bei territorial veranlagten Hunden (unserer war auch noch unsicher dazu) im Köpfchen so vergeht, und es werden Vorschläge gemacht, wie man managen kann.
Es wurde auch beschrieben, dass manche Hunde halt so sind, dass Territorialverhalten genetisch festgelegt ist und man nur managen und trainieren kann, also in Bahnen lenken, aber es nie weggehen wird. Das hat sehr entlastet, weil wir auch an uns selbst das Zweifeln angefangen haben. Sicher haben auch äußere Ursachen oder seine Bauchspeicheldrüsenproblematik mit reingespielt, aber insgesamt habe ich mit Hilfe dieses Buches einen soliden Fahrplan erarbeitet, wie wir vorgehen, wenn Besuch kommt, damit sich niemand bedroht fühlt und der Hund ruhig bleibt, weil ich alles für ihn regle.
Und letztens kam ich heim vom Gassi, war Besuch am Tisch gesessen, und als ich den Hund in den Flur ließ, wo ein Gitter ihn getrennt hat vom Besuch, da stand der Jungspund dann am Kindergitter und wedelte den Besuch zögerlich an 
Passanten werden inzwischen ignoriert und manchmal schnüffelt er jetzt sogar vorsichtig an Fremden, mit denen ich spreche, was ich natürlich sehr lobe. Je mehr ich zeige, dass ich ihn abschirme in seinem Bedürfnis nach Abstand, umso entspannter ist er und umso mutiger kann er dann auch wieder auf Leute zugehen, wenn ihm danach ist.
Ich nehme ihn auch weiter überall hin mit, ins Restaurant (und bitte den Kellner, Abstand zu halten), zum Camping (mit Zaun), zum Stall (Anweisung an alle, ihn zu ignorieren). Besuch ignoriert ihn ebenfalls, und er liegt dann neben mir auf seiner Decke (was wir antrainiert haben). Hat man mal einen Weg gefunden, kann man von dort aus sich vortasten (zb Besuch Leckerli werfen lassen oder sich auf den Boden setzen lassen etc).
Apropos "tickende Zeitbombe", seh ich tatsächlich nicht so. Mein Hund braucht halt manchmal Hilfe in für ihn herausfordernden Situationen, und natürlich kennt er Maulkorb und Medical Training. TA oder Groomer ist nicht verhandelbar und macht er zb toll. Kinder ignoriert er, ich lobe für Blick und bestätige dann viel. Manches geht auch nicht, zb Jahrmarkt, Messe, Innenstadt, oder Fremde, die hier in Abwesenheit ins Haus kommen, zb Stromableser oder Gassigänger etc. Das machen wir dann auch nicht. Aber zb am Spielplatz sitzen und den Kindern mit gutem Abstand zugucken, während Leckerli runterfallen, geht dann wieder ganz gut 