Nun meine Frage: Ging es anderen Kleinhundehalter:innen vielleicht auch mal so und wie habt ihr es geschafft, (wieder) entspannt in Begegnungen mit großen Hunden zu gehen und diese Sorge wegen des Kräfteungleichgewichts abzulegen oder zumindest zu dämpfen? Oder muss man mit diesem mulmigen Gefühl einfach leben?
Und noch eine Frage unter ferner liefen, ist diese Frequenz von Angriffen normal? Muss ich mich darauf jetzt einstellen oder habe ich einfach nur Pech? Ich habe wie gesagt meinen Hund erst knappe 4 Monate und es ist mein erster. Ich bin sehr überrascht, dass einige Hunde nach gerade mal drei Sekunden Beschnuppern in einen direkten Angriff übergehen. Ich dachte, da wird erstmal geknurrt, abgeschnappt etc.
Hier ist es so, dass meine Schäferhündin damals unverträglich war, also gab es keinen Hundekontakt. Meine Leonbergerhündin danach war zu stürmisch und zu groß, da gab es auch nur ausgewählte Kontakte, da hab ich für andere mitgedacht. Als ihr ein Malteser, der hier sein Unwesen treiben durfte, mal derb im Hintern hing, als ich extra abseits absitzen ließ, war es mit der Gleichgültigkeit kleinen Hunden gegenüber vorbei, also auch kein unerwünschter Hundekontakt mehr. Was aber nicht schwer war, weil zu einem 50 Kilo Hund lässt niemand einfach so seinen Hund hinlaufen, und den depperten Malteser hab ich geblockt, weil dessen Besitzerin merkbefreit und anti-autoritär unterwegs war.
Danach hatte ich einen Westie-Dackrlmix, der war schon älter und wollte seine Ruhe. Da musste ich öfter blocken, weil nach meinem Gefühl viele gedacht haben, der ist ja klein und alt und macht nix. Da hat mir geholfen, dass ich vorher schon Erfahrungen gesammelt hatte, um fremde Hunde wegzuschicken, entweder wenn uns kleine Hunde kläffend verfolgt haben oder sogar versucht haben uns zu stellen, oder weil ich meinen Hund vor heranschleichenden oder heranstürmenden Hunden verteidigt hatte.
Oft ging das durch ein deutliches Auftreten, groß machen, den Hund anbrüllen mit "Ab!" Oder "Geh weg!". Der Malteser hat sich mal versucht, auf unseren alten Westiemix zu stürzen, den hat Tochter abgefangen, den Fuß unter den Hundebauch gesteckt und den Hund mit Schwung unversehrt ein Stück weit weg geschoben. Dann ließ er sich wegbrüllen.
Jetzt mit meinem halbhohen Terrier (die oben genannten Hunde von mir sind alle schon verstorben) laufe ich sehr vorausschauend, nehme meinen Hund abgewandt und weiche im Zweifel aus. Sehr selten passt es und ich gehe mit einem fremden Halter und Hund mal ein Stück Gassi. Das spreche ich aber ab. Ohne Absprache passiert hier kein Kontakt, und an meinen Hund kam bisher niemand ran, wenn ich das nicht wollte.
Heute bspw waren mein Mann und ich mit Pferd an der Hand und Hund unterwegs, da kam uns erst eine Reiterin mit schon schleichendem Border entgegen. Ich hab sie schon 2x gesehen und ihr gesagt, sie soll ihren Hund nicht herlassen. Dass mein Hund gespannt wie eine Feder dastand, dürfte auch geholfen haben
der ist nämlich gern ein Rüpel und haut erstmal seine Pfote in anderer Hunde Gesichter. Sie sprang freundlicherweise schnell vom Pferd und ihr Hund lief um mich und den abgeschirmten Hund und Pferd einen Bogen.
Dann kam ein Mann mit freilaufendem Wuschel, ich zu ihm "nicht herlassen bitte!" und sein Hund lief tatsächlich mit größtmöglichen Anstand vorbei.
Vor kurzem hat ein größenwahnsinniger Terrier Scheinangriffe auf das Pferd an der Hand geschoben, der ist knapp an meiner Gerte vorbei gekommen.
Was ich sagen will, ich schließe es nicht aus, dass ich einmal einen Hund nicht weghalten kann, und ich möchte auch nie in die Situation kommen, aber bisher kam keiner an uns ran, wenn ich das nicht wollte (außer der Malteser, den hab ich unterschätzt). Vielleicht leben wir auch wo, wo viele Leute sehr rücksichtsvoll sind. Leine einer an, leint der andere auch an, das ist hier so. Hier wird Kontakt immer abgesprochen. Trifft das nicht zu, nehme ich meinen Hund hinter mich und kläre das.
Letzthin kam ein mir bekannter Hund von hinten an uns ran, die Besitzerin ist speziell und hat uns bewusst ignoriert, sie hatte uns definitiv gesehen, da durfte mein Hund die Situation selbst "klären". Das sah so aus, dass der andere Hund aufdringlich winselnd kurz Nase an Nase kurz kontaktet hat und dann meinem Hund nachging. Meiner hat dann kurz geknurrt, und der andere hat sofort abgedreht.
Vielleicht müsstest du früher reagieren? Nicht erst, wenn der fremde Hund schon da ist, sondern schon viel früher. Den eigenen Hund hinter sich nehmen und aktiv den anderen wegschicken. Und im Zweifel sich auch gegen den fremden Halter behaupten, der natürlich nicht so prickelnd findet, dass sich sein Hasipupsi nicht ausleben darf. Gern woanders, aber nicht mit meinem Hund (wobei, mein Hund würde sich vermutlich auch gern ausleben. Who's laughing now
Aber weil ich nicht will, dass mein Hund Erfolg hat, wenn er das A...Loch raushängen lässt, wird das nicht passieren).
Natürlich geht das nicht mit totaler Entspanntheit bei Hundebegegnung zusammen. Einen Tod muss man vermutlich sterben. Aber gerade wenn ich so ein Butterblümchen als Hund hätte, würde ich ihn um jeden Preis schützen wollen vor schlechten Erfahrungen. Ende des Textes
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