„Der Gesang der Fledermäuse“ wird im Klappentext unter anderem als Kriminalroman bezeichnet (und als „philosophischer Essay, Fabel, literarisches Spiel“), ist aber keiner, und da ich mir das schon dachte und hoffte, habe ich das Buch überhaupt erst gekauft.
Aber erstmal zur Handlung - ohne Spoiler - : Janina Duszejko lebt alleine, mit nur wenigen verstreuten Nachbarn, auf einem Hochplateau an der tschechisch-polnischen Grenze. Sie gilt im Dorf als schrullig bzw. irre, weil ihr zwei Dinge im Leben sehr wichtig sind - Astrologie und Tiere - und sie ihre Meinung willensstark und ausdauernd vertritt. Sie ist beispielsweise überzeugt davon, dass man mit dem Horoskop eines jeden Menschen seinen Todeszeitpunkt und die Todesart bestimmen kann. Als nach und nach in der Umgebung angesehene, aber korrupte Männer (alles Jäger) ermordet werden, ist sie überzeugt, die Tiere rächen sich an den Menschen für die Gräuel, die ihnen tagtäglich angetan werden.
„Spannend“ ist der Roman an sich nicht. Dennoch habe ich ihn verschlungen, weil er sehr atmosphärisch und dabei witzig und sehr genau beobachtend ist. Der harte Winter, den die Ich-Erzählerin Janina beschreibt, ist spürbar. Ich mag es, wenn ich das Gefühl habe, ich stapfe mit der Protagonistin über den eisig gefrorenen Kiesweg zu ihrem Auto und muss erstmal die Scheiben frei kratzen.
Ja, Janina ist schrullig (wenn man ihre Ansicht über Astrologie nicht teilt), aber das Buch macht viel Spaß, strotzt vor Ideen und ist gleichzeitig ernst, traurig und sehr kritisch, es zeigt „wie sehr es unserer Gesellschaft an Respekt mangelt, ob der Natur und den Tieren gegenüber oder jenen Menschen, die am Rande stehen“ (Klappentext).
Also eine deutliche Empfehlung. Ich werde mir wohl bald „Unrast“ von der Autorin zulegen; das ist ja hier eigentlich das bekanntere Buch von ihr.