Beiträge von Zurimor

    Darüber könnte man jetzt durchaus ernsthaft diskutieren, weil sich "unsere Landschaften" in den letzten 200 Jahren dramatisch verändert haben, so dass der Wolf de facto ein Neueinwanderer in einen völlig veränderten Lebensraum ist. Und anstatt da auf auf billigste Art und Weise (nämlich auf Kosten von Tierhaltern) Traumwelten schaffen zu wollen, die einfach nicht mehr existieren können, wäre es an der Zeit, sich mit dem Gedanken anzufreunden, daß die Wölfe einfach nicht überall hinpassen.

    Aber ich denke, wir lassen's einfach - um sich ewig im Kreis zu drehen, ist unser aller Zeit zu kostbar.

    Und? Haben Wölfe deswegen hier kein Existenzrecht mehr? Das ist eine total anthropozentrische Argumentation und Denkweise, und es wäre an der Zeit, sich davon mal zu verabschieden. Man sieht ja, wohin es geführt hat, massives Artensterben, Klimawandel, alles nicht gut.

    Es stünde uns Menschen mehr als gut, selbst mal ein wenig zurückzustecken und sich darauf zu besinnen, das auch wir letztlich nur ein Teil der Umwelt sind und auf diese und ein funktionierendes Ökosystem angewiesen sind. Sonst gibt's uns auch nicht mehr sehr lange. Die Wölfe wird das nicht stören.

    Keine Sorge, auch hier gibt's Wölfe, gar nicht weit entfernt. Sind nur ein paar Kilometer. Ich beschwere mich aber nicht, daß ein Wildtier, das seit mindestens 27000 Jahren in unseren Breiten existierte und hier nur durch menschliche Ausrottung nicht mehr lebte, jetzt wieder durch unsere Landschaften zieht. Sie gehören hier her.

    Sorry, aber ein ewiges Licht neben einem Schafskadaver aufzustellen hat schon was sehr Polemisches. Da bleibt ein ganz übler Beigeschmack. Und "wolfsfreie Dörfer", die meinen doch "wolfsfreies Deutschland" oder mindestens "wolfsfreies Heide" und das wird's nie wieder geben. Anstatt auf billigste Art und Weise Antistimmung machen zu wollen, wäre es an der Zeit, sich mit dem Gedanken anzufreunden, daß die Wölfe wieder hier heimisch sind und auch bleiben werden.

    Dann verhalten sich also alle die Wölfe in Skandinavien total artungewöhnlich, indem sie in ihr Revier eindringende Hunde konsequent attackieren und wenn möglich auch töten?

    Woher weißt du denn, wie viele Hunde unbeschadet aus solchen Situationen rausgekommen sind? Radinger schildert in ihren Büchern viele Beobachtungen, sie hat immerhin etliche Jahre ihres Lebens damit verbracht und das geschilderte Sozialverhalten widerspricht dem "Wölfe töten alles" eklatant. Sie schildert z.B., daß sich überschneidende Reviere gemeinsam genutzt werden. "Ob und in welchem Umfang sie das tun [Heimat verteidigen und beschützen], hängt von vielem ab, insbesondere davon ob es genug Platz und Nahrung gibt und somit verschiedene Wolfsfamilien friedlich nebeneinander leben können. Sich überschneidende Reviere werden gemeinsam genutzt." (S.103, Die Weisheit der Wölfe). Dieser Satz auf der selben Seite bringt es recht gut auf den Punkt, finde ich: "Obwohl sie grundsätzlich versuchen, Konfrontationen zu vermeiden, denn jeder Kampf bedeutet ein Verletzungsrisiko und ist eine Gefahr für die eigene Familie" (geht da um die häufigste Todesursache). Ein paar Seiten später geht es um altruistisches Verhalten. (S. 105).

    Jetzt bestimmte Situationen raus zu suchen wäre bei knapp 300 Seiten recht aufwändig, falls es dich wirklich interessiert, kann ich das Buch aber empfehlen. Das Bild, das in der breiten Öffentlichkeit vom Sozialverhalten von Wölfen besteht, stimmt so zumindest nicht. Es sind sehr soziale und auch opportunistische Tiere.

    Auf meiner Liste für Hundebücher steht übrigens noch "Wölfisch für Hundehalter" von Radinger/Bloch (wobei ich den Bloch was den Umgang mit Hunden angeht absolut nicht empfehlen würde, hab hier noch "Der Wolf im Hundepelz" vom Bloch, was der da so an "Erziehungsmethoden" gut findet, owei, owei. Aber ich zähl drauf, daß die Radinger in der Hinsicht gegensteuert, dürfte zumindest interessant sein).

    Hängt vermutlich auch mit der Größe des Hundes zusammen, laut deinem Profilbild hast du kleinere Hunde, die dürften weniger Kraft entwickeln als ein Schlittenhund, die Hebelverhältnisse sind auch anders. Keine Ahnung wie deine Erfahrungen mit größeren Hunden sind, aber tendenziell würde ich schon sagen je größer der Hund desto eher kann's auch mal Macken geben und sei es durch eine Kralle.

    Zitat

    das kann weh tun und Macken geben, ist aber erstmal völlig normal.

    Nein, das ist es eben nicht. In keiner Weise, wenn man von Unfällen mal absieht.

    Das hatten wir hier auch bei mehreren Würfen nicht, ganz ohne dass die Kleinen "kuschen" , "sich ergeben" oder sonstwas Schreckliches mußten (mal abgesehen davon, dass sowas jungen Terriern eh nicht so besonders liegt). Sie mußten nichts weiter tun als das, was ihnen ihre Mutter von Anfang an beibrachte, auf uns übertragen - das war einfach das ganz normale Lernen im Miteinander: Es gibt Dinge, die gehen, und es gibt Dinge, die gehen nicht. Ganz selbstverständlich, ohne großes "oben" und "unten".

    Wir hatten wirklich regelmäßig Hosenbeine und Schuhe voller Haizähnchen und schüttelnder, knurrender kleiner Ungeheuer, und das war völlig OK, lustig und normales Spiel - aber "Macken" in menschlicher Haut waren ein ebenso absolutes Tabu wie es Macken in der Hündin gewesen wären.

    Kommt drauf an, wie man mit seinem Hund umgeht, hier durften Hände und Arme immer ins Maul genommen werden. Ist auch heute noch der Fall, inzwischen hat Hund aber gelernt, wie fest er zupacken kann und ist da sehr vorsichtig. Genau das muß ein Hund erst lernen, daß Menschenhaut empfindlicher ist als Hundehaut.

    Blöde Frage, verscheucht der Wolf den Hund nicht eher?

    Gibt es diese Option beim Wolf überhaupt? Ist eine reine Interesse-Frage.

    Mein Stand ist der, dass Wölfe innerartliche Konkurrenz eher ausschalten. Deshalb ist es ja so schwierig für Jungwölfe, abzuwandern, wenn ihr Heimat-Rudel von zig anderen Rudeln umgeben ist.

    Klar gibt es die Option, verscheuchen ist doch genug, wenn damit der Zweck erreicht ist, unnötiges Verfolgen und Töten wäre Energieverschwendung, natürlich gibt's auch Wölfe, die schneller kurzen Prozeß machen. Es kommt auch immer wieder vor, daß Wölfe sich anderen Rudeln anschließen oder Wölfinnen/Rüden sich gezielt mit nicht zum Rudeln gehörenden Wölfen paaren, die bleiben nicht nur unter sich, dann wäre die genetische Vielfalt ganz schnell dahin.

    Ich finde schon die Erwartungshaltung, daß der Hund "kuschen" soll (lt. Duden aufgrund von Machtlosigkeit, Unterlegenheit sich nicht wehren, sondern still sein, sich beugen, [den Widerstand] aufgeben, sich ergeben, sich fügen) völlig falsch. Es soll doch ein Miteinander sein, kein "ich hier oben, du da unten". Mich wundert auch, daß Welpenhalter immer wieder überrascht sind, wenn der Welpe zwickt oder beißt, überall kann man doch lesen, daß Hunde Beißhemmung (gegenüber Menschen, gegenüber Hunden sollte ein sozialisierter Hund das weitgehend schon gelernt haben, die haben aber dickere, weniger empfindliche Haut und da kann Hund fester zupacken) erst erlernen müssen, heißt im Klartext ein Welpe beißt und zwickt, das kann weh tun und Macken geben, ist aber erstmal völlig normal. Welpenhaltung ist anstrengend, helfen kann da ein "vorsichtig" beibringen, Umlenken auf Zerrspielzeug, etc.

    Für mich liest sich das eher nach zu wenig Auslastung, aber die falsche. Lieber längere ruhige Spaziergängen als Kommandos trainieren und Daueraction, beobachten, schnüffeln, Pausen machen. Natürlich soll ein Hund auch mal rumtoben können, aber unbedingt vermeiden eine Erwartungshaltung "jetzt gibt's Action, Action, Action" aufzubauen, grad bei einer ohnehin reizoffenen Rasse.

    Ich hab da ehrlich meine Zweifel, ob der Junghund paßt, könnte, dafür müßtet ihr aber um 180 Grad umdenken, ein Junghund ist nicht respektlos, provokativ oder findet es witzig rausgeschmissen zu werden und braucht auch kein Anblaffen, am Schlaffitchen packen oder Ausschimpfen. Und die Ansprüche und Erwartungshaltung ganz massiv runterfahren, ihr habt da einen völlig normalen Junghund.

    In diesen Ländern nehmen die Menschen das aber auch nicht einfach hin sondern warten das nächste Mal mit dem Gewehr auf den Wolf.

    Für viele sind diese "Nutztiere" Liebhabertiere mit dem selben Stellenwert wie unsere Hunde für uns.

    Ändert für mich nichts daran, daß auch der gelegentliche Verlust einiger Tiere normal ist und für sich genommen kein Problem, sondern der Lauf der Dinge.

    Ich könnte jetzt wieder auf Taubenzüchter, Fischzüchter, die meisten anderen Regionen dieser Welt verweisen, aber ich spar es mir. :)