Beiträge von wow...

    Du bist dazu gekommen und hast als hundeunerfahrene Person wohl so unsicher gewirkt und dem Herrn Hund vielleicht so viele Frechheiten von Anfang an durchgehen lassen (das soll kein Vorwurf sein, du wusstest es ja nicht anders), dass er komplett Oberwasser bekommen hat (schon zb die Futtersituation).

    So von Ferne würde ich was Anderes mutmassen (Achtung nur eine Vermutung anhand des Geschriebenen- aber eben eine Andere, es gibt da mehrere mögliche Erklärungen :/ )- "unsicher gewirkt", ja- auf jeden Fall. Aber mit anderer Konequenz, er meint deshalb nicht, er könne sich alle möglichen Frechheiten erlauben, sondern er versucht, zuhause für Sicherheit und Ordnung zu sorgen, wenn Herrchen nicht da ist.
    Er sieht sich quasi als Stellvertreter, weil er dir das nicht zutraut. :ka: Die Liegeplätze sucht er auf, weil es da am meisten nach Herrchen riecht und er ihn dort wieder erwartet
    Jetzt ist es aber mehr als zu leicht zu sagen "dann sei doch einfach souveräner". Ziemlich mies von deinem Freund, die Verunsicherung wird doch nur immer schlimmer.
    Fürs Erste: Fremdbetreuung ausser Haus.
    Guter Trainer wäre gut.
    Auch wäre wahrscheinlich gut, wenn du in Begleitung deines Freundes bindungsaufbauende schöne gemeinsame Sachen mit ihm machst- wie Clickern usw. Mutmassungen- ja, aber fürs Erste sind die wahrscheinlich gar nicht so schlecht, um die Sache mal aus verschiedenen Perspektiven anzuschauen- es gibt viele mögliche Erklärungen , aber auch viele möglichen Wege mit Training dagegen vorzugehen.

    Hm, da bin ich dann doch ganz oldschool. Ich lasse Kinder in dem Alter imGarten nicht unbeaufsichtigt, die könnten sich allein schon irgendwas Giftiges reinschmeissen.
    Wenn da Nachbarshunde sind, lasse ich das erst recht nicht unbeaufsichtigt. Ich weiss, dass Kinder in dem Alter grosses Interesse an jedem Tier haben und wie klein Kinderhände sind , ausserdem würde ich sichergehen wollen, dass das Kind die Hunde nicht unabsichtlich (absichtlich erst recht nicht :muede: ) ärgert.

    Wir hatten das mal, dass ein grosser netter Hund auf einmal im Garten stand. Der schien Türklinken aufmachen zu können. Dass es ein netter Hund war, sah man eigentlich gleich, trotzdem war er meinem dreijährigen Kind etwas zu gross, so vor ihm stehend und naja :???: - sicher kann man sich nie bei einem völlig fremden Hund sein. Da war ich dann schon ganz froh, dass ich nichts unbeaufsichtigt lasse und hab' die Angst umgelenkt in ein "Komm' wir gucken mal, ob wir was Leckeres für den haben" (bevor er ins Tierheim gebracht wurde).

    Die Trainerin hat dann in reizarmer Umgebung, am Übungsplatz und natürlich gut gesichert Hunde in ganz weiter Ferne vorbeigehen lassen, die wir ihm dann praktisch "ankündigen" sollten und ihm als Alternativverhalten ein "Sitz und nur mir in die Augen sehen" anbieten.

    Da wollte ich nochmal was zu sagen- ob das auf euren Hund so anwendbar ist, muss man vor Ort beurteilen , aber ganz generell ist es vorteilhafter

    -wenn der Trainingsort schon rein positiv verknüpft wurde (also nicht gleich mit Hundesichtung anfangen)
    und
    -wenn das Alternativverhalten Abstand schafft. Klassiker ist da Bogenlaufen:
    Vorteil
    Man schafft aktiv Abstand zum Auslöser, man tut was, man wartet nicht, bis der Feind naht, sondern schafft Sicherheit durch Abstand. Man bringt dem Hund bei, dass das so IMMER klappt und kann in Bewegung umlenken, was wiederum besser gegen den Stress wirkt.
    Gehorsam "untätig" Abwarten ist in dem Stadium etwas viel verlangt - mit Bogenlaufen lernt er ( entweder neu oder wieder) eine effektive Strategie- Ausweichen.
    Nur als Anregung, Sitzen und Halter angucken liegt vielen Hunden nicht besonders, bei traumatisierten ist es meist die schlechtere Wahl.

    Gründe für ein solches Verhalten können mehrere sein. Bei uns ist es der sehr stark ausgeprägte Schutztrieb. Es kann aber auch Unsicherheit oder gar Angst sein, was einen Hund so reagieren lässt.

    Wenn es mit "Beachtet werden" zusammenhängt ist es meiner Erfahrung nach meist Angst oder Unsicherheit. Bei starkem Beschützerinstinkt reagiert der Hund eher auf ungewöhnliches Verhalten, Geruch, ruckartige Bewegungen, Seltsamkeit, direktes auf EInen zu rennen, da wo Leute das üblicherweise nicht machen (Joggingstrecken werden anders gewertet) und so weiter. Ein freundliches Lächeln signalisiert Harmlosigkeit und bewirkt eher, dass Hund nicht auslöst.
    Aber es gibt natürlich auch unsichere Hunde mit starkem Beschützerinstinkt oder welche, die Fremde nicht nach Gefährlichkeit einstufen, sondern alles Fremde nicht leiden können. ;)

    Schon wieder so ein Quatsch...passives Demutsverhalten ist Normalverhalten unter Caniden...

    Für eine Demutsgeste muss der Hund doch nicht die Kehle hinhalten. :???: Kopf runter, Fieplaut und sich klein machen erfüllt denselben Zweck und bedeutet eben nicht, die Kehle riskieren zu müssen.
    Keiner meiner Hunde hat sich jenseits des Welpenalters jemals auf den Rücken gelegt und seine Kehle hingehalten, bei einem angreifenden Hund sowieso nicht. Hätte der Welpe das gemacht anstatt vor dem Schnauzermix in ein sicheres Versteck zu flüchten, hätte ich keinen Welpen mehr gehabt.
    Hätte der Junghund seine Kehle hingehalten beim Beschädigungsangriff hätte ich keinen Junghund mehr gehabt.
    Nur weil instinktiv gecheckt wurde, dass das bei den zwei Hunden eine saublöde Idee gewesen wäre, konnte ich rechtzeitig intervenieren.
    Dieses unreflektierte Hinschmeissen mit Kehle hinhalten halte ich für hypertrophiertes Verhalten- der Hund ist nicht mehr in der Lage, sein Gegenüber adäquat einzuschätzen.

    Ist so ähnlich wie mit einem Jagdhund, der plötzlich ein Erfolgserlebnis hatte und ein Wild erwischt hat.

    Nein, ich würde das gar nicht vergleichen. Das RAGE System unterscheidet sich grundsätzlich vom SEEKING System, der Hund will nicht Beute machen, er will einen potentiell tödlichen Rivalen bekämpfen. Wie du schon selber erwähntest nutzt er immerhin aggressive Kommunikation. Das lässt sich wenigstens rechtzeitiger managen als ein Staff, der Artgenossen als Beute sieht.

    Acht Wochen ist nicht viel, wer dann schon anfängt von "Gehen Lassen usw." taugt in meinen Augen wenig. Das ist eine Sache von Jahren an Desensibiliserungsarbeit. Hund sicher!sichern!sichern!
    Mit neuem kompetenten Trainer neu mit Kilometerabstand anfangen und kleinschrittigst vorgehen, wenn ihr es schafft, dass er im 20m Radius an der Leine vorbeigehen kann, könnt ihr feiern!

    Wir waren bereits bei 2 verschiedenen Trainern. Der erste Trainer hat viel mit positiver Verstärkung gearbeitet, was normalerweise auch immer unsere Weise war. Er hat es mit zeigen und benennen versucht. Henry hat das jedoch zum Anlass genommen noch früher eine Warnung "Vorsicht Hund" zu bekommen. Sobald wir ihm das Zeichen für "Hund" gegeben haben ist er ausgerastet und es war nicht einmal mehr möglich ihm das ganze irgendwie positiv zu vermitteln, da er einfach so in Rage verfällt.

    Wie lange habt ihr das versucht - unter welchen Bedingungen, mit welchem Auslöserabstand und welchem Alternativverhalten? Wie habt ihr belohnt, bzw. ab welchem Radius nimmt er z.B. Futter noch an?

    Nochmal der Vergleich zum Kind:
    Ein Kind kann man fragen, ob es will- es kann dir auch erzählen was da wie lief (das kann auch schon ein Kind mit zwei in Ansätzen).
    Ein weiterer Grund: für den Hund ist es ein Zustand, den seine komplette Lebensdauer betrifft, für das Kind ist es eine Entwicklungsphase unter vielen.