Mal als Gedankenanstoß - In der Arbeit lass ich ab und an alle Mitarbeiter/Spaziergänger, die mit den Hunden arbeiten, eine kleine Beschreibung über den Hund erstellen. Wie sie ihn wahrnehmen, was er gut/schlecht macht und was sie so über ihn denken.
Das ist alles der gleiche Hund:
"Er baut schwer Bindung zu Menschen auf und ohne Futter geht bei ihm gar nichts, da tut er was er will. Spazierengehen ist an guten Tagen, wo er nicht die Leine schreddern will, ok, aber er pöbelt extrem bei anderen Hunden, aber nicht so dass man einen Maulkorb braucht. Nach den ersten Metern geht er aber recht brav an der Leine. Ich hole ihn nicht gern aus dem Auslauf, weil er dann so überdreht, vorallem wenn er nicht allein drin ist. Mit anderen Hunden ist er aber nett"
"Seit der den Maulkorb brav trägt, ist spazieren gehen echt ok, er pöbelt auch weniger und fast nur mehr wenn man echt nicht ausweichen kann und die anderen Hundebesitzer Idioten sind. Aus dem Auslauf holen ist schrecklich und ohne Spielzeug unmöglich. Bei Futter muss man auch aufpassen, da ist er sehr grob. Ich finde nicht wirklich einen Draht zu ihm, aber er ist nicht mehr so ungut wie früher und man kann ihn jetzt wenigstens streicheln"
"Er bellt immer so viel und Geschirr anziehen ist alleine nicht möglich und er muss auch immer ein Spielzeug herumtragen beim Gassi, sonst ist er nicht zum Aushalten und zieht wie ein Irrer. Bei Futter ist er ok, aber wenn man Spielzeug hat, muss man wirklich aufpassen, dann springt er einem ins Gesicht."
"Beim Spazieren ist er total brav, pöbelt nicht, wenn man ihm sagt, dass er nicht soll und zieht nur am Anfang ein bissal an der Leine. Er spielt richtig schön, kann schön trennen und macht echt Spaß. Er fährt auch schnell wieder runter, wenn man ihm dabei hilft. Er braucht viel schwarz/weiß, dann ist er ein super Hund, der echt Spaß macht und ein tolles Sozialverhalten hat."
"Ich geh sooo gern mit ihm spazieren, am Anfang freut er sich immer so und bellt, aber wenn wir dann ein Stück gehen ist er total brav und im Kaffeehaus schläft er mittlerweile sogar. Und er nimmt Leckerlis total vorsichtig, da muss man nie Angst haben, dass die Hand dazwischen ist. Nur beim Ball muss man aufpassen, den gibt er nicht mehr her und knurrt dann auch"
"Also mir ist er ja zu wild, man kann ihn kaum halten, da macht Gassi gar keinen Spaß. Und das Gebelle die ganze Zeit, kaum taucht ein Hund auf. Schrecklich, aber er kann ja nix dafür"
Keiner der Menschen ist komplett unfähig und der Hund hat auch keine multiplen Persönlichkeiten, oft ändert die eigene Wahrnehmung oder unbewusste Erwartungshaltung auch schon viel. Und das ist keine Kritik, das ist einfach so. Und ja, vielleicht wär der als teilweise anstrengend empfundene Hund X von User Y bei User Z ein superduper entspanntes Easy-Going Exemplar, während User I das Tier nach der ersten Stunde in den Fleischwolf schicken würde weil unaushaltbar.
Nicht jeder kann mit jedem Hundetyp gleich gut, nicht jedem liegt jeder Charakter gleich gut und gerade als Anfänger kann man auch einfach nicht wissen, dass man lieber und besser mit dem arschigen Egobomber diskutiert als jeden Tag aufs Neue das sensible Blümchen aufzubauen. Aber ich finde es hilft sehr, wenn man sich auch überlegt, was man schon gemeinsam mit dem Hund geschafft hat - Er kann entspannt Bahn fahren? Oder bleibt problemlos alleine? Super!
Und ja, nicht jeder Hund kann alles (gleich schnell oder überhaupt) lernen, aber jeder Hund hat tolle Seiten, auch wenn man sie manchmal suchen muss.
Und es wird auch immer irgendwo einen Hund + Halter geben, der alles besser kann als der eigene Hund, aber es gibt auch genug Hunde, die nicht Mal die Hälfte können.