Nachtrag, da vergessen:
'Das Lächeln der Fortuna' ist nun Vergangenheit. Ich habe es heute Abend beenden können.
Und wie ist mein Fazit?
Ich mochte es sehr. Es ist ein Buch zum drin versinken, zum anschaulichen Lernen der Geschichte Englands, der Schreibstil ist sehr schön und sehr flüssig und die 1000+ Seiten ziehen sich nicht, es gibt auch bemerkenswert wenig Längen. Was mir besonders gefiel: Die Autorin verzichtet darauf, Schlachten detailgenau über etliche Seiten hinweg zu beschreiben, sowas finde ich immer nervtötend und uninteressant.
Ich muss allerdings sagen, ich finde jetzt nicht, dass das Buch bombastisch war. Den Hype kann ich nicht so ganz nachvollziehen. Die Charaktere blieben mir ein bißchen zu eindimensional und einfach gestrickt- a la 'die Frau ist hübsch, die heirate ich', und mit dem Hauptprotagonisten ging es mir auch einfach alles zu glatt. Soviel Glück kann ein Mensch eigentlich nicht haben. Es gab auch durchaus interessante Charaktere, aber diese blieben leider relativ unwichtig und spielten nur am Rande eine Rolle.
Im direkten Vergleich zu Tracy Chevalier war das schon ein Sprung ins kalte Wasser. Gerade von der Tiefe der Charaktere her. Man merkt da deutlich die unterschiedlichen Prioritäten (Charakterentwicklung, die durch den historischen Rahmen bestimmt wird gegen historische Fakten, die einen Rahmen bekommen sollen, indem eine fiktive Familie eingeführt wird).
Mir fehlte ein wenig eine tiefere Ebene, wie die sinnliche Beschreibung der Künste beim Perlenohrring oder auch der Priesterinnendienst und der Glaube an die Göttin in die Nebel von Avalon.
'Das Lächeln der Fortuna' geht nicht in die Tiefe, bleibt auf einer locker flockigen Ebene, auf der Geschichte vermittelt wird. Aber wenn man weiß was man bekommt und worauf man sich einlässt, ist es super. Ich habe noch nie so gerne von Gesichte gelesen.
Und den zweiten Teil der Waringham Saga habe ich mir bereits bestellt. Es ist leichte Lektüre zum Wegschlabbern, die einen emotional kaum berührt (mich zumindest nicht). Aber- tut es. Für kalte eklige Winterabende spannende, nette Lektüre.