Beiträge von Billi

    Vielen vielen Dank für eure Antworten! Das hilft mir wirklich schon ungemein weiter, auch wenn mir jetzt natürlich erstmal der Kopf raucht. Ich glaub, ich habe wesentlich mehr zu lernen, als der Hund!

    Bei uns angekommen ist der Hund schon. Das hat man richtig gemerkt. Anfangs hat er ja noch Angst vor uns gehabt und ist jedes mal zusammengezuckt und hat beschwichtigt, wenn wir eine falsche Bewegung gemacht haben. Das hat dann irgendwann ziemlich spontan aufgehört, zeitgleich haben auch die Macken angefangen.

    In den ersten Wochen hat er sich nämlich weder für Autos noch für andere Hunde interessiert. Selbst entgegenkommende Leinenpöbler hat er total ignoriert. Man, war das eine schöne Zeit! Wenn ich nicht wüsste, dass er die Macken schon bei den Vorbesitzern sehr ausgeprägt gezeigt hat, hätte ich ja schwören können, dass wir ihm das Verhalten versehentlich antrainiert haben. Trotzdem oder gerade deswegen verstehe ich seine Motivation dahinter nicht.

    Bei Autos zum Beispiel - Thema Angst oder Aggression: Wenn richtig viele Autos vorbei fahren, schaut er hinterher und beschwichtigt oder drückt sich, falls vorhanden, an der Häuserwand lang und beschwichtigt ebenfalls. Das würde ja für Angst sprechen. Auch das panische Schreien, wenn zum Beispiel die Nachbarin wie auf der Rennstrecke mit wenigen Zentimetern Abstand an uns vorbei rast und kurz hinter uns noch extra beschleunigt (da hab ich selbst Schiss).

    Wenn uns aber allein auf weiter Flur ein Auto entgegen kommt, dann ist er entweder so mit Schnüffeln beschäftigt, sodass er weder das Auto noch eine Belohnung meinerseits registriert, oder aber er spitzt die Ohren, fixiert, zieht manchmal noch die Lefzen hoch und schießt los, sobald das Auto vorbeifährt. Da ist kein Zeichen von Angst zu sehen. Ich weiß auch, dass er bei den Vorbesitzern im Garten gerne die Autos am Zaun entlang gejagt hat. Also: Auto kommt, Hund rennt zum Zaun und kläfft, Auto fährt vorbei, Hund rennt ums Haus rum (steht in ner Kurve) und kläfft das Auto im Vorbeifahren nochmal an. So ähnliche Situationen habe ich mit ihm auch öfter. Da scheint es ihm richtig Spaß zu machen, den Autos aufzulauern und dann hinterherzujagen. (Ich lasse ihn natürlich nicht)

    Das Verhalten finde ich irgendwie total widersprüchlich. :verzweifelt: Hat er nun Angst oder jagt er Autos, weil es ihm Spaß macht bzw. er sich das bei den Vorbesitzern im Garten so angewöhnt hat? Und warum hat er das alles in der Anfangszeit nicht gezeigt? Wenn er Angst vor Autos und anderen Hunden hat, hätte man das da doch auch schon merken müssen, oder? :ka:

    Rasse wird in meinem nächsten Thread verraten ;-) Es haben sich nämlich nun noch viele Fragen zur Erziehung aufgetan, darum habe ich an der entsprechenden Stelle jetzt nochmal etwas verfasst. Der Kerl ist für mich schon eine richtige Herausforderung! Aber wir haben ihn beide liebgewonnen und hoffen nun nur noch, dass wir uns mit seiner jetzigen Besitzerin vernünftig einigen können, was die Übergabe angeht.

    Hallo ihr Lieben,

    nachdem mein Lebensgefährte und ich vor ca. drei Monaten relativ spontan einen Hund aufgenommen haben und er nun bleiben soll, habe ich als Hundeneuling gaaaaanz viele Fragen zum Thema Erziehung. Es handelt sich bei dem Hund um einen 2,5-jährigen Spitzrüden, der schon viel Mist erlebt hat. Er ist ein ganz liebes Tierchen, aber leider eben auch kein unbeschriebenes Blatt mehr. Wir wären dann die vierten Besitzer.

    Neben so verschiedenen kleinen Problemchen haben sich nach und nach mehrere größere herauskristallisiert: Er hat eine ausgeprägte Leinenaggression Artgenossen gegenüber. Er jagt Vögel und Geflügel, wenn er nicht ausgelastet ist. Bei Katzen rastet er draußen total aus und will in jedem Fall uuuuuunbedingt hinterher. Wir haben ein großes, nicht komplett einzäunbares Grundstück, auf dem sowohl unser Geflügel als auch unsere Katze frei herumläuft. Im Garten muss also meist die Schleppleine dran. Ohne Leine geht er auch ganz gerne alleine auf Wanderschaft. Ich habe auf Empfehlung das Buch „Antijagdtraining“ von Pia Gröning gekauft und gelesen und versuche im Moment, das Geschriebene umzusetzen. Der Hund ist sehr selbstständig und achtet von sich aus nur wenig auf uns. Hier eine höhere Aufmerksamkeit zu erreichen, ist im Moment mein größtes Ziel. Ich kann auch schon den einen oder anderen winzigen Erfolg verbuchen.

    Trotzdem weiß ich manchmal gar nicht, wo ich mit dem Training anfangen soll: die Leinenaggression, das Jagen oder erstmal Grundgehorsam? Im Moment liegt mein Hauptaugenmerk auf den Autos, weil das für alle Beteiligten die gefährlichste Macke ist. Unser Hundetrainer hat gesagt, wir sollen uns einen ruhigen Feldweg suchen, von dem aus man auf eine Straße blicken kann und uns in einem Abstand, in dem der Hund noch ruhig und entspannt ist, die Autos schön klickern und den Abstand immer weiter verringern. Das habe ich versucht, aber komischerweise ist der Hund auf ruhigen Feldwegen wesentlich schlechter auf Autos zu sprechen als mitten in der Stadt. Ich klickere jetzt also an Kreuzungen die Autos schön und versuche mich langsam an die Feldwege ranzutasten. Nur kann ich leider nur meinen Hund erziehen, nicht aber die Autofahrer. Wir haben hier ein paar Spezialisten, die es lustig finden, uns in ruhigen Nebenstraßen direkt anzuhupen, damit der Hund austickt. Eine ignorante Nachbarin fährt aus Prinzip so aggressiv, dass selbst ich Angst bekomme und der Hund dann nicht nur kläfft, sondern richtig panisch schreit. Und bei den Abendrunden treffen wir dann oft auch noch auf Jugendliche, die so richtig schön mit quietschenden Reifen durch die leeren Straßen pfeifen. Ich nehme an, dass aus genau diesem Grund der Hund an belebten Straßen nicht so schlimm auf Autos reagiert, weil die Spinner sich da aufgrund des Verkehrs zurückhalten müssen. Aber ist nicht jedes dieser Erlebnisse wieder ein riesiger Rückschritt? Müsste ich solche Situationen meiden? Der Hundetrainer sagte, ich soll, wenn ich merke, der Hund ist nicht mehr ansprechbar, einfach mit ihm ins Feld reinlatschen, Hauptsache weg vom Auslöser. Aber das kann ich in der Stadt nicht machen, da sind Zäune und Mauern im Weg, also bleibt nur Hund festhalten und hoffen, dass der Reiz schnell weg ist. Sollte ich hier vielleicht anders anfangen und mich wirklich erstmal auf Feldwege schlagen? In der Stadt funktioniert es schon sehr gut, nur der Weg dahin und wieder zurück ist oft ein Spießrutenlauf.

    Da sind dann nämlich auch noch die anderen Hunde. Wie reagiere ich richtig, wenn meiner an der Leine total austickt? Im Prinzip würde ich es ähnlich angehen wie mit den Autos, aber auch den anderen Hunden kann ich nicht immer ausweichen. Beim letzten unausweichlichen Hundekontakt habe ich ihn immer wieder belohnt, wenn er auf Ansprache zu mir geguckt hat. Als der andere Hund dann aber an uns vorbei lief, hat er auf nichts mehr reagiert, ist explodiert und hat sich volle Kanne in die Leine geschmissen. Ich habe ihn mir dann mehr oder weniger unter den Arm geklemmt. Also ich hab ihn nicht hochgenommen oder so, sondern bin runter und hab ihn so halb umarmt und dann war er auch sofort wieder ruhig. Dann bin ich mit ihm zügig in die andere Richtung weitergegangen. Was anderes ist mir in dem Moment nicht eingefallen. War das richtig oder hätte ich anders reagieren müssen? Es ist übrigens vollkommen egal, ob der andere Hund groß oder klein, Rüde oder Hündin ist. Nur Hunde, die er schon kennt und mag, kläfft er nicht an.

    Wegen dem Grundgehorsam war ich jetzt auch schon einmal in der Hundeschule. Das kann ich aber erst weiter verfolgen, sobald der Hund uns auch offiziell gehört und ich Impfpass und Versicherungsnachweis habe. Der erste Versuch war aber schon eine halbe Katastrophe. Der Hund kennt ja keine Hundeschule und von den ganzen anderen Hunden war er total wuschig, hat kaum reagiert und zum Schluss nur noch gekläfft und an der Leine gezogen. Ich war fix und fertig nach der Stunde! Ist das überhaupt eine gute Idee, mit dem jetzigen Erziehungsstand in die Hundeschule zu gehen oder sollte ich erstmal für mich allein bzw. mit unserem Hundetrainer in Einzelstunden an Aufmerksamkeit und Leinenaggression arbeiten (die Hundeschule, in der er arbeitet, ist leider für regelmäßiges Training viel zu weit weg)?

    Soooo, ich melde mich mal wieder zurück und hoffe, ihr hattet schöne Weihnachtsfeiertage! Bei uns ist die Entscheidung inzwischen gefallen und ich wollte sie euch nach der guten Beratung nicht vorenthalten: Das Hundchen darf bleiben! :hurra: Keiner von uns kann sich nach den letzten inzwischen ja schon bald drei Monaten vorstellen, den Kerl wieder abzugeben. Klar, es gibt noch viel zu tun, aber ich bin eigentlich ganz zuversichtlich, auch wenn ich den kleinen Krawallmeister regelmäßig mit Aussetzen oder Tierheim (natürlich im Spaß!) drohe, weil das Gassi-Gehen mit ihm schon manchmal echt peinlich sein kann.
    Im neuen Jahr soll dann die Übergabe der Papiere stattfinden. Vielleicht komme ich da nochmal auf eure Hilfe zurück, denn da habe ich noch etwas Bauchschmerzen. Das aktuelle Frauchen hat mit dem Hund zuchttechnisch noch ein paar Pläne und setzt nun mit ihrem Anwalt zusammen einen Schutzvertrag auf, um sich entsprechend abzusichern. Und bei solchem Papierkram verstehe ich ja generell nur Bahnhof!

    Vielen vielen lieben Dank für eure Antworten! Gerade die gegensätzlichen Meinungen haben mir wirklich sehr weitergeholfen. Kennt ihr das, wenn man selbst nicht so richtig weiß, was man will, und jemand macht einen Vorschlag und plötzlich rebelliert es im Inneren und alles sträubt sich gegen diese Möglichkeit, obwohl man sie vorher selbst in Erwägung gezogen hat? So ging es mir, als ich die Meinungen gegen den Hund gelesen habe. Das ist natürlich auch wieder nur ein Bauchgefühl und das hat sowieso schon "ja" zum Hund gesagt. Aber was ich hier so pro Hund gelesen habe, war jetzt auch nicht total unvernünftig, finde ich. ;)

    Gerade nach dem heutigen Tag bin ich auch wieder wesentlich optimistischer, dass das Ganze zu schaffen ist, wenn man es wirklich will. Ich war nämlich mit einer Bekannten und ihrer Hündin Gassi (war eher zufällig, ich wusste gar nicht, dass sie einen Hund hat). Sie ist in einer ziemlich ähnlichen Situation wie ich, nur die Hündin (Border Collie x Schäferhund) ist noch dazu sehr jung und total aufgedreht, also suuuuuuper anstrengend. Da ist mein Pflegehund das reinste Engelchen dagegen. Meine Bekannte hat mir viel Mut gemacht, obwohl sie selbst ziemlich verzweifelt ist. Nächste Woche schaue ich mir mal ihre Hundeschule an, um eventuell dort (je nach Trainingsmethode) den Grundgehorsam zu festigen und einen regelmäßigen Termin auch mit anderen Hunden zu haben. Und dann wollen wir uns auch noch ab und an treffen, um die Vierbeiner einfach nur toben zu lassen. Das hat ihnen heute echt gut getan! Ich habe also einen Plan, wo vorher mehr wirres Chaos war, deswegen wohl auch mein plötzlicher Optimismus. Ich hoffe, der ist nicht allzu flüchtig!

    Heute war er aber auch sooo brav.
    Er hat oft auf mich geachtet, hat mir beim Enten-Reintreiben geholfen, total begeistert und richtig gut Tricks gemacht, darüber könnt ich glatt vergessen, dass er vorher mal kurz total auf Durchzug geschaltet hat, um vor dem Grundstück seine Markierungen aufzufrischen. :muede:

    Ich tendiere also mehr als vorher zum "ja", werde mir aber trotzdem noch Zeit für die entgültige Entscheidung lassen. Morgen ist schließlich Montag und da sieht die Welt vermutlich wieder ganz anders aus! xD

    Vielen Dank für eure Meinungen! Also finanziell ist alles abgesichert, auch wenn wir einen Lottogewinn wirklich gut gebrauchen könnten. Auch was den Urlaub betrifft haben wir einen Plan B. Gemeinsam sind wir in den letzten 10 Jahren sowieso noch nie weggefahren, höchstens mal übers Wochenende. Und wenn ich mal länger Urlaub habe, fahre ich meist alleine zu meiner Familie in die Großstadt. Da kann der Hund zwar nicht mitkommen, aber mein Lebensgefährte würde ihn in dieser Zeit nehmen bzw. hat das auch schon eine Woche getan, weil die Übernahme so spontan und mein Urlaub schon gebucht war. Er ist auch total vernarrt in den Hund, hat aber eben nicht wirklich Zeit und nimmt ihn nur, solange er im Büro keine Probleme macht (und bis auf einmal Durchfall gabs da auch noch kein Problem). Plan B wäre, dass er zu den Verwandten seines jetzigen Frauchens geht. Dort hat er auch schon mal vorübergehend gelebt, aber sie haben schon zwei Hündinnen und drei Hunde sind ihnen auf Dauer zu viel. Zur Pflege würden sie ihn aber jederzeit wieder aufnehmen.

    Nur der Alltag... Also 4 Stunden pro Tag wie am Anfang geschrieben wurde habe ich definitiv aktiv keine Zeit für den Hund, nur am Wochenende. Da dreht sich inzwischen wirklich alles um ihn, alles andere wird außenrum gepackt. Unter der Woche muss er mit der einen Stunde Gassi Vorlieb nehmen und mir ansonsten schnöde bei der Arbeit am PC zuschauen. Na ja, und zwischendurch halt noch zwei kurze Pinkelpausen und so gut wie jeden Tag eine Runde Kommandos und Tricks üben (Sitz, Platz, Hier, Bleib, "Peng", Pfötchen, Rolle etc. pp.). Da macht er immer begeistert mit und lernt auch echt schnell. Ruhe lernen muss er auch nicht, der ist wie die Katze und schläft fast den ganzen Tag. Im Haus und Büro merkt man oft gar nicht, dass er da ist. Stundenweise alleine bleiben kann er auch, muss er aber nur selten. Draußen dreht er dann aber natürlich auf, da kann ich ihm leider nicht so viel Action bieten, wie ich gerne würde.

    Das mit dem Trauma hört sich jetzt vielleicht schlimmer an als es ist (obwohl es ja schon schlimm genug ist). Er ist kein Hund, der draußen nur mit eingekniffener Rute rumläuft oder so, eigentlich ist er sogar relativ selbstbewusst und hat oft eine ziemlich große Klappe (aber wenig dahinter). Säge, Bagger und andere laute Dinge rund ums Haus machen ihm nichts aus, aber man merkt genau, mit was er schon schlechte Erfahrungen gemacht hat. Autos machen ihm Angst und da will er auch hinterher. Manche Männer machen ihm Angst, da knurrt er (und einen hat er bei den Vorbesitzern auch schon gebissen). Auch bei der Erziehung bei den Vor-Vorbesitzern muss einiges schief gegangen sein. Wie gesagt, beim Klicker hat er total verängstigt reagiert (auch auf die leisere Variante), das viel lautere Quietschi, was ich jetzt nehme, findet er gut. Wenn man mit ihm übt und eine falsche Bewegung macht, dann wendet er sich ab und beschwichtigt, als würde er eine Strafe erwarten. Er wurde wohl auch recht streng erzogen, was immer das auch heißen mag. Auf jeden Fall hat er es nicht besonders gut vertragen.

    Die Baustellen, die der Hund insgesamt so hat, sind laut Hundetrainer, dem ich da vollkommen vertraue, behebbar - wenn man die Zeit und Geduld dafür hat. Nur das mit der Zeit ist eben so eine Sache. Keine Ahnung, ob die Zeit, die ich für ihn aufbringen kann, ausreicht, um ihn zu einem für uns perfekten Begleiter zu machen.

    Ob wir generell einen Hund haben wollen: Definitiv ja! Sogar mein Lebensgefährte hätte nichts dagegen, aber eben nur, wenn er nicht die Arbeit hat. In der jetzigen Situation? Jein. Mit dem Haus und Grundstück sind wir überfordert, ganz klar. Keiner von uns hat auch nur im geringsten geahnt, was für eine Bruchbude wir uns da haben aufdrehen lassen. Jetzt heißt es Augen zu und durch. Wir werden realistisch gesehen in diesem Leben nie an den Punkt kommen, wo wir sagen "Jetzt ist das Haus fertig, jetzt ist Zeit für einen Hund". Eher kommen wir an den Punkt, wo wir sagen "Das Haus ist fertig, aber wir auch. Wo ist das nächste Seniorenheim?" Das hieße aber, ich werde niemals einen Hund haben. :ugly:

    Die Rasse will ich nicht sagen, weil ich nicht weiß, ob sein Frauchen mitliest und es sonst eindeutig wäre. Die hat nämlich momentan weitaus mehr und schwerwiegendere Probleme als ich und ist einfach nur froh, dass der Hund weg ist. Darum will ich mir erstmal selbst im Klaren darüber werden, was ich eigentlich will und was nicht und mich dann nochmal in Ruhe mit ihr zusammensetzen und beratschlagen. Aber selbst wenn ich mich gegen den Hund entscheiden würde, dürfte er solange bleiben, bis ein neues Zuhause gefunden ist. Ich hab ihn ja gerne da, auch wenn ich zweifle. Es ist auch kein Jagdhund oder was super anstrengendes, sondern ein mittelgroßer Wach- und Begleithund. Die anstrengendste Charaktereigenschaft der Rasse ist wohl der eigene Kopf, das ständige Hinterfragen, ansonsten ist die Rasse für uns eigentlich ideal. Falls irgendwann ein anderer Hund einziehen sollte, dann wird es auch nur einer wie er werden, da sind wir uns einig. Wir sind beide gleichermaßen in die Rasse verliebt. :herzen1:

    Hallo allerseits,

    ich bin vor etwas über einem Monat mehr oder weniger ungeplant auf den Hund gekommen. Das heißt, eigentlich wollte ich schon von Kindheit an einen Hund haben, aber es hat aus verschiedenen Gründen noch nie so richtig gepasst. Seit ich mit meinem Lebensgefährten im eigenen Haus lebe, kam der Wunsch immer wieder von Neuem hoch. Ich habe mir viele Gedanken zum passenden Vierbeiner gemacht, schon "meine" Rasse ausgesucht etc. pp. Doch mein LG wollte nie so richtig mitziehen und alleine mit der ganzen Arbeit habe ich es mir einfach nie zugetraut. Wir sind beide Vollzeit berufstätig, wobei er im eigenen Betrieb arbeitet und daher 12 Stunden+ am Tag außer Haus ist. Ich arbeite überwiegend im Homeoffice, wir können den Hund aber beide ab und an mit ins Büro nehmen. Unser Haus ist vor allem eine riesige Baustelle, Marke Lebensaufgabe, also eigentlich neben der Arbeit schon fordernd genug. Zusätzlich haben wir ein 1,8 Hektar großes Grundstück ums Haus drumrum, mit dessen Pflege wir nicht ansatzweise hinterher kommen. Und weil man neben der Arbeit natürlich auch ein Hobby als Ausgleich braucht, bereichern Hühner, Enten und Bienen unser Zuhause, zusätzlich natürlich meine 13-jährige Katze, die mir am allermeisten am Herzen liegt. Solange meine Katze lebt, sollte hier eigentlich kein Hund einziehen, denn sie ist sehr eigenwillig und schnell gestresst bzw. dauergereizt. Da wollte ich ihr den Stress mit einem weiteren Vierbeiner bisher eigentlich nicht antun. Nun ist aber doch spontan auf Probe einer eingezogen und ich bin Hin- und Hergerissen, ob ich ihn behalten sollte oder nicht. Über regen Meinungsaustausch würde ich mich sehr freuen!

    Nun zum Hund: Er ist genau meine favorisierte Rasse (die ich der Anonymität halber erstmal noch nicht nennen will), fast 3 Jahre alt und wurde schon viel herumgereicht. Gründe hierfür waren Dauerkläffen, Markieren im Haus und komplette Unverträglichkeit dem anderen Rüden gegenüber, wo er zuletzt gewohnt hat. Die beiden bissen sich blutig, deswegen musste er schnell weg und so ist er hier gelandet. Ich habe ihn erstmal nur vorübergehend aufgenommen, weil die Umstände für Hund und Frauchen untragbar waren. Er kennt Katzen im Haus und verhält sich meiner Katze gegenüber drinnen auch überwiegend friedlich. Manchmal stellt er ihr hinterher, aber da gehe ich gleich dazwischen und dann ist es auch gut. Meine Katze ist verständlicherweise nicht besonders erfreut über den neuen Hausgast, aber es ist nicht so schlimm, wie ich es befürchtet habe. Ich lasse sie auch nie unbeaufsichtigt zusammen. Draußen hingegen jagt er Katzen, leider auch Geflügel und Autos. Aber auch nicht immer. Er ist kein jagdtriebiger Hund (schon von der Rasse her nicht). Ich kann mit ihm an einem Tag ohne Leine nur wenige Zentimeter an einer Ente vorbei gehen und er hat absolut kein Interesse am Federvieh. Am nächsten Tag findet er die Enten so spannend, dass er hinterher rennt, sie packt und rupft. Seit er das einmal gemacht hat, ist er auch im Garten immer an der Leine. Meine Tiere laufen dort frei und wir können und dürfen das Grundstück aus verschiedenen Gründen nicht einzäunen. Es scheint bei ihm immer phasenweise zu sein. Es ist ja auch noch ein junger Hund mit viel Energie und die geht dann manchmal mit ihm durch, wenn er gelangweilt ist, habe ich so den Eindruck. Und da liegt auch schon ein Problem: Ich kann dem Hund glaube ich nicht die Bewegung verschaffen, die er braucht. Nirgendwo, nichtmal im Garten, kann ich ihn von der Leine lassen. Es braucht nur ein Auto, eine Katze oder sonstwas kommen und er ist weg. In eingezäunten Bereichen hat er bis jetzt immer ein Schlupfloch gefunden und an der Schleppleine tobt er selten, die empfindet er als Last (selbst das Geschirr - und es ist schon das zweite - ist ihm Zuwider). Spielen tut er nur ganz selten und ganz kurz. Selbst mit anderen Hunden spielt er wenn, dann nur kurz, und schon ist sein Interesse wieder weg. Mit Futter kann man ihn leider auch nicht bestechen, er ist sehr mäklig und selbst das beste Futter lässt er liegen, wenn er was für ihn Spannenderes entdeckt hat. Gegen die Eindrücke draußen komme ich bei ihm nur schwer an, die Leine wird also bei dem Hund vermutlich sehr sehr lange Pflicht bleiben, damit ich überhaupt irgendwie Einfluss auf ihn nehmen kann (er ist glücklicherweise nur mittelgroß, aber eben auch rassebedingt sehr eigenständig). Im Haus und im Büro hingegen ist er der liebste Hund der Welt, ist aufmerksam und will einem gefallen. Ich gehe einmal am Tag mit ihm eine größere Runde (ca. 1 Stunde) und zwei kleine. Ich baue manchmal ein paar kleine Sprints ein und bin auch schon zweimal mit ihm Fahrrad gefahren. Zusätzlich üben wir drinnen ab und an ein paar Tricks, was ihm viel Spaß macht. Mir ist absolut klar, dass ein Hund Arbeit macht und man viel Zeit braucht. Und es macht mir auch unglaublich viel Spaß, mit ihm rauszugehen und zu üben. Aber gleichzeitig fühle ich mich oft erschöpft und überfordert. Der Kerl bringt mich schon echt manchmal an meine Grenzen! Ich weiß nur nicht, ob das der "Neuhundehalter-Blues" ist oder ob es wirklich einfach zu viel ist.

    Ich habe nun schon auf meine Kosten Einzelstunden bei einem guten Hundetrainer genommen, weil ich mir natürlich sehr wünschen würde, dass sich mein lang gehegter Traum vom eigenen Hund endlich erfüllt und ich den Hund nicht wieder in eine ungewisse Zukunft entlassen will. Er hat endlich mal ein festes Zuhause verdient! Der Trainer hat gesagt, dass der Hund traumatisiert ist. Er ist sehr sensibel, zuckt schnell zusammen, beschwichtigt sehr oft auch in eigentlich ganz normalen Situationen, als ob er ständig eine Strafe erwarten würde (nach Erzählungen zufolge hat er auch schon ein paar sehr unschöne Dinge erlebt). Als der Trainer versucht hat, ihn auf den Klicker zu konditionieren, ist er beim ersten "Klick" sofort unter der Eckbank verschwunden und hat sich so schnell nicht mehr herausgetraut, selbst mit dem besten Leckerli nicht. Aber ansonsten sagt der Trainer, dass das ein ganz toller Hund ist, der auch gut ansprechbar, also gut trainierbar ist. Ich habe auch schon ein paar sehr gute Trainingsansätze für die oben genannten Probleme, die ich so gut es geht versuche umzusetzen. Oft fehlt halt die Zeit, aber daran will ich arbeiten. Weil ich so oft nur von mir schreibe: Mein Lebensgefährte findet den Hund toll, aber er sagt auch ganz ehrlich, dass es ihm zu viel Arbeit ist. Wenn ich ihn behalten würde, wäre zu 99% ich für ihn verantwortlich. Und da fangen bei mir wieder die Bauchschmerzen an. Mein Herz sagt ja zum Hund, die Vernunft sagt nein.

    So, und falls ihr den Roman bis hierhin gelesen habt, erstmal ein dickes Dankeschön! Und dann haut mal in die Tasten! :rollsmile: