Ich muss hier gerade meine Begeisterung für "A Little Life" teilen, auch wenn ich erst auf Seite 337 von ~700 bin.
Das Buch besticht vor allem durch wirklich kluge, scharfsinnige und komplexe Charakterentwicklung. Insbesondere der eigentliche Protagonist, Jude St. Francis, wird mit unglaublich viel Feingefühl und Tiefe beschrieben.
Mir als großer Fan von AutorInnen wie z.B. Donna Tartt und Ann-Marie MacDonald gefällt der detailreiche Schreibstil Yanagiharas sehr; der Roman lebt bisher weniger von der Handlung (obwohl auch diese nicht zu vernachlässigen ist), sondern eben durch diese Genauigkeit der Schilderungen, insbesondere, was die zwischenmenschlichen Dynamiken angeht, aber auch die Überlegungen der Protagonisten, ihr Denken und Fühlen.
Zudem ist das Buch schlicht und ergreifend herzzereißend traurig, ohne (bis jetzt) im Mindesten kitschig oder aufgesetzt zu wirken. Die seelischen Qualen des Hauptchatakters brennen sich mir in die Seele, man will schreien ob der Grausamkeiten, die ihm angetan werden, auch hier trifft Yanagihara voll ins Schwarze, erzählt psychologisch dicht und absolut berührend von den tiefen Enttäuschungen, den zerstörten Hoffnungen, den grausamen Akten anderer dem Hauptcharakter gegenüber.
Bis jetzt wirklich außergewöhnlich.