Witzig, wie man sich so verändert im Laufe der Jahre.
Vor etwa vier Jahren las ich zum ersten Mal "Here I Am" Von Jonathan Safran Foer. Damals konnte es mich nicht so sehr begeistern, ich war eher enttäuscht.
Nun habe ich es nochmal gelesen und es hat mir doch ziemlich gut gefallen!
Es geht um eine jüdische Familie in den USA, die Ehe von Julia und Jacob Bloch ist ziemlich am Ende, was gerade für Jacob jedoch sehr schwer einzugestehen ist. Gemeinsam haben Jacob und Julia drei Kinder, die intelligenten Jungen Sam (der sich nur sehr widerwillig auf seine Bar Mitzvah vorbereitet), Max und Nesthäkchen Benyi, denen sie ein gutes Leben ermöglichen möchten, vor allem Jacob aber scheint oft an den so hohen Ansprüchen an sich selbst zu scheitern.
Wichtige Figuren in dem Buch sind auch andere Mitglieder von Jacobs Familie - sein starrköpfiger Vater und der Großvater, der partout nicht ins Heim ziehen möchte, sowie ein Teil der israelischen Verwandtschaft - Jacobs selbstbewusster und forscher Cousin Tamir und dessen Sohn Barak, die gerade dann auf Besuch ihrer USA-Verwandtschaft sind, als ihre Heimat Israel von einem Erdbeben arg in Mitleidenschaft gezogen wird, was in weiterer Folge durch die Schwächung Israels und das entstehende Chaos einen Krieg auszulösen droht.
Es ist schwer zu beschreiben, worum es in dem Roman geht - er vereint politische und gesellschaftliche Fragestellungen und Überlegungen mit der Existenz einer gutbürgerlichen jüdischen Familie in den USA, die jedoch ebenfalls ihre Schwierigkeiten und Kämpfe in den eigenen vier Wänden auszutragen hat. So hadert Jacob oft mit dem Leben an sich, möchte seine Ehe nicht aufgeben, aber genauso wenig möchte er weitermachen wie bisher. Sam steht an der Schwelle zur Pubertät und muss sich in einer immer komplizierteren Welt zurechtfinden; Tamir hat scheinbar alles - Geld, Familie, Erfolg -, doch dennoch scheint etwas (was?) an ihm zu nagen.
Einfühlsam und doch temporeich, nuanciert und lyrisch ist dieser Roman Foers, manchmal urkomisch, stellenweise tieftraurig, und beinahe so unvollendet und verwoben wirkend wie das Leben selbst.