Zuletzt gelesen: "Unbound" von Tarana Burke
Tarana Burke ist die Begründerin des vor ein paar Jahren viral gegangenen "me too"-Movements. Schon seit ihrer Jugend engagiert sie sich zu Themen wie sozialer Gerechtigkeit, Inklusion, gegen Gewalt und gegen Rassismus. Durch ihre Arbeit mit Schwarzen Mädchen und Frauen erkannte Burke im Laufe der Jahre immer stärker, wie viele von ihnen mit Traumata aufgrund s*xueller Gewalt leben mussten und wie häufig sie nicht ernst genommen, mit ihren Problemen alleingelassen oder in eine Schublade gesteckt wurden.
Doch auch Burke selbst ist eine Überlebende: Sie wurde als kleines Mädchen v*rgew*ltigt und war jahrelang Opfer eines Nachbarburschen, der sie ebenfalls missbrauchte. Viele Jahre lang unterdrückte und verdrängte Burke diese schrecklichen Erfahrungen, sie konnte zudem auch gar nicht einordnen und benennen, was ihr da zugestoßen war. Scham- und Schuldgefühle waren ihre ständigen Begleiter.
Je intensiver Burke sich engagierte, desto schwieriger wurde es für sie auch, die selbst erlebten Übergriffe beiseite zu schieben, bis sie sich ihren Traumata schließlich stellte und ihren Fokus änderte und sich seitdem vor allem gegen s*xuelle Gewalt und dessen verheerende Folgen engagiert. Sie klärt auf, zeigt auf, informiert, unterstützt, bietet Hilfestellung für Betroffene an.
Bei ihrem autobiographischen Werk handelt es sich einerseits um eine fesselnde Darstellung ihres Werdegangs zur Aktivistin, andererseits aber auch um einen aufrüttelnden Erfahrungsbericht einer Überlebenden, die ihre Stimme gefunden hat und ihren Weg trotz der Verletzungen in ihrer Vergangenheit geht. Es ist sehr interessant, aus ihrer Perspektive als Begründerin des "me too"-Movements von ihren Gedanken darüber zu lesen - denn was Burke in ihrem Buch betont und auch bedauert, ist, dass der "me too"-Hashtag und die allgemeine Debatte über s*xuelle Gewalt wieder einmal viel zu oft auf Weiße Frauen zentriert war, während die Schwarzen Opfer, mit denen sie seit Jahren arbeitet, viel zu oft immer noch zum Schweigen verdammt sind, da sie von der Gesellschaft anders wahrgenommen werden und auch in ihren eigenen Communities häufig kaum Unterstützung erfahren.
Ich fand diesen Erfahrungsbericht sehr lesenswert und auch berührend.