Ich hab zuletzt gelesen: "Born A Crime" von Trevor Noah
Ja, bei Autobiographien von Stars & Sternchen muss man immer aufpassen - Jimmy Carrs "Before & Laughter" hat mir vor einigen Monaten beispielsweise wirklich nicht gut gefallen. Aber die Lektüre von "Born A Crime", das ich ursprünglich meiner Mama als Krankenhauslektüre gekauft habe, war wirklich ein Genuss. Netterweise tauschen meine Mama und ich öfter unsere Bücher aus, und ich bin froh, dass sie meinte, ich solle "Born A Crime" auf jeden Fall ebenfalls lesen.
In dem Buch erzählt der Comedian, Moderator und Schauspieler, der vor allem wohl durch "The Daily Show" internationale Bekanntheit erlangte, von seiner Kindheit und Jugend in Südafrika. Der Titel des Buches ist keine Überspitzung, kein lustiges PR-Spielchen - Trevors Mutter, eine Schwarze, und sein Vater, ein Weißer, lernten sich noch unter der Apartheid kennen und bekamen ein Kind miteinander, was damals verboten war, weshalb Trevors Mutter in den ersten Lebensjahren nicht mal mit ihm an der Hand das Haus verlassen konnte und Trevor viel Zeit drinnen verbringen musste, da er aufgrund seiner Hautfarbe aufgefallen wäre.
Trevor Noah hatte also keinen einfachen Start ins Leben. Er beschreibt seine Kindheit und Jugend genau, wie sie war - skurril, nichts beschönigend, aber auch nichts dramatisierend. Viele der von ihm geschilderten Ereignisse aus seinem Leben und dem Leben seiner Familie lassen einen ungläubig mit dem Kopf schütteln, herzhaft lachen, oder man ist ehrlich betroffen. Trevor Noah erzählt seine Geschichte fast immer mit einem Augenzwinkern und ich habe mich königlich über einige seiner köstlichen Schilderungen amüsiert. Anderes ist heftiger, schwerer zu ertragen, doch auch hier schafft Trevor Noah es, eine gewisse Distanz zu wahren und benutzt Humor als Strategie.
Zudem erzählt er in dem Buch auch die interessante, teilweise aufwühlende, teils tragische, teils einfach nur superschräge, Lebensgeschichte seiner Mutter Patricia, einer außergewöhnlichen Frau, die sich auch unter dem Regime der Apartheid nicht unterkriegen lassen wollte und bereit war, für ihre Träume zu kämpfen, die aber auch viel Leid, Gewalt und Kummer erfahren musste.
Ist es ein Fehler, das Buch zu lesen, wenn man Noah nicht kennt? Nein, man kann es dennoch lesen und wird sicher auch so einige Male schmunzeln müssen. Wirklich Sinn macht es meiner Ansicht nach aber natürlich nur, wenn man Noah aus den Medien kennt, vielleicht sogar Fan seiner Projekte ist - gleichzeitig kann das Buch aber dennoch auch unabhängig davon als Lektüre empfohlen werden, nämlich all jenen, die sich einen authentischen Bericht über das Leben in Südafrika in den 1980er- und 1990er-Jahren wünschen und die sich vielleicht auf leicht zugängliche Weise ein wenig über das brutale System der Apartheid informieren möchten.