Beiträge von tinybutmighty

    Ich war schon mit 3 Jahren hundeverrückt und habe seitdem von einem eigenen Hund geträumt. Im Laufe der Jahre holte ich mir immer wieder Hundezeitschriften, Bücher über Hunderassen und -erziehung, und verbrachte im Rahmen meiner sehr begrenzten Möglichkeiten gerne Zeit mit Hunden.

    Wirklich "vorbereitet" auf den Ersthund habe ich mich trotzdem nicht xD Der ist mir und meiner Familie - ich wohnte damals noch mit meiner Mutter und meiner Schwester zusammen - einfach schneller als geplant "passiert", als wir zum "nur mal Schauen" im Tierheim waren |) Rückblickend bin ich froh, dass wir dadurch nicht so verkopft an die Sache rangegangen sind. Der Hund ist mittlerweile 9 Jahre alt und mein Ein und Alles (und inzwischen wohnt hier auch schon seit Jahren Hund Nummer 2) :herzen1:

    Vieles mit dem ersten Hund hat sich bei uns irgendwie von selber ergeben, so nach und nach im Alltag halt. Bei manchen Themen hab ich nachgelesen (z.B. Alleinebleiben aufbauen) und wir sind auch in eine gute Hundeschule gegangen für ein paar Basics und später for fun.

    Ach so, die Rasse Chihuahua war auch nicht wirklich geplant, meine Schwester war damals in einen Boxerrüden verliebt, der im Tierheim saß, aber bereits eine Familie gefunden hatte. Und dann sahen wir dieses winzige, winzige Tierchen Rex und es war um uns geschehen :p

    Fremdhund entweder sehr energisch verscheuchen/abblocken oder, wenn das gar nicht geht, würde ich empfehlen, den eigenen Hund hochzunehmen.

    Bei meinen würde ich es je nach Hund entscheiden, wenn wir jetzt nur von anderen Minis sprechen. Jasmin würde ich wahrscheinlich eher öfter hochnehmen, der Rex dürfte dem Gegenüber dann auch mal die Leviten lesen :hust:

    Eine Freundin von mir hat einen Border-Collie-Rüden, der sowohl anderen Hunden als auch Menschen gegenüber alles andre als "ohne" ist. Ich habe diesen Hund nur 1x gesehen und zum Glück war ich im Auto, ansonsten wäre ich vermutlich auch nicht ohne Bisswunde davongekommen. Sie berichtet jedenfalls schon seit Jugendalter des Hundes von diesem Verhalten, welches zumindest teilweise territorial motiviert sein dürfte, aber nicht ausschließlich. Davor hatte die Familie einen völlig unkomplizierten und unauffälligen Border-Collie-Rüden.

    Ich weiß allerdings nicht, ob der jetzige BC einer seriösen Zuchtstätte entstammt. Laut ihr ist er reinrassig, es soll kein Aussie mitgemischt haben. Sozialisierung und Erziehung mögen zwar nicht zu 100% optimal verlaufen sein, aber es gab da sicher auch kein eklatantes Fehlverhalten ggü. dem Hund während dieser Zeit.

    "Sexy But Psycho: How the Patriarchy Uses Women’s Trauma Against Them" von Dr. Jessica Taylor

    Dr. Jessica Taylor hat einen PhD in Forensischer Psychologie und ist vor allem für ihren Aktivismus bekannt. Sie setzt sich für Mädchen und Frauen ein, die Opfer s*xueller Gewalt wurden, und gründete mit VictimFocus auch ein eigenes Unternehmen, dessen Ziel es ist, für die bessere Versorgung und Entpathologisierung von missbrauchten Mädchen und Frauen einzutreten und gesellschaftlichen Wandel zu bewirken.

    Jessica Taylor hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht, gängige psychiatrisch-psychologische Prozesse kritisch zu hinterfragen.

    In "Sexy But Psycho" befasst sich Taylor vor allem mit der Frage, warum Mädchen und Frauen, die Traumatisierungen erlebt haben, so häufig mit psychischen Erkrankungen, insbesondere "Persönlichkeitsstörungen", diagnostiziert werden. In dem Buch verurteilt sie auch den ihrer Ansicht nach überbordenden Einsatz von Psychopharmaka in solchen Fällen und zeigt anhand von Beispielen von Betroffenen auf, wie Pathologisierung und psychiatrisches Labelling dazu führen können, dass Missbrauchsopfern z.B. nicht mehr geglaubt wird.

    Das sind alles ohne Zweifel wichtige Gedanken und Ideen, die Taylor in ihrem Buch zusammenträgt! Mein grundlegendes Problem mit dem Buch ist aber, dass Jessica Taylor darin nicht differenziert - das Buch ist eher ein Rundumschlug vor allem gegen "die Psychiatrie" und "Big Pharma". Das macht das Buch unwissenschaftlich und disqualifiziert Jessica Taylor in jedem ernst zu nehmenden wissenschaftlichen Diskurs. Und das ist so, so bitter, weil sie sich selbst aufgrund ihrer radikalen Positionen ins Aus katapultiert hat und auch von anderen kritischen Psychiater*innen, Psycholog*innen und Therapeut*innen gemieden ist - was leider kein Wunder ist, wenn man wie Taylor so dermaßen übersimplifziert und übermäßig generalisiert.

    Schon allein Taylors in dem Buch genannte und zitierte Quellen sind nicht immer seriös und vertrauenswürdig. Sie beruft sich mehrmals auf Fachleute, die der extremen "Anti-Psychiatry"-Bubble angehören und die immer wieder durch provokative, mitunter faktisch völlig falsche, Wortmeldungen auffallen. Leute, die die Existenz von ADHS und mitunter sogar Autismus leugnen oder die für jegliche(!) Abschaffung psychiatrischer Medikamente sind, als "Expert*innen" anzuführen, die die eigene Meinung bestätigen können, ist halt schon - gewagt, gelinge gesagt.

    Aber auch Taylor selbst fällt insbesondere auf sozialen Netzwerken wie X, vormals Twitter, durch mitunter sehr fragwürdige Behauptungen auf, für die sie oft genug auch jegliche Quellen schuldig bleibt. In "Sexy But Psycho" selbst scheint sie wenigstens noch die - auch in seriösen Fachkreisen vertretene - Ansicht zu vertreten, undiagnostizierter Autismus bei Mädchen und Frauen sei problematisch und diese würden dann fälschlicherweise mit Persönlichkeitsstörungen etc. diagnostiziert, was leider den Tatsachen entspricht. Auf Social Media wiederum hat sie mitunter schon behauptet, Fachleute würden Mädchen und Frauen nun "einreden", diese hätten ADHs und/oder seien autistisch, was angesichts der Zahlen, die auf Underdiagnosis in bestimmten Gruppen wie eben Mädchen und Frauen und z.B. auch People of Color, hindeuten, schon hanebüchen ist. Witzig auch, dann Big Pharma als Grund hierfür zu nennen - das würde bei ADHS ja noch Sinn machen durch Medikation wie Stimulanzien, aber wer bitte würde an Autismusdiagnosen dann gut Geld verdienen? Es gibt ja nun keine Medikamente spezifisch "für Autismus"...

    Werden Traumata viel zu oft von Fachleuten nicht erkannt? Ja, und das ist eine Ansicht, mit der Taylor auch nicht alleine dasteht. Es braucht auch in Fachkreisen deutlich mehr wissen über Komplexe Posttraumatische Belastungsstörungen und "neurodivergent trauma" ist ein weiterer Bereich, der noch viel zu wenig erforscht und häufig missverstanden wird. Was mir bei JT aber so überhaupt nicht schmeckt, ist ihr Leugnen so ziemlich jeden psychiatrischen Krankheitsbildung mit der Behauptung, so gut wie alles sei "in Wahrheit Trauma". Es ist hinlänglich bekannt, dass "Borderline-Persönlichkeitsstörung" selbst in Fachkreisen (zu recht) oft als Mülleimerdiagnose betrachtet wird, überdiagnostiziert ist und mitunter zu extremen Stigma führt, und dass Menschen mit cPTBS und/oder Neurodivergenz mit BPD/EUPD fehldiagnostiziert werden. Auf die fehlende wissenschaftliche Validität weisen ja inzwischen selbst ernst zu nehmende Fachleute wie Tyrer, Mulder und Watts hin. Warum konzentriert JT sich also nicht auf tatsächlich problematische Diagnosen? Stattdessen leugnet sie die Realität von Bipolarer Störung, psychotischen Zuständen und Co. - das ist nicht nur naiv, sondern letztlich auch fahrlässig. Und es ist unethisch, dann einen Fall wie den von Valdo Calocane zu nutzen, um auf Social Media, wie JT es unlängst tat, gegen Unzurechnungsfähigkeit zu schießen mit der Behauptung, dies sei lediglich eine "Ausrede" für männliche Gewalttäter, um mit milderen Strafen (?!) davonzukommen. Taylor hat Calocane nie untersucht, sie ist zudem weder klinische Psychologin noch Psychiaterin - es fällt aber immer wieder auf, dass sie sich als äußerst erfahrene Fachperson darstellt, angeblich habe sie auch schon mit ganz vielen Menschen gearbeitet, die SMI waren/sind - daran kann man halt nur zweifeln, denn ansonsten würde Taylor das Konzept von SMI wohl kaum so vehement ablehnen.

    Last but not least gibt es mittlerweile mehrere Frauen, die den Darstellungen ihrer Geschichten in Taylors Buch widersprochen haben oder sogar meinten, sie seien vorab nicht darüber aufgeklärt worden, dass Taylor vorhatte, die Interviews in einem populärwissenschaftlichen Buch zu verwenden.

    "Sexy But Psycho" hat gute Grundideen und Taylor sicher nicht unrecht damit, wenn sie auch der Psychiatrie in unserem patriarchalen System die Pathologisierung weiblichen Verhaltens als "borderline", "emotional instabil", "hysterisch", "histrionisch" etc. vorwirft. Was sie aber daraus macht, ist ein Schnellschuss, der die Situation von Betroffenen nicht wirklich verbessert und ernst zu nehmenden Kritiker*innen am Status Quo sogar eher schadet durch eine sehr oberflächliche, einseitige, unwissenschaftliche Betrachtung.