Kate Morton - "Homecoming"
"Homecoming" war mein erster Roman der aus Australien stammenden Beststellerautorin. Als Mädchen von etwa 12,13 Jahren las ich neben deutlich herausfordernder Lektüre gerne mal historische Romane, die Generationen umspannten, von Familiengeheimnissen, weit entfernten Landschaften und eindrucksvollen Landhäusern erzählten. Judith Lennox ist mir da u.a. ganz gut im Gedächtnis geblieben, Elizabeth Haran auch ein wenig.
Mittlerweile bin ich von dem Genre eigentlich fast vollständig abgekommen, da es doch oft zu Kitsch und Pathos neigt und außerdem irgendwann sehr repetitiv wirkt, folgen die meisten dieser Romane doch einer recht ähnlichen Erzählstruktur.
Zu "Homecoming" griff ich eher zufällig - und wurde recht positiv überrascht. Der Kitsch hielt sich glücklicherweise sehr in Grenzen und auch wenn der Roman den vorhin genannten Themenbereichen und der erwähnten Struktur relativ treu bleibt, handelt es sich zugleich nichtsdestotrotz um eine erfrischende und fesselnde Lektüre. Trotz der immerhin über 600 Seiten liest sich der neueste Roman Mortons nicht langatmig, sondern hält seinen Spannungsbogen aufrecht bis zum Ende.
Auch die Protagonist*innen sind erfreulicherweise nicht völlig eindimensional und überzeichnet, sondern bringen durchaus Nuancen mit. Hinzu kommt das schriftstellerische Talent Mortons, die beeindruckende Landschaft Australiens sehr lebhaft zu beschreiben und somit für Leser*innen greifbar zu machen.
Ja, Familiengeheimnisse und eine schreckliche Tragödie, die sich einige Jahrzehnte zuvor ereignete, spielen in dem Buch eine zentrale Rolle, man muss der Autorin aber zugute halten, sich hier doch eine halbwegs glaubwürdige Story ausgedacht zu haben, und auch wenn ich während des Lesens bereits die ein oder andere Vermutung hatte, schaffte sie es doch, die Verstrickungen und Wirrungen recht gekonnt aufzudröseln. Und ja, obwohl "Homecoming" nun kein unglaublich tiefsinniges Buch ist, gingen mir die beschriebenen Schicksale teils doch ein wenig ans Herz, was auf jeden Fall für Morton spricht.
Ich fühlte mich gut unterhalten und werde bei Gelegenheit auch noch ein weiteres Werk der Verfasserin lesen.