Ich habe ja auch einen intakten Rüden mit mittlerweile 9,5 Jahren hier sitzen.
Deinen Frust kann ich daher durchaus nachvollziehen.
So, wie du es beschreibst, hat Timur trotz prinzipiell guten Gehorsams gewisse Themen mit Stress, z.B. Stadtsituationen, unter anderen Hunden sein etc., und du machst den Kurs mit ihm vor allem, um daran zu arbeiten. Wenn der Kurs sinnvoll aufgebaut ist, dann finde ich das auch total verständlich und eine gute Option, um da mit Training was zu erreichen.
Aber ich denke auch, dass man von einem Hund, der da sowieso schon etwas gestresst ist, dann wohl nicht erwarten kann, sich zusätzlich auch noch ruhig/entspannt zu verhalten, wenn auch noch eine läufige Hündin dabei ist. Das ist dann wohl der "Overload". Ich finde, man kann von einem Hund nicht verlangen, da direkt mit mehreren Stressoren auf einmal entspannt fertigzuwerden. Im Zweifel würde da nur helfen, möglichst viel Abstand reinbringen, und nicht die normalen Übungen mitmachen, sondern einfach nur jedwede Aufmerksamkeit zu dir hin und weg von der Hündin hochwertig zu bestätigen und zu belohnen.
Klar, irgendwo ärgerlich, wenn man den Kurs eigentlich ja aus anderen Gründen besucht, andererseits könnte man es als Möglichkeit sehen, mal die Anwesenheit einer läufigen Hündin gelassen tolerieren lernen zu trainieren. Aaaber wenn das Drumherum für den Hund zu stressig ist, sind das auch dafür natürlich nicht die bestgeeigneten Umstände. Und im worst case, also Hund ist übermäßig gestresst oder überhaupt nicht mehr aufnahmefähig, würde ich da mittlerweile konsequent einen Schlussstrich ziehen und das Training vorzeitig abbrechen oder ausfallen lassen, solange die läufige Hündin dabei ist.
Ich war mal mit meinem damals noch nicht mal 2jährigen Rüden auf einem neuen Hundeplatz für einen Grundgehorsams-Kurs. Rex war damals noch sehr interessiert an Artgenossen und halt einfach noch ein Grünschnabel-Jungspund, der Platz war ihm völlig unbekannt - und dann war da eine läufige Hündin unter den Teilnehmern. Boah, was habe ich in der Stunde gelitten, weil Rex mich eigentlich wohl fast nur ignorierte und fiepsend zur Hündin hinzerrte bzw. mit der Nase nur permanent am Boden klebte. Und eine der Trainerinnen meinte dann auch noch, mir sagen zu müssen, dass das Verhalten meines Hundes so extrem sei, dass ich ihn unbedingt kastrieren lassen müsse.
Zuhause habe ich dann tief durchgeatmet, mich beruhigt - und beschlossen, den Kurs durchzuziehen. Die Hündin war dann auch durch mit der Läufigkeit und Rex wieder deutlich aufnahmefähiger und somit hat der Kurs uns auch etwas gebracht.
Im Laufe der Jahre wurde sein Verhalten läufigen Hündinnen gegenüber bzw. halt in deren Anwesenheit auch deutlich gelassener. Letztes Jahr konnte er leinenlos auf einem Platz arbeiten, auf dem zeitgleich auch eine läufige Hündin in Standhitze trainierte. Das hätte ich mir damals mit ihm als Jungspund echt nie erwartet!