Ich frage mich, wer denn überhaupt gewerbsmäßig züchten kann.
Wenn ich mindestens 3 Würfe im Jahr haben muss und ich mir pro Wurf ungefähr 10 Wochen Zeit nehme (davon die ersten 4 völlig isoliert wegen Krankheitsgefahr), dann bin ich ja mindestens 30 Wochen nicht fähig nebenbei zu arbeiten.
Wenn ich mein Geld über die Hunde nicht zusammenkriege, muss ich entweder sehr reich geerbt haben oder einen finanziell recht potenten Verdiener haben, von dem ich abhängig bin und der mich und alle laufenden Kosten finanziert, auch wenn sich mein "Job" mehr oder minder selbst finanziert.
Wenn ich mein Geld über die Tiere zusammenkriegen möchte, muss ich das ganze Konzept ausweiten und eine Menge an Kosten tragen. Inwiefern das möglich ist, ohne dass man wiederum anderswo Abstriche zu machen, ist halt fraglich.
Es gibt Züchter, die lassen ihre Hunde so jung wie möglich und so oft wie erlaubt belegen. Oder welche, die nur eine Mindestanforderung an Ausbildungskennzeichen mit dem Hund absolvieren, damit sie ne ZZL kriegen und möglichst schnell bereit fürs Werfen sind (hab ich bei Rotti-Hündinnen relativ häufig bei meiner Suche gesehen, die hatten oft nur VPG1, IPO1 usw, während die gefragten Deckrüden natürlich eher IPO3 hatten...). Und einige Züchter, die ihre Zuchthündinnen sofort mit 8 Jahren oder nach 4 Würfen verkaufen. Leute, die ihre Hunde wegen der Masse in Zwingern halten und jemand anderes sie ausbildet (klar, 8 Havaneser oder Chis gehen ja noch vom Platz her irgendwie, aber 8 Schäferhunde im Haus?). Das findet man vermehrt bei gewerblichen Züchtern - systembedingt.
Das sind alles für mich keine guten Eigenschaften eines Züchters, auch wenn der durch die Anzahl der Würfe und eine größere Fluktuation vielleicht mehr zur Ausgestaltung einer bestimmten Linie beitragen kann.
Ich möchte einen Züchter, der sich um wenige Hunde intensiv kümmert. Die sollen im Haus unter ähnlichen Umständen, wie ich sie bieten werde, aufwachsen. Einen Menschen, der auch versteht, dass man neben dem Hobby Hund noch einen Beruf hat und der seine Tiere nicht als Geldquelle nutzt oder in Not gerät, weil die Hündin eine Totgeburt hatte und nun 1000Euro fehlen. Die Hunde sollen nicht dafür leben, dass sie trächtig werden und möglichst viele Welpen produziert werden. Dass er sich selbst um jedes Tier kümmert und es in erster Linie ein Familienhund ist. Und vor allem möchte ich, dass die Hunde nicht benutzt und dann weitergegeben werden, wenn sie ihren Zweck erfüllt haben.
Das kann mir ein gewerblicher Züchter in den meisten Fällen nicht bieten. 