Ich finde es immer schwer, eine bestimmte Rasse zu empfehlen, weil es doch auch innerhalb der Rasse sehr unterschiedliche Charaktere gibt. Und insbesondere meine eigene Rasse - den Cocker - empfehle ich eigentlich nie, einfach weil man ja doch etwas voreingenommen ist. Klar, ich bin von der Rasse überzeugt, sonst hätte ich sie nicht. Aber da der Cocker hier konkret zur Diskussion steht, senfe ich dann mal ein bisschen dazu.
Also, ich komme von zwei Irish Settern - meine absolute Traumrasse, ganz tolle Hunde, leider bei mir sehr krank und früh tot. Nun also der Cocker, weil er dem Setter sowohl charakterlich (sensibel) als auch optisch recht ähnlich ist. Was ich am Cocker im vergleich zu den größeren Hunden, die ich davor hatte, gut finde:
- Die Körpergröße ist wirklich praktisch. Ich reise beruflich sehr viel und bin im Sommer jede Woche in einem anderen Hotel. Den Cocker kann man überall verstauen. Meine hat gelernt, im Beifahrerfußraum zu sitzen - egal ob zusätzlich mit Beifahrer oder ohne. In vielen Hotels sind kleine Hunde billiger oder sogar nur kleine Hunde erlaubt.
- Die Ausbildung lief komplikationslos nebenher. Der Cocker ist ein Jäger, hat aber dem größeren Setter gegenüber schon mal den großen "Nachteil", dass er bei hoher Vegetation das Wild viel später sieht als ich. Wenn er eine Spur hat und man die Körpersprache kennt, kann man meistens frühzeitig eingreifen und er ist auch nicht ganz so schnell wie ein großer Hund. Beim Setter hatte ich immer zwei Jahre Stress, bis die auch am Wild sicher "in der Hand" blieben. Der Cocker rennt halt hier und da mal hinter einem Vogel her, aber das ist nach ein paar Sekunden auch wieder erledigt. Er lässt einen nicht 4h lang im Wald stehen, wie das bei manchen anderen Jagdhundrassen der Fall ist.
- Cocker sind absolute Gute-Laune-Hunde, die immer freundlich sind, immer Spaß haben, aber auch furchtlos schwanzwedelnd auf jeden Dobermann zu rennen, der fletschend in der Leine hängt, wenn man als Besitzer nicht durchgreift.
So erlebe ich meinen Cocker, aber wie gesagt, Charaktere sind unterschiedlich. Da meine auch Jagen geht (Stöbern auf Drückjagden) und dennoch Waldspaziergänge ohne Leine machen kann, ohne dass sie ständig hinter allem her will, halte ich den Jagdtrieb bei dieser Rasse durchaus selbst für Laien für händelbar, wenn man halbwegs weiß, worauf man sich einlässt und wie man in klassischen Jagdhund-Situationen reagieren muss. Außerdem ist auffällig, dass mein Cocker selbst auf Jagden hinter Wild regelmäßig von selbst abdreht, weil er ja eigentlich gezüchtet wurde, um unter der Flinte zu jagen, also in geringerem Abstand zum Führer. Sobald das Wild in Bewegung ist, hat er seine Aufgabe ja schon erfüllt, kilometerweite Hetzen waren bei dieser Rasse nie vorgesehen. Es kann auch helfen, beim Züchter nach dem Jagdverhalten der Eltern zu fragen. Ich habe aber bislang noch keinen Cocker getroffen, der gar nicht ableinbar war.
Was man ganz dringend braucht, ist Disziplin. Cocker beherrschen den "Ich werde nie gestreichelt, nie gefüttert und muss im Keller auf dem kalten Boden schlafen"-Blick zur absoluten Perfektion! Und die Fellpflege darf nicht unterschätzt werden. Nur ein regelmäßig getrimmter Cocker hat das seidige, glatte Fell. Wenn man ihn einfach nur bürstet oder gar schert, ohne je vernünftig zu trimmen, sieht er aus, wie die wolligen Fellbomben, die man meistens als Cocker auf der Straße sieht. Mit dem richtigen Werkzeug ist das Trimmen aber auch für Laien ca. alle 2-3 Monate problemlos machbar.