Dürfen eure Hunde wirklich nicht den Weg verlassen?
Warum, wenn ich fragen darf?
Das kommt total auf den Hund an. Die Setter durften beide den Weg nicht verlassen - nicht einen Zentimeter. Alles neben dem Weg wurde nur nach vorherigem Kommen, Absitzen, Anleinen und OK-Signal betreten. Man hätte meinen können, ich hätte ein Dominanzproblem.
Aber ich hatte nur Sorge um meine Hunde. Die hatten beide ordentlich Trieb und waren groß genug, um über die Vegetation schon früh das Wild zu sehen. Die beiden durften auch nicht mir zur Jagd und mussten innerhalb des Weges einen Maximalabstand zu mir einhalten. Dazu gab es noch diverse andere Impulskontrollübungen (nach dem Ableinen sitzen, bis ich Ok sage, Fressen nur wenn ich Ok sage, ins und aus dem Auto nur mit OK usw.). Bei einem Hund mit viel Jagdtrieb kann einmal Hetzen reichen, dass der bis ans Ende seiner Tage angestochen ist und wenn der Körperbau stimmt, ist er sehr schnell sehr weit weg. Zu Junghundzeiten wirkte das sicherlich alles sehr übertrieben, aber ich bekam damit sehr entspannte Hunde heraus, mit denen ich auf den Wegen überall ohne Leine laufen konnte.
Das Prinzip war einfach: Wehret den Anfängen. Wer niemals das Hetzen kennen lernt, erfährt auch niemals das damit verbundene hormonelle High, dass nunmal jeden Hund zum Junkie macht - manche nach einem, andere erst beim 3. oder 4. Mal.
Der Cocker darf auch mal vom Weg runter und geht mit zur Jagd, weil der weniger Trieb hat, kleiner und sehr nasenfixiert ist. Sie sieht Wild meist selbst dann nicht, wenn es 4m neben ihr abspringt, weil sie konzentriert auf der frischen Fährte klebt. Das ist aber deutlich leichter zu händeln als ein Hund, der auf Sicht hetzt, weil man an der ganzen Körperhaltung sofort erkennt, wenn es "interessant" wird und dann früh intervenieren kann. Die rauscht nicht von jetzt auf gleich los und selbst wenn das mal passiert, ist sie auf ihren kurzen Beinen viel zu lahm, um da eine riesige Hetze draus werden zu lassen. Ich muss auch auf Frieda im Wald ein Auge haben, aber da mache ich kein Fass auf, wenn die mal kurz im Gras verschwindet. Wohlgemerkt 2-3 Meter neben dem Weg. Danach ist auch Schluss. Aber die darf sich im Vergleich schon einiges raus nehmen.
Das Risiko muss man halt von Hund zu Hund abwägen. Meine letzte Hündin war echt nicht ohne. Die hab ich in den ersten zwei Jahren nazimäßig im Antijagdtraining gehabt mit allem Pipapo. Nachbarn waren zeitgleich mit uns mit ihrem Gordon Setter in der Welpengruppe. Wir gingen dann auch mal öfters zusammen spazieren. Die Halterin sagte mir wörtlich, meine "übertriebene Erziehung" käme für sie und ihren Hund nicht in Frage, denn sie sei ja Mutter von drei Kindern und habe keine Zeit "für den ganzen Kiki", den ich mit meinem Hund veranstalte. Und da kam es, wie es eben nicht kommen sollte. Einmal Krähen gehetzt, dann Hase, dann Reh, schließlich Leinenknast und dadurch massive Verhaltensstörungen, weil der Hund einfach nicht mehr wusste, wohin mit der Energie, denn für Ersatzbeschäftigungen war wohl ebenfalls keine Zeit. Leute wie Hund hatten danach viele Jahre puren Stress. Gleichzeitig würde ich aber eben niemals einem Besitzer mit jagdlich wenig interessiertem Hund abverlangen, da den großen Weggrenzen-Drill zu fahren. Das wäre sicherlich mit Kanonen auf Spatzen geschossen.