Ich!
Ich hätte nie gedacht, dass es sowas gibt. Als ich Frieda holte, wollte ich eigentlich keinen Hund mehr, befand mich in der stressigen Endphase meiner Promotion und auf der Suche nach einem Job. Dazu ein Welpe - das kann ja nur schief gehen.
Aber Frieda war von Anfang an so unkompliziert, dass man sie gar nicht bemerkt hat. Wenn man mal keine Zeit hatte, spielte sie allein mit ihren Sachen, sie hat noch nie etwas zerstört, ist schmusig, gleichzeitig aufgeweckt und immer gut gelaunt, körperlich der Aufgabe gewachsen, mich im kurze Zeit später gefundenen Traumjob ständig zu begleiten, bleibt bei Mistwetter aber auch gern mal einen Tag lang ganz zu Hause, hat genug Trieb für Nachsuchen und Stöberjagden und geht gleichzeitig problemlos beim Waldspaziergang ohne Leine mit, lässt sich überall abrufen, will ständig gefallen, benötigt keine Leckerchen, weil ihr mein Lob reicht.
Ich habe an diesem Hund im Vergleich zu meinen vorherigen nie etwas erzogen (ist ja eh nur so'n Kleinteil). Sie konnte machen, was sie wollte. Abseits der Wege laufen, Krähen jagen, mich anspringen. Trotzdem werde ich ständig drauf angesprochen, wie gut erzogen der Hund doch sei, weil sie an meinen Lippen klebt. Sie kann allein bleiben, ohne dass wir das je trainiert haben. Sie bettelt nicht, obwohl sie regelmäßig was vom Tisch bekommt. Sie fragt sehr vorsichtig, ob sie ins Bett rein oder aus der offenen Autotür raus darf, obwohl ich das nie eingefordert habe. Obwohl sie zu Hause nach Herzenslust kläffen darf, tut sie das im Hotel automatisch nicht. Egal, was wir neues ausprobieren, Frieda kann es sofort. Ich könnte die Liste weiterführen... Als Mensch wäre der Hund ein geigespielendes Wunderkind.
Nach allem, was ich mit meinen Settern durchgemacht habe (Krankheiten, Sorgen, Trauer) kommt es mir fast so vor, als hätte mir jemand einen kleinen Hundeengel als Entschädigung geschickt. Selbst wenn Frieda auch nicht alt werden sollte, so haben wir dann doch wenigstens jeden Tag genossen, weil ich eben NICHT zwei Jahre Ausbildungsarbeit investiert habe, sondern sie von Anfang an perfekt war. Und das ist keine Verblendung oder Übertreibung, denn ich habe ja immerhin vorher zwei Hunde zum Vergleich gehabt. Frieda ist wirklich außergewöhnlich.