Ich kann deinen Wunsch total nachvollziehen. Daher möchte ich dir einfach mal von meinen Erfahrungen berichten. Vielleicht kannst du etwas daraus ziehen?
Vollzeitarbeit und Hund zu vereinbaren, ist in der Theorie sicher möglich. Heute gibt es da ja viele Möglichkeiten: Flexible Arbeitszeiten, Home Office, Hund darf mit ins Büro. In der Praxis wird man feststellen, dass man da trotzdem schnell an die Grenzen das Machbaren stoßen kann.
Ich arbeite auch Vollzeit und habe nun seit 3,5 Jahren meinen ersten "eigenen" Hund. Und obwohl ich alle oben genannten "Privilegien" genieße, ist es manchmal nicht einfach. Ich bin Lehrerin, d.h. kann mir bis auf meine Unterrichtszeit die restliche Arbeitszeit frei einteilen. Ich kann viel zuhause erledigen und Newton darf auch mit auf die Arbeit. Newton bleibt zudem problemlos allein. Bessere Voraussetzungen gibt es eigentlich kaum, oder?
Und trotzdem stoße ich wie gesagt manchmal an meine Grenzen... Ein paar Beispiele:
In der Theorie hat man maximal sechs Stunden Unterricht pro Tag, von 7.45 - 12.50 Uhr, fünf Stunden, alles tutti. Falls Newton also mal nicht mit in die Schule kann, kann er doch locker daheim bleiben, oder? Nun ja, in der Praxis fahre ich halt erst einmal jeweils 45 Minuten zur Arbeit hin und dann wieder zurück. So werden aus 5 Stunden direkt 6,5 Stunden... Zudem kann es auch mal sein, dass die Stunden eben nicht am Stück sind. Nochmal eine Doppelstunde hohl; die obligatorische Mittagspause von 50 Minuten kommt in diesem Fall auch noch dazu, sind wir schon bei fast 9 Stunden... Einen Zeitraum, den ich eigentlich keinem Hund zumuten wollte, schon gar nicht regelmäßig.
Aber wie gesagt, Hund kann ja mit und so nehme ich ihn an diesen Tagen halt auf jeden Fall mit. Wenn, ja wenn er nicht krank ist... Vergangenen Monat laborierte er gute drei Wochen an einer Zwingerhusten-Infektion (trotz Impfung)... Sprich, er sollte sich eigentlich erholen und ausruhen. Nichts da, er musste mit, weil es eben nicht anders ging. Natürlich habe ich es ihm so ruhig wie möglich gemacht, aber sagen wir mal so: Zuhause auf dem Sofa wäre auf jeden Fall besser gewesen...
So, nun werden Viele nach ihrem hochgelobten Plan B schreien... Joah, hab ich auch, einen Plan B. Nur um 6.45 Uhr ist noch keine Pension geöffnet... Da müsste ich Newton nämlich spätestens dort abgeben um pünktlich bei der Arbeit zu sein. Aber egal, nehmen wir an, es gäbe eine solche Pension. Ich bringe ihn morgens dort hin und hole ihn am Nachmittag wieder dort ab. Dann habe ich einen Hund daheim, der vom Tag in der Pension so erschlagen ist, dass er eigentlich nur noch aufs Sofa will... Wofür habe ich dann einen Hund? Um morgens bei Eiseskälte und Dunkelheit 45 Minuten Gassi zu gehen? Zudem: Einen kranken Hund nimmt dir niemand ab! Eine professionelle Pension sowieso nicht und auch Privatleute haben ja meist dann eigene Hunde, die sich evtl. anstecken könnten. Gleiches gilt natürlich für chronisch kranke Hunde... Meine Schwester hat leider eine chronisch kranke Hündin. Einzig und allein die Familie ist bereit, sie entsprechend zu betreuen (weil aufwändig)... Alle anderen sagen "Nein, danke."
Im absoluten Glücksfall findet man vielleicht tatsächlich einen rüstigen Rentner oder einen Arbeitslosen, der sich kümmern KANN und möchte. In 3,5 Jahren habe ich aber keinen solchen Glücksfall gefunden... Und dann steht man eben da...
Und wenn ich mir nun überlege, ich hätte die oben genannten Privilegien nicht... So, wie es bei dir der Fall zu sein scheint... Für mich persönlich: NEVER. Es kann MIT diesen Privilegien schon kompliziert werden... Und dann OHNE... Dann hätte ich keinen Hund.
Jedoch kenne ich einige HH, die ihre Hunde tatsächlich tagsüber in die Pension geben. Sie haben halt andere Arbeitszeiten und rein organisatorisch funktioniert das dann auch. Den Hunden scheint es auch nichts auszumachen... Alles tutti. Meins wäre es wie gesagt trotzdem nicht...
Aber muss ja auch nicht MEINS sein sondern DEINS. 