Was genau zählt man als Anfänger und was sind die typischen Anfängerfehler, die so gerne gemacht werden und anscheinend so viel beeinflussen? Geht es da um fehlende Konsequenz? Darum, dass man Hunde falsch interpretiert und sich um den Finger wickeln lässt? Kann man das nicht durch Hundeschule und Literatur ausgleichen? Zählt eigentlich Kindererziehung? ;-)
Die erste Frage ist recht leicht zu beantworten. Ein "Anfänger" ist jemand, der etwas zum allersten Mal macht, in diesem Fall eben die Anschaffung seines ersten eigenen Hundes.
Zu Anfängerfehlern: Klassische Anfängerfehler gibt es meiner Meinung nach gar nicht. Aber spätestens beim zweiten Hund wird es dann Dinge geben, die man von vornherein anders macht. Ein Beispiel von mir: Kontakte zu fremden Hunden. Mein Ersthund hatte davon viel zu viele. Mein Zweithund keine bis kaum. Rate welcher Hund im Sozialverhalten unproblematischer ist...
Meiner Meinung geht es auch nicht um fehlende Konsequenz. Konsequent ist man oder man ist es eben nicht. Wenn man sich explizit "vornehmen" muss, konsequent zu sein, kann man es auch gleich lassen. Hunde sind nicht blöd. Sie wissen genau was "echt" ist und was nicht.
Zum "falsch interpretieren": Auch das ist meiner Meinung nach kein klassischer Anfängerfehler. Das hat einfach mit Kompetenz zu tun. Manche Labbi-Halter haben es beim dritten und vierten Labbi immernoch nicht gelernt, dass der Hund nicht "schön spielt und sich freut", sondern herumfiddelt und mit der Situation heillos überfordert und gestresst ist. Nur so als Beispiel.
Ausgleich durch Literatur und Hundeschule: Definitiv nein! Erfahrung kann man nicht ersetzen. Und mit Erfahrungen weißt du auch das, was in der Literatur geschrieben oder in der Hundeschule vermittelt wird, richtig einzuordnen. Mit zunehmender Erfahrung wirst du schnell merken, dass es die perfekte Hundeschule nicht gibt und dass es gerade zum Thema Hund gute und schlechte Literatur gibt.
Ob Kindererziehung zählt? Ich sage mal so: Wenn du Kinder groß bekommen hast, bekommst du auch einen Hund groß. Vergleichen kann man das aber nicht. Kinder sind Menschen und Welpen sind Hunde.
Generell gibt es in meinen Augen keinen klassischen Anfängerhund. Es gibt nur Hunde bzw. Rassen die mehr oder weniger in das Leben des zukünftigen Halters passen. Solange man sich bedacht die Rasse oder den Hund aussucht, der zum eigenen Lebensstil passt, sollte es eigentlich wenige Probleme geben. Rassen, die mir sehr gut gefallen, wären zum Beispiel der Große Schweizer Sennenhund und der Rhodesian Ridgeback. Passen aber beide nicht zu meinem Lebensstil, zumindest im Moment nicht. D.h. in absehbarer Zukunft werden diese Rassen nicht bei mir einziehen.
Ich habe einmal einen Rentner mit einem jungen Labbi getroffen, der mir sein Leid klagte... Er hatte sein Leben lang Gebrauchshunde. Rottweiler, Deutsche Schäferhunde, Belgische Schäferhunde, etc. Nun, da er 60 plus ist, dachte er sich, er holt sich was "Einfaches". Nun ja, und er holte sich einen Labbi und verzweifelte...
"Hätte ich mir nur wieder einen Tervueren geholt." Und ein Labbi ist jetzt (aus meiner Sicht) wirklich keine Rasse an der man verzweifeln muss. Aber es kommt halt auch drauf an, wo die eigenen Stärken liegen, was man für Ansprüche hat und was man gewöhnt ist.
Wenn du einen weißen Schäferhund möchtest und dir sicher bist, dass diese Rasse zu dir passt, warum sollte es dann schief gehen? Schief geht es dann, wenn du übersteigerte Ansprüche an dich selbst und den Hund hast, die du dann nicht gebacken bekommst.