Ich weiß gar nicht, was ich hier schon zu Whiskey geschriebenhabe und was nicht. Aber ich dachte, ich fasse jetzt einfach malalles zusammen. Vielleicht helfen meine Erfahrungen ja auchirgendjemandem. ![]()
Kurze Vorgeschichte:
Whiskey wurde am 30.09.2013 geboren, kam dann irgendwann zu einerFamilie mit 5 Kindern und wurde recht bald auf den Balkonausquartiert. Mehr wissen wir nicht. Nichtmal die genaue Rasse(n), imImpfausweis steht Berner Sennen Mix.
Meine Vermutung: Bauernhofwurf, Mischung aus AppenzellerSennenhund und Kleiner Münsterländer und zu Weihnachten alsKinderspielzeug angeschafft.
Als er ankam hatten wir mit ihm folgende Probleme:
- Alleine bleiben
- Angst vor Gegenständen und Menschen
- Artgenossenaggression
- Beißen/Beißhemmung
- Besuch belagern/Hände kauen
- Essen klauen
- (Futterunverträglichkeiten - in Klammern weil ja keinVerhaltensproblem)
- Geräuschangst
- Geräusche melden
- Jagdverhalten
- Leinenführigkeit
- Manipulationen (bürsten, Krallen schneiden) zulassen
- Ressourcenverteidigung
- Ruhe halten
- Stubenreinheit
- Übersprungshandlungen (in alles hinein beißen was geht,hysterisches Kläffen usw.)
Nach 3 ½ Jahren bei uns noch vorhanden sind folgende Probleme:
- Artgenossenaggression
- (Futterunverträglichkeiten - in Klammern weil ja keinVerhaltensproblem)
- Geräuschangst (nur noch Feuerwerk)
- Geräusche melden
- Jagdverhalten
- Leinenführigkeit
- Ruhe halten
- Übersprungshandlungen (in alles hinein beißen was geht,hysterisches Kläffen usw.)
Ich versuche jetzt mal zusammenzufassen, wie wir die einzelnenProbleme in den Griff bekommen haben und wie wir an den nochvorhandenen Problemen arbeiten. Damit das Ganze nicht in einen 3km langen Post ausartet (ich muss den Post sogar schon dreiteilen, weil über 10.000 Zeichen
), packe ich die Texte unter den Überschriften in Spoiler, so kann jeder lesen, was ihn interessiert und wen es nicht interessiert, kann einfach weiter scrollen ![]()
- Alleine bleiben:
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Das klappte tatsächlich „einfach so“. Wir haben einen Weggefunden, wie es für uns/ihn klappt. Man muss ihn zwar immer aufdieselbe Art und Weise alleine lassen, aber wenn man alles so macht,wie er das möchte, bleibt er problemlos bis zu 12 Stunden alleine(nein, ist nicht die Regel, war eine bisher einmalige Ausnahme). Ichhabe mich immer mal wieder vom Smartphone selbst per Skype auf demLaptop angerufen (zwei Accounts) und geschaut, was der Wuff sotreibt. Etwas rumlaufen und dann vor der Wohnungstür schlafen. Sosolls doch sein ![]()
Unser Ritual sieht so aus: Ich ziehe mich so weit an, bis auf dieSchuhe, lege ihm im Wohnzimmer was zu kauen oder einen Karton mitFutter und Zeitungspapier hin, er muss im Platz davor warten, ichziehe mir die Schuhe im Flur an und bevor ich die Tür aufmache,bekommt er die Freigabe. Dann entferne ich mich so ruhig wie möglichaus der Wohnung.
Die Türen zum Zimmer meines Mitbewohners, Badezimmer und Küchemüssen zu sein, ebenso alle Fenster. Sonst dringen zu vieleGeräusche von außen in die Wohnung, was sein Stresslevel wiedersteigen lässt. Wird es dunkel, während ich weg bin, lasse ich imWohhnzimmer ein Licht an, wirkt er auf mich gestresst, mache ich ihmden Fernseher an, damit er weniger Geräusche von draußen wahrnimmt.
- Angst vor Gegenständen und Menschen:
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Hier bin ich mir nicht sicher, was letzen Endes denErfolg gebracht hat, aber ich glaube, dass es vor allem seingeistiger Reifungsprozess erledigt hat.
Zwischen seinem 3. und 4. Geburtstag ist er viel viel(umwelt)sicherer geworden und hat immer weniger Angst bzw.Unsicherheit gezeigt.
Zusätzlich habe ich ihn in dem Prozess unterstützt, indem ichbei „gruseligen Gegenständen“ einen Trick eingefordert habe. Undzwar sollte er an den Gegenständen „Step“ machen, sich also mitden Vorderpfoten drauf stellen. Das haben wir bei ganz vielen Dingengemacht und mittlerweile ist da echt nichts mehr ein Problem. Auchwackelnde Sachen, Sperrmüll etc. sind kein Problem mehr. Er gehtauch problemlos über alle Arten von Untergründen.
Bei Menschen hat vll. auch geholfen, dass wir viel aufMittelaltermärkten unterwegs sind und da ja alles mögliche anmerkwürdigen Gestalten rumläuft ^^ Zusätzlich konnte man dortwunderbar unterscheiden üben: Menschen, die er im Auge behalten undmit knurren/bellen (vom Lager) fernhalten darf und Menschen, dieharmlos sind. Letztere habe ich mit „Ist in Ordnung“ für denHund uninteressant bekommen.
Bleibt er beim Gassi stehen und fixiert jemanden, ist es sehrwichtig, dass ich nicht ziehe, sondern mich an der Leine an ihn"ranangel", zwischen ihn und die Person gehe und ihn dannso mitnehme. Dadurch, dass ich durch meinen Körper den Blickkontaktunterbreche, fällt ihm das Abwenden wesentlich leichter, als wennich ein paar Meter hinter ihm stehe und ihn anspreche.
Ich habe mich im Herbst leider von meiner Tierärztin dazuüberreden lassen, wegen seines Verhaltens den Kastrationschipauszuprobieren. Als die Wirkung dessen vollständig eingesetzt hatte,ist die Ängstlichkeit zu einem guten Teil wieder gekommen. Nicht soextrem, wie es mal war, aber das wirklich entspannte Verhalten istwieder weg. Ich gehe davon aus, dass sich das Verhalten mit„Auslaufen“ des Chips wieder bessern wird (fingers crossed!!).
- Artgenossenaggression:
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Kann ich nicht so viel zu sagen... Das ist mal besser,mal schlechter. Es betrifft halt vor allem andere unkastrierte Rüden.Wir haben hier so 3 Hunde, die er auf den Tod nicht ausstehen kann,da wird es wohl nie besser werden und bei denen reicht es halt auchschon, wenn er nur die dazu gehörigen Menschen sieht.
Am Besten klappt es, wenn ich den anderen Hund vorher sehe, einenrelativ großen Abstand dazwischen bringen kann (Bogen laufen) undWhiskey sich nicht bewegen muss (sitzen darf). Fürs ruhig bleibenund fürs Blick „vom Feind“ abwenden gibt’s Leckerchen. Ichversuche immer wieder das deeskalierende Sitz, wenn er schonausrastet den Geschirrgriff und wenn er wieder etwas ruhiger ist,streue ich eine handvoll Leckerlies auf den Boden. Durch das suchenwird er automatisch ruhiger.
Wenn er im Freilauf ist, kann ich ihn von anderen Hunden abrufen,bzw. bei mir behalten, wenn andere Hunde da sind. Aber nur, weils daSEINEN Ball gibt. Für den lässt er alles stehen und liegen.
Ich hätte auch das gerne anders, aber da wir ohnehin meistensdann Gassi gehen, wenn kaum andere Hunde unterwegs sind (man kennt jairgendwann die Zeiten der anderen xD) und ich es recht gut managenkann, steht das im Moment einfach hinten an. Er ist bei diesenHundebegegnungen im Moment so extrem erregt/gestreßt, dass erohnehin nichts lernen kann.
- Beißen/Beißhemmung:
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Haben wir ganz klassisch wie beim Welpen trainiert. BeißtDu zu doll, ist das Spiel beendet.
Leider hat er zu Beginn sofort abgeschnappt, ohne vorher zu warnen(danke an die Vorbesitzer!!), deshalb haben wir alles an Warnen undBeschwichtigungssignalen bestärkt (ihn sofort in Ruhe gelassen) undmittlerweile zeigt er deutliches Beschwichtigungsverhalten und knurrtauch, wenns aus seiner Sicht „sein muss“.
In seinem Übermut fährt er beim Spielen oftmals noch zu sehrhoch, vor allem, wenn Lucy gerade da war. Dann kommt einfach ein"Aua!" von mir und er ist sofort ganz vorsichtig undbeschwichtigt.
- Besuch belagern/Hände kauen
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Da bin ich mittlerweile sehr rigoros, weil nichts anderesgeholfen hat. Der Besuch bekommt die Ansage, dass er den Hundignorieren soll. Nicht anfassen, nicht ansprechen, nicht anschauen.Wird sich nicht daran gehalten, ermahne ich den Besuch ein-, maximalzweimal bzw. halte Whiskey zurück und wer dann nicht auf mich hörthat Pech gehabt. Dann lasse ich Whiskey vollkommen ungehindert machenund das tun sich die meisten Menschen nur einmal an, weil er auf dieLeute drauf klettert, im Gesicht leckt, die Hände bekaut etc. pp.Ausnahme ist mein Vater, der will/kann einfach nicht auf mich hören,da greift dann meine Mutter idR ein und hilft mir.
Ich nehme Whiskey, wenn Besuch zu uns kommt, zunächst an die(sehr kurze) Leine, damit er Besuch nicht anspringt und ihn auchansonsten in Ruhe lässt. Ruhiges Verhalten wird belohnt, meist durchkleine, eher uninteressante Leckerchen (um ihn nicht durch zu tolleBelohnungen zusätzlich hochzufahren). Er kommt erst von der Leine,wenn er sich beruhigt hat. Bei Leuten, die er bereits kennt, darf erdann auch mal kurz begrüßen (mit genauer Instruktion des Besuchs →ruhiges Sprechen und Streicheln, kein Aufdrehen). Kommt er gar nichtrunter, kommt er in ein anderes Zimmer.
Ich hätte das auch gerne anders/ruhiger, aber das ist einZustand, mit dem ich im Moment tatsächlich ganz gut leben kann.
- Essen klauen
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Würde hier was auf dem Tisch stehen und wir wären langegenug weg, würde er es immer noch tun. Aber am Anfang ist er vorlauter "Fressgeilheit" sogar von unten gegen die Tellergesprungen, wenn man sie von der Küche ins Wohnzimmer getragen hat,ist auf den Tisch geklettert oder hat versucht, einem das Essen vonder Gabel zu klauen. Das haben wir tatsächlich mit„anblaffen“/anschnauzen hinbekommen. Er wurde geblockt und hatdabei eben einen verbalen Anraunzer bekommen. Mittlerweile reicht jenach Hunger seinerseits ein Blick oder ein „Ey...!“. Zusätzlichhat die Verbesserung seines Ernährungszustandes da denke ich auchbei geholfen. Als er zu uns kam wog er gerade mal 17kg (56cmSchulterhöhe) und sein Idealgewicht liegt bei 22-23kg.