Beiträge von hasilein75

    Kann so ein Trauma (mit "Nachwirkungen") auch passieren in der Zeit, an die man sich nicht erinnern kann?
    Also als Baby zum Beispiel? Die wenigsten erinnern sich ja an ihre Babyzeit.

    Na klar. Das nennt man frühkindliches Trauma oder Entwicklungstrauma. Meistens ist das jetzt nichts was man sich dazu so vorstellt (schütteln, oder sonstige Mißhandlung) Vielleicht musste das Baby länger im Krankenhaus bleiben als die Mutter, durfte selten Kontaktliegen, wurde nach der Uhr gefüttert..... sowas halt.

    Weil grad Verlassensängst etc. haben ihre Gründe ja öfters in der Zeit, nicht?

    Meistens treten die o.g zusammen mit einem Bindungstrauma auf.
    In der frühen Kindheit entwickelt sich das Bindungsmodell eines Menschen. Im Idealfall merkt ein Kind, dass auf seine Bedürfnisse reagiert wird. Wenn es Angst hat kommen die Bezugspersonen und trösten es entwickelt dadurch eine sichere Bindung.
    Wenn das Kind das nicht erfährt, entwickelt es eine unsichere Bindung. Zum Beispiel eine unsicher vermeidende, wenn es gemerkt hat, dass eh nie jemand kommt.
    Kinder psychisch kranker Eltern (z.B. Borderline) entwickeln häufig eine unsicher ambivalente Bindung. Weil je nach Stimmung der Bezugspersonen wurde sich mal gekümmert und mal nicht.
    Opfer von Gewalt als Baby sind häufig hochunsicher -desorganisiert gebunden.

    Im Laufe seines Lebens kann man natürlich korrigierende Bindungserfahrungen machen und es entwickelt sich ein zweites Bindungsmodell.
    In Krisen fällt man aber ins erste Bindungsmodell zurück. Das sind dann oft die Momente, wo Freunde oder Partner die Welt nicht mehr verstehen.

    Klingt sehr romantisch und führsorglich, ja. Aber es erhöht einfach auch massiv die Fortpflanzungsrate.

    Wild in Notzeiten bei geschlossener Schneedecke nicht elendig verhungern zu lassen ist m.E. eine moralische Pflicht.

    Wir müssen alle irgendwann mal sterben, aber hungrig, entkräftet im Schnee, langsam krepierend. Nein, das wünsche ich keinem Tier.
    Den Schöpfer im Geschöpfe ehren...

    @hasilein75
    Ab wann ist ein Erlebnis so gravierend dass es einen Jahre später noch belastet?
    Weißt du das zufällig?

    Das ist total individuell. Was für den einen ein traumatisches Erlebnis ist, ist für den nächsten nur ein Scheisstag gewesen. Das hängt vom persönlichen Erleben in der Situation ab.
    z.B. Zugunglück: A und B sitzen im Zug. Plötzlich beginnt der Zug zu entgleisen. A zieht die Notbremse und fängt gleichzeitig noch C auf. B wird durch den Zug geschleudert. GSD beide nur Prellungen. B ist traumatisiert, weil sie sich in der Situation hilflos gefühlt hat und nicht entkommen konnte. Sie kann nicht mehr Zug fahren, das Gefühl, Panik ist sofort wieder da, wenn sie nur in die Nähe eines Zuges kommt. B konnte in der Situation etwas tun und hat sich daher nicht als ausgeliefert und hilflos erlebt. Er kann die Situation mit Freunden besprechen und nur bei der ersten Zugfahrt danach hat er ein klammes Gefühl.

    Dann gehe ich in meiner Familie nochmal auf die Suche nach Erlebnissen, vielleicht lässt sich doch noch was finden.

    Wahrscheinlich "weiß" das außer dir keiner. Und du hast die Erinnerung abgespalten. Daher weißt du das bewusst auch nicht mehr.
    Nur das Körpergedächtnis erinnert sich und aktiviert sofort den Hirnstamm. Und der schmeißt die Reaktion an, die er von damals kennt. Bei dir eben das einfrieren / erstarren.
    Wir nennen den Auslöser mal DOING (Nebengeräusch Wuff) Direkter Weg Hirnstamm.
    In der Therapie versucht man dann den Umweg wieder einzubauen, also WUFF, Amygdala, limbisches System = verschiedene Möglichkeiten auf Wuff zu reagieren.
    Der Umweg ist erst ein Trampelpfad, dann ein Weg und irgendwann die Autobahn.

    Wenn irgendwas komisch erklärt ist, frag ruhig nach.