Deine Körpersprache ist sehr wichtig und das ihr wisst, was euren Hund in gewisse Situationen überfordert (bei Kami ist es Körperkontakt).
Wir haben das mit dem Sofa ganz intuitiv gemacht und es quasi indirekt schöngefüttert. Da gibt es sicher viele üblichere Wege.
Unsere Hündin darf immer auf das Sofa und das Bett, auch ohne Einladung, nur wenn ich sage runter, muss sie halt runter.
Sie hat also eine Fleecedecke auf das Sofa bekommen. Und alle Kausnack haben wir immer nur noch auf das Sofa gelegt und dem dann keine Beachtung mehr geschenkt. Anfänglich ist sie noch mit dem Snack runtergesprungen. Dann bliebt sie da und hat dort gefressen.
Stück für Stück wurde das Sofa ein Ort auf dem es leckere Sachen gibt, sie hat das Teil positiv verknüpft und auch irgendwann angefangen dort nachts zu schlafen.
Damit war die erste Angst besiegt, sie wusste sie darf da rauf, alles gut.
Tagsüber war das problemtischer. Wenn sie drauf ist durfte man sie nicht beachten. Wir haben also bewusst weggeschaut, sind nie zur ihr hin und dann immer nur vorbei gelaufen. Ist sie dochmal verschreckt aufgesprungen, haben wir sie wieder eingeladen dort hoch zu gehen.
Für uns ist das einfacher, weil wir Zuhause sind und arbeiten, also ja nicht erst Abends heim kommen und dann eigentlich auch gerne selbst auf dem Sofa sitzen wollen. 
Irgendwann war es so weit, das man sie auch anschauen konnte, man konnte sie auf das Sofa schicken und sie legte sich völlig entspannt hin, man konnte auch hingehen und sie streicheln,...
Irgendwann habe ich mich einfach dazu gesetzt und habe sie nicht beachtet. Ist sie runtergesprungen (plötzlich bewegt sich das Polster ja, gruuuselig), habe ich sie aber wieder eingeladen hochzukommen.
Jetzt liegt sie auf dem Sofa man kann sie auch streicheln,... Sitzen wir drauf, wartet sie trotzdem auf eine Einladung, hopst dann aber hoch und weiß es ist OK.
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Das mit den Kausnacks mussten wir dann irgendwann wieder abbauen und ich habe die wieder auf ihr Hundebett gelegt. Dann wollte sie damit immer auf das Sofa, das habe ich nicht zugelassen und sie gelobt wenn sie auf ihrem Bett geknuspert hat und sie danach zu mir auf das Sofa eingeladen. Also sie lag bin ich gegangen. Damit sie weiß Sofa ist nicht tabu, nur kauen wäre schöner auf dem Hundebett.
Das ist sicher kein klassicher weg, den ein Trainer vorschlagen würde, wie gesagt wir haben das einfach so gemacht.
Man könnte auch jede Annäherung von ihr an das Sofa bestätigen (verbal oder mit Leckerlie), man könnte auch eine Decke erstmal ins Hundebett legen (wenn sie dort schläft) und diese Decke irgendwann auf das Sofa legen und sie dann dort hin einladen und erstmal nicht beachten,... Das kommt ja immer auf den Typ Hund an.
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Zum Hausflur ist da vielleicht mal was passiert, was sie erschrocken hat? Tür zu laut zugefallen, vielleicht ist auf einer Morgenrunde mal was passiert oder der Schlüssel ist runtergefallen am Briefkasten,...
Unsere lernt recht Zeit- und Ortsgebunden.
Wir hatten einen blöden Zwischenfall mit einem Böller. Sie hat also bei der Abendrunde schon in der Wohnung Stress gehabt, wollte nicht mehr runter und nicht mehr in den Park (dort ist es passiert). Tagsüber alles überhaupt kein Problem.
Dann gab es vor einigen Tagen einen Vorfall, da wurde sie Nachts von einem Hund angegriffen, wenn wir an der Stelle ankommen hat sie Stress (hechelt), auch nur nachts, tagsüber kein Thema.
Ansonsten haben wir viel für ihr Selbstbewusstsein getan. Gruselphasen gibt es ab und an immer noch. Sie schaut auch erst, ich belohne aber auch das neugierige Kontaktaufnehmen. Also es reicht mir nicht, wenn sie einfach guckt, ich will das sie sich damit auseinandersetzt.
Da steht Nachts plötzlich ein Spülentisch am Wegrand, oh gruselig, erstmal gucken, fängt sie an in die Richtung zu schnüffeln bestätige ich das, gehe einen Schritt vor und so weiter und wir gucken uns das Teil an, sie schnuppert das einmal ab, supi. In so Situationen habe ich immer "is OK Kami" gesagt. Nun weiß sie schon, wenn ich das sage, ist es wirklich OK.
Jetzt bleibt sie auch noch stehen und guckt, geht aber von ganz allein auf die neuen Sachen zu um sie zu inspizieren.
Wir haben viel für ihr Körpergefühl getan, balancieren, springen über flache Grünanlagenbegrenzungen,... Konnte sie alles nicht, hat sie sich nicht zugetraut. Beim Balancieren habe ich sie gestützt, damit sie nicht fällt. Über die Grünanlagendinger ist sie "geklettert". Kann man auch Spaziergängen immer schön einbauen. Inzwischen hopst sie 80cm einfach hoch. Das soll sie nicht ständig tun, es geht nur darum, das sie das Vertrauen in sich bekommt auch Sachen zu meistern, die am Anfang undenkbar schienen.
Ich versuche bei neuen Geschichten nie frontal vor ihr zu stehen, eher seitlich, mich nicht zu ihr zu beugen, eher mit etwas Abstand, gucke sie nicht direkt an. Geschirr wurde am Anfang alles im sitzen, mit reichlich Käse gemacht.
Manchmal vergesse ich das, überfordere sie, ist schwierig für mich, weil wir davor eine seeeeeeeeeehr selbstbewusste Hündin hatten. Ich muss mich dann bewusst daran erinnern.
Ansonsten ist sie so wie deine. Sie ist kein Angsthund oder so. Sie geht fröhlich durch die Welt, man kann sie überall mithinnehmen, sie bewertet Sachen unglaublich schnell positiv für sich (3x S-Bahnfahren OK, 1x Treppen steigen OK,...). Lärm, Jogger, Radfahren, alles überhaupt kein Thema, man könnte meinen die ist in der Stadt groß geworden.
Aber komische Phasen hat sie trotzdem manchmal. Gestern ging die Geschirrgeschichte kurzzeitig mal wieder los. Ich musste mich also wieder hinsetzen zum anziehen obwohl das nun Monate kein Thema mehr war. Heute alles wieder gut, man hat halt auch mal nen schlechten Tag oder irgendwas flackerte in ihr hoch, keine Ahnung.
Gib ihr Geduld und Zeit, sind ja erst 4 Wochen, das ist nix.
Kami am Anfang wenn sie auf uns zukam + züngeln schlecken, tiefes wedeln:
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3 Monate später
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Und das ist bis jetzt 5 Monate noch kein Standard, aber sie wird immer offener selbstbewusster und fröhlicher.
Kami ist die Kategorie, wenn man sie zu sehr bedrängt wirft sie sich platt auf den Boden, würde man sie anfassen, würde sie auch den Bauch präsentieren. Und sie schleckt dann sehr viel, auch die Hände,... ab. Die Leute denken dann sie will gestreichelt werden und sie findet das gut, das ist aber ihre Art mit Stress umzugehen (abschlecken).
Sie mag es gestreichelt zu werden, aber nicht in jeder Situation. Mich schleckt sie kaum noch ab und sie liegt auch auf dem Rücken, streckt aber alle Beine ab, legt den Kopf zurück, will an der Brust gekrault werden und grunzt dann wohlig. Das sieht ganz anders aus, als das Verhalten oben. Beim meinem Freund ist das ähnlich, der geht aber auch noch manchmal auf das "unterwürfige Präsentieren" ein, er merkt es nicht immer gleich, das viele Schlecken ist ein guter Indikator und nun merkt er es schon selbst.
Macht sie das draußen bei Fremden rufe ich sie raus und nehme sie hinter mich, das nimmt sie gerne an. Halt diese typischen Begegnungen mit fremden Hundehaltern. Viele verstehen nicht, das sie das eigentlich gar nicht will, es reine Unterwürfigkeit ist.
Bei Freunden/Bekannten ist es oft noch schwierig, weil sie sich schon freut aber doch auch sehr unterwürfig ist.
Legt sie sich bei uns hin, wenn ich etwas von ihr will, motiviere ich sie aufzustehen und sage "is OK Kami".
Wie gesagt das wird, das kommt ganz von allein, sie scheint ja so eine fröhliche und entspannte Maus zu sein, das bringt dann auch einfach die Zeit und das Vertrauen in euch.
Sorry für den Roman 