Auf dem Rückweg lief WEIT vor uns (bestimmt 50 Meter) ein Pärchen mit einem Hund). Daher leinte ich Nils an. Zuerst hat er diesen Hund gar nicht gesehen. Sobald er ihn wahrgenommen hatte: Rieeesiges Drama, obwohl der so weit weg war. Ich blieb stehen, ging ein Stück in die andere Richtig: Hat ihn nicht weiter interessiert. Umgedreht, herumgejammert. Da ich dann auch nach Hause musste wegen eines Termins bin ich wieder in die gleiche Richtung gelaufen, Nils fing an zu ziehen, konnte sich überhaupt nicht beruhigen. Ich bin in solchen Situationen einfach absolut hilflos.
Er weiß noch nicht, was in solchen Situationen von ihm gefordert ist. Das braucht viel Training und das eben auf Distanz.
Es ist auch wichtig, das du auf ihn "einwirkst", bevor er in die hohe Erregungslage rutscht. Wenn er erst in dem Level ist, KANN er nix mehr lernen oder verstehen. Das kommt vielleicht später, wenn das Verhalten aufgebrochen wurde.
Beispiel, unsere Hündin bellt aus Unsicherheit manchmal andere Hunde, besonders wenn sie an der Leine ziehen, weil sich die Körperspannung der Hunde dann nach vorne verlagert. Oder halt bei sehr dynamischen Hunden, die will sie aber einschränken.
Wir trainieren da auch dran.
Bei in der Leine hängenden Hunden, gibt es einen Punkt schon auf Entfernung, wo sie langsamer wird, der Körper sich anspannt. Das ist der Moment wo ich schon reagiere. Ich sage ihr "ist OK Kami". Das "ist OK" ist quasi schon vorher aufgebaut. Ich habe es immer gesagt, wenn sie mal Angst hatte, die Sachen aber immer positiv verlaufen sind. Z.B. Abends steht eine Spüle auf dem Weg die sie gruselig findet, dann sage ich "ist OK" und wir schauen uns das Objekt an und es gibt Kekse.
Auf das "ist OK" entspannt sie sich also, in dem Moment wo die Körperspannung weicht, lobe ich sie und sie bekommt ein Leckerlie. Das Markerwort ist "Super", das nutze ich während wir passieren und danach gibt es nochmal eine Belohnung.
Bei dynamischen Hunden sind es Polizistengene, sie will den Hund gern einschränken. Da gibt es einen Abbruch "ähäh", denn dieses Verhalten wünsche ich nicht und es ist anders motiviert - keine Angst.
Da fange ich nicht erst an, wenn sie zu dem anderen hinzieht oder schon bellt, sondern in dem Moment, wo sie die Ohren aufstellt und sich anspannt.
Da kommt das, was ich von ihr will noch an. Wenn sie erstmal bellen würde, müsste ich schon viel massiver werden und das will ich nicht.
Also gibt es da schon den verbalen Abbruch und in dem Moment wo sie den Kopf wegdreht,... gibt es gleich das "Super" und eine Belohnung.
All diese Sachen, muss man vorher natürlich aufbauen. Das Markerwort signalisiert dem Hund "das machst du toll". Kann man leicht aufbauen. "Nils - Sitz - Nils setzt sich - Super - Keks".
Zu all diesen Sachen gibt es auch Videos bei Youtube, Aufbau Abbruchkommando,... Oder du fragst deinen Trainer.
Wichtig ist, das du schon eingreifst, bevor er in die hohe Erregungslage rutsch, da ist er nicht mehr aufnahmefähig, das Stresslevel verhindert das.
Pass auch auf, das das Anleinen kein Trigger wird. Er also nicht verknüpft "wenn ich angeleint werde, muss irgendwo ein Hund sein" und dann irgendwann automatisch beim anleinen aufgeregt wird.
Es gibt 1000 Wege, aber das alles braucht Zeit. Du musst herausfinden wann Nils noch ansprechbar ist und dann mit ihm arbeiten. Und das sind eben keine Wochen, sondern Monate.
Ich bin gespannt, was der Trainer vorschlägt.
Gestern ist uns ein drohfixierender Schäferhund entgegen gekommen. Da weiß ich, das packt Kami nicht, da kann ich noch so sehr "ist OK" sagen. Sie bietet dann ein Bogen an, also gehe ich den mit ihr und wenn das heißt ich latsche eine 10m Bogen durch die Botanik.
Wir haben es etwas einfacher, weil 90% der Hunde kein Problem sind, aber so rein wegen dem Timing. Wenn Nils auf 50m Probleme hat, sucht man sich eine Stelle wo man 60m Distanz hat. Bleibt stehen und wenn Nils ruhig ist, wird er belohnt. So kann man sich langsam rantasten, damit er versteht, ruhiges Verhalten ist erwünscht, hochdrehen und zergeln bringt keinen Erfolg.