Zitat
Es geht ja hier in der Hauptsache um den Einsatz des Stachelhalsbandes im Sport.
Aber wie sieht es im Alltag aus?
Denn das dürfte ja für mehr User interessant sein, denn 100% aller Hunde sollten (
) im Alltag funktionieren, aber nur ein Bruchteil wird im Sport geführt.
Gibt es Möglichkeiten ein Stachelhalsband adäquat in der Alltagserzioehung einzusetzen oder eignet sich das tatsächlich nur zur Feinjustierung für die perfekte Grundstellung?
Ich kann das natürlich im "Alltag" punktuell ähnlich einsetzen - ich sehe das nur nicht wirklich als Erfolgversprechend an, einfach weil diese Ebene der Perfektion im Alltag kaum jemand halten kann (und will).
Letzenendes muss man sich auch mal verdeutlichen, wie soein Halsband wirkt und wann ich damit einfach wirklich einen feinen Reiz setze, wann es unangenehm ist und wann ich mir wirklich Schmerz zufüge.
Arbeite ich an feinen Korrekturen, dann sollte es sich irgendwo im Bereich 1 und 2 bewegen. In Bereich 3 komme ich erst, wenn ich wirklich hart und mit Schwung anrucke, nicht aber, wenn z.B. einfach konstanter leichter Zug (wie beim normalen Leinenzieher) drauf ist.
Ich persönlich bin der Meinung, dass das normale vermitteln von Leinenführigkeit (mir reicht es allerdings nicht hinterhergeschleift zu werden, leichte Spannung ist für mich ok) ohne große Hilfsmittel auskommen kann und das große Trainingsaufgebot hier bei den meisten Hunden und bei einem Halter, der halbwegs weiss was er tut, mit Kanonen auf Spatzen geschossen wäre.
Allerdings gibt es überall Dinge die einfach schief laufen und auch einfach Kombinationen, die ungünstig sind. Dort kann es letzenendes meiner Meinung nach durchaus nötig sein, als Managementmaßnahme auch einfach mal einen Stachel zu nutzen. Denn Fakt ist nunmal, wenn der Hund seinen Halter durch die Gegend schleift und soein Halsband an bekommt, dann wird das schlicht konstanten Druck ausüben, ihm unangenehm sein (und ja, es besteht schon ein Unterschied zwischen Schmerz und Unangenehm) und den Halter nicht ganz wie das Fähnchen im Wind wirken lassen. Jaja, sicher sollte, etc. und überhaupt es nicht dazu kommen - aber das sollte hilft einem im hier und jetzt auch nicht weiter - und letzendes kann es punktuell auch Situationen geben, in denen es für alle Beteiligten am sichersten ist, auch mal einen Schmerzreiz zu geben. (ja ich weiß, in der Welt des DF nicht)
Ganz knuffig finde ich da noch den Vorschlag, dass man das doch auch einfach mit Richtungswechseln arbeiten könnte.
1. Ich kenne keinen Hund, der nur dadurch eine halbwegs anständige Leinenführigkeit erlernt hätte - sorry, wirklich keinen einzigen. Die haben das Spiel idR alle recht schnell durchschaut.
2. ist jeder Richtungswechsel nichts anderes als ein Leinenruck, nur das er halt "Zufällig" passiert, wenn ich die Richtung wechsle. Ist das jetzt netter, weil ichs nicht bewusst mache?
Ich persönlich bin schon der Meinung, dass wenn ich auf einem normalen Spaziergang, als halbwegs kompetenter Hundehalter, nicht ohne Stachel auskomme, dann liegt einfach ein Problem vor - aber es hilft auch nichts, da nun Seitenlang drüber zu debatieren, denn das macht das Problem auch nicht kleiner.
Mir persönlich wäre es z.B. auch deutlich lieber, der Hovawarth aus der Straße, in der ich früher gewohnt habe, hätte statt eines weich gepolsterten Geschirrs einen Stachel getragen. Selbiger, hatte leider Gottes das einzige Hobby, andere Hunde (egal welche) so zu verräumen, dass meistens Fleischfetzen fehlten, während seine Halterin (die ungefähr in der selben Gewichtsklasse spielte), ab dem Moment ab dem er Fahrt aufgenommen hatte, vollkommen hilflos hinterherflog. Ja, natürlich lief da einiges falsch. Nur bevor ich meinen Hund darunter vor ziehen muss oder mir die gute vors Auto geschleift wird, hat die lieber halbwegs ausgeglichene Kraftverhältnisse.
Ich selbst habe im übrigen auch schon einer Älteren Dame mit Schäferhündin(die ich dann im Sport geführt habe, zur Auslastung des Hundes) einen Stachel beim Spaziergang empfohlen - warum?
Die Hündin hatte 30kg, die Frau noch 33 (ja, 33 als erwachsene Frau mit 1,70). Die Frau war weiterhin schwer Lungenkrank und hatte Probleme mit den Augen, sodass sie andere Hunde ab ca 30m Entfernung garnicht mehr sehen konnte.
Die Hündin war nicht besonders gut auf andere zu sprechen, dazu noch stark leinenagressiv. Die bisherige Problemlösungstaktik der Frau war, immer mit Fahrrad spazieren zu gehen, die Leine um den Lenker zu schlingen und wenn der Hund abging zu hoffen, dass das Fahrrad als Anker wirkte.
So. Natürlich kann man sich fragen, warum holt sich eine Frau mit Ende 60, ohne jegliche Erfahrung mit eigenen Hunden (sie kannte nur die fertig ausgebildeten Hunde ihres Lebensgefährten) einen Schäferhundwelpen?
Tja, sie kannte wie gesagt keine "unfertigen" Hunde. Ihr Lebensgefährte wollte keinen Hund mehr, liess sich aber überreden ihr zu helfen, wenn sie sich einen holt. Dummerweise hatte er einen Schlaganfall, als der Hund ein halbes Jahr alt war und wurde zum Pflegefall. Dann wurde sie noch krank und sie stand mit dem Hund da.
Sicher wäre es das intelligenteste gewesen, den Hund abzugeben. Nur bei den ganzen perfekten Hundehaltern hier, sollte man nicht vergessen, dass es durchaus Fälle gibt, in denen der Hund, egal wie blöd die Kombination ist, der Hund der einzige und letzte Halt im Leben ist und ihn abzugeben, den Menschen umbringen würde. So war der Stachel für einen gewissen Zeitraum eine Hilfe, für alle Beteiligten. Für die Umwelt, die sich von dem Hund nicht mehr bedroht fühlen musste, für die Frau, die nicht mehr hinter ihrem Hund herflog und für den Hund, der so weder vom AUto überfahren noch vom Ordnungsamt nach Beissvorfall einkassiert und eingeschläfert wurde.