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Ich finde es sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Den VDH kritisieren, heisst nicht alle Dissidenzvereine gut zu finden. Man muss jedes Ding für sich betrachten.
Die in bester Absicht und Unwissenheit unter dem Dachverband betriebene Inzucht und Übertypisierung hat de facto bei sehr vielen Rassen zu einem genetischen Flaschenhals geführt. Das Problem löst man nicht durch weitere Auswahl, also weitere Verkleinerung des Genpools. Das ist biologisch nicht möglich, was an genetischen Varianten verloren ist, ist verloren.
Bei meiner Rasse, die weltweit verbreitet ist, wird viel "altes Blut" über die gezielte Einfuhr von Zuchthunden oder Auslandsdeckakten zurückgeholt. Das geht von Rußland bis Canada. Leider ist diese "Rückfuhr" nicht ganz risikolos, da die deutschen Vereine mit Abstand die strengsten Zuchtordnungen der Rasse haben, und aus anderen Populationen nur begrenzt Informationen über Defekte vorliegen, die hier bereits weitgehend zurückgedrängt wurden.
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Der VDH ist in der einzigartigen Position, in den Zuchtvereinen ein Umdenken einzufordern. Sinnvolle Einkreuzungen zuzulassen; die absurde Überbetonung der äusserlichen Merkmale zurückzustellen; die körperliche Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Zuchttiere auch bei "Showzuchten" sicher zu stellen. Also den eingeschlagenen Irrweg einzugestehen und zu korrigieren.
Ich sehe nicht, dass das passiert. Das Argument, dass andere es auch nicht besser machen (was stimmt!), zählt für mich nicht. Der VDH sollte Vorreiter sein.
Was Du forderst, wäre diktatorische Herrschaft. So funktioniert aber ein auf demokratischen Grundprinzipien aufgebauter Verband nicht. Das ist in der DDR versucht worden, wo per "Erlaß von oben" die Rasse des Schweren Warmblutes über Verdrängungskreuzung vernichtet werden sollte. Und selbst da haben sich Züchter quergestellt und Widerstand geleistet...
An der Basis, in den Vereinen, muß das Umdenken stattfinden, und tut es auch, das ist aber ein langwieriger Prozeß, weil er mittels Überzeugung funktionieren muß. Und es ist IMMER ein erzkonservativer Kreis vorhanden, der "geknackt" werden muß.
Aber ich stelle die Frage gerne noch mal:
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Welche Rassen wurden in der vom VDH kontrollierten Hundezucht in den letzten Jahrzehnten konkret verbessert? Ich bin sicher, dass hier Leute mit mehr Ahnung sind als ich, die diese Frage beantworten können.
Ich habe zu wenig Ahnung von anderen Rassen, bei meiner Rasse kann ich aber gute 30 Jahre aus eigener Erfahrung überschauen und habe auch viel in die Vergangenheit recherchiert. Eindeutig ist die Lebensdauer gestiegen (ohne ärtzliche "Intensivmedizin"), HD ist weit zurückgedrängt worden im Vergleich zu den 60er Jahren, Hasenscharten und Spaltrachen treten nur noch sehr vereinzelt auf, Ventilnasen gibt es so gut wie keine mehr, Hodenfehler wurden reduziert, kongenitale Herzerkrankungen und Spondylose sind im Monitoring.
Was ein ungelöstes Problem ist und woran seit Jahren geforscht wird, ist die überdurchschnittliche Neigung zu Tumoren. Ich wäre froh, wenn es da mal einen Durchbruch gäbe.
Ansonsten wird seit einigen Jahren bei Zuchttauglichkeitsprüfungen auf die korrekte Länge des Nasenrückens verstärkt geachtet, wobei es nach meinem und dem Geschmack vieler anderer gern noch ein Zentimeter mehr sein dürfte. Aber die Ausländer, die aufgrund der wenigen zu beachtenden Zuchtkriterien die Ausstellungen dominieren, geben leider noch die Mode des Übertyps vor. Allerdings sind Ausstellungen für eine Zuchtzulassung nicht erforderlich.