Ich wurde von frühster Kindheit an mit Erklärungen und ohne Verbote und damit auch ohne Strafen erzogen. Allerdings steht mir jemand nah, der auf das leiseste Wimpernzucken seines Vaters reagierte, weil er wusste, dass andernfalls Strafen folgen würden, die er fürchtete. Ich denke, er wirkte sehr "gut erzogen".
Aber eines Tages nahm er, als eine Strafe drohte den Baseballschläger und schlug seinen (meist bewaffneten Bodybuilder) Vater damit die Treppe hinunter. Notwehr.
Ich hab ihm von diesem Thema hier erzählt und er sagte sehr gefasst, "Diese solide aufgebauten Drohungen um einen Angst basierten Gehorsam zu erhalten, nennt man Terror." Das sei die Definition. Ich habs mal gegoogelt. Stimmt.
Joa. Hat mich erschüttert.
auch wenn Kindererziehung hier nicht das Thema ist, gibt es da ja durchaus Abstufungen.
ich wurde zb auch mit Strafen erzogen, ohne das meine Eltern mich jemals geschlagen hätten oder dergleichen. Ich habe und hatte auch nie Angst, dass meine Eltern mir gegenüber körperlich übergriffig werden könnten/konnten.
Aber mal als Beispiel: ich habe als Kind mal auf nem Blatt Papier, das auf dem Teppich lag, mit Filzstiften gemalt, Filzstift ging durchs Papier, der helle Teppich war danach bunt. Da musste ich als Strafe den Teppich sauber machen, so gut es eben ging.
Lernerfahrung: leg besser was unter, wenn du mit Filzstiften malst.
Bei meinen Eltern war immer völlig klar, welches Verhalten gerade Mist war und wie man es besser machen kann. Es kam nie aus heiterem Himmel, aus einer Laune heraus. Und noch mal: ohne dabei jemals körperlich übergriffig zu werden.
Das ist auch etwas, was ich bei Hunden wichtig finde: Vorhersehbarkeit. Nicht heute so und morgen so. Der Hund braucht meiner Meinung nach einen festen Rahmen, in dem er sich bewegen kann, in dem er genau weiß, was geht und was eben nicht geht.
Zumal ich meinen Hunden ja auch immer die Chance gebe, es richtig zu machen, in dem schon so früh wie möglich auf den Fehler hingewiesen wird. (Um mal bei dem Beispiel oben zu bleiben: man sieht, das Kind malt ohne Unterlage und sagt: leg besser was unter, sonst bekommt der Teppich was ab. Legt es dann dennoch nix unter, muss es den Teppich eben sauber machen.)
Meine Erziehung basiert aber auch darauf, dem Hund von Anfang an möglichst genau zu erklären, was genau ich will. Er weiß also genau, in welchem Rahmen er sich bewegen kann. Und wenn er den Rahmen verlässt, folgt auch immer erst ein Hinweis.
Es ist also nicht so, dass ich durch die Gegend laufe und nur darauf warte, dass ich meine Hunde für irgendwas bestrafen kann. Ganz im Gegenteil: ich lobe immer schon im Ansatz gute Entscheidungen und versuche eben auch im Ansatz schlechte Entscheidungen zu verhindern.
Die besten Spaziergänge sind für mich die, bei denen es nur Lob für die Hunde gab und ich nicht eine schlechte Entscheidung verhindern musste.